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Wladimir Klitschko bestreitet am Samstag seinen 61. Profikampf © getty

Wladimir Klitschko fühlt sich so gut wie nie. Statt an Geld und Titel denkt der 36-Jährige aber an seine private Zukunft.

Bern/München - In den Tiefen seines Herzens ist auch "Dr. Steelhammer" ganz weich.

Familienglück statt sportlicher Höchstleistungen, Schlagzeug spielen und fotografieren statt Jab und Aufwärtshaken: Abseits des Rampenlichts im Boxring träumt Schwergewichtschampion Wladimir Klitschko von einem ganz "normalen" Leben.

"Ich möchte eines Tages Kinder haben. Mindestens zwei", sagte der 36-jährige Ukrainer vor seiner Pflichtverteidigung gegen Tony "The Tiger" Thompson am Samstag in Bern im Gespräch mit der Tageszeitung "Die Welt": "Ich habe noch Zeit. Der Traum wird sich ganz sicher erfüllen."

"Es geht mir nicht um Titel"

So locker und gelöst präsentierte sich der Titelträger der Verbände IBF, WBO und WBA auch bisher in Bern vor seiner Pflichtverteidigung.

Flotte Sprüche und kleine Sticheleien gegen seinen Kontrahenten aus den USA, ein Konzertbesuch bei den Red Hot Chili Peppers, nach dem Kampf im Stade de Suisse will er auch noch das kulturelle Angebot der Schweizer Hauptstadt erkunden.

"Es geht mir nicht um Titel, ich zähle auch die Titelverteidigungen nicht, es geht mir nicht um Geld. Mir geht es um Zufriedenheit", sagt Klitschko.

"Jetzt sind meine goldenen Jahre"

Wer jedoch jetzt denkt, er bereite sich schon auf seine Zeit nach der Karriere vor, der irrt.

Sportlich ist der 36-Jährige immer noch hochmotiviert, Gedanken an ein baldiges Karriereende verschwendet er nicht. "Ich finde, jetzt sind meine goldenen Jahre. Körper und Kopf waren noch nie so im Einklang, ich war noch nie so belastungsfähig, aufnahmefähig", betont er.

Nur vor dem Verpassen des richtigen Moments für einen Rücktritt habe er "Angst".

"Ich hoffe, Vitali und ich erkennen den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören. Ich möchte eines Tages als Weltmeister abtreten", betont er: "Ich weiß nur, dass sich dieser Traum, den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden, schwer realisieren lässt."

Gesundheit steht an erster Stelle

Für andere Träume wird dagegen erst nach der Karriere Zeit sein.

"Liebend gerne" wolle er als Schlagzeuger mit Freunden in einer Band spielen oder mit der Kamera einige Wochen durch Australien reisen. Eines der wenigen Länder, die er in seiner langen Karriere noch nie besucht hat.

Doch bei aller Zukunftsmusik rangiert für ihn immer noch ein Wunsch an oberster Stelle: Gesundheit.

Niederlage unwahrscheinlich

Dass er darum gegen seinen kommenden Gegner besonders fürchten muss, ist eher unwahrscheinlich.

Wie auch bei seinem letzten Kampf gegen den Franzosen Jean-Marc Mormeck im März in Düsseldorf ist Klitschko gegen Thompson haushoher Favorit (NEWS: Alles zum Boxen).

Auch wenn er immer wieder darauf hinweist, wie gut ihn sein ehemaliger Sparringspartner kennt (VORSCHAU: Klitschko fürchtet Insiderwissen) - schlagen kann sich der Schwergewichtler eigentlich nur selbst.

Niederlagen wie 2003 gegen Corrie Sanders und 2004 gegen Lamon Brewster - sein letzter verlorener Kampf - scheinen nicht mehr möglich (118391DIASHOW: Wladimir Klitschkos größte Kämpfe).

Rückschläge lassen Klitschko lernen

Auch weil Klitschko gelernt hat.

"Heute bin ich dem Schicksal dankbar, dass ich diese schmerzhaften Erfahrungen durchleben musste. Ich bin damals so tief gefallen, wurde noch getreten und auf übelste Weise beschimpft", erinnert er sich.

"Für mich war diese Zeit die Schule des Lebens."

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