"Ein intelligenter Mann hätte das nicht gesagt"
Von Martin Hoffmann
München - Durch den überraschenden Sieg im WM-Kampf gegen Titelverteidiger Robert Stieglitz hat Arthur Abraham bewiesen, dass mit ihm durchaus noch zu rechnen ist. ( Bericht: Abraham wieder König Arthur)
Nach seinem Gewichtsklassenwechsel von Mittel- ins Supermittelgewicht, den folgenden schmerzhaften Lehrstunden im Super-Six-Turnier und einem drohenden Karriereende sieht der Deutsch-Armenier nach dem Stieglitz-Kampf wieder Licht am Horizont. (DIASHOW: Stieglitz gegen Abraham)
Im SPORT1-Interview spricht Abraham über den Weg aus der größten Krise seiner Laufbahn, seine Zukunftspläne und die Aussichten auf einen von den deutschen Fans heiß ersehnten Kampf gegen Felix Sturm ( Sturm spuckt neue Töne: Boxe Abraham oder Stieglitz).
SPORT1: Sie sind wieder Weltmeister. Wie haben Sie es geschafft, nach all den Rückschlägen wieder aufzustehen?
Arthur Abraham: Ich habe hart an meinen psychischen Problemen gearbeitet und war immer überzeugt, dass ich gewinnen kann. Ich habe aus der schweren Zeit gelernt und wertvolle Erfahrungen mitgenommen.
SPORT1: Welche Erfahrungen waren dabei besonders wertvoll?
Abraham: Ich war bei dem Super-Six-Turnier nicht aktiv genug. Ich wollte immer auf den schnellen K.o. gehen. Jetzt war ich viel lockerer und nicht so verkrampft.
SPORT1: Im Vorfeld wurde der Kampf immer wieder als ihre letzte Chance betitelt. Wie haben Sie sich mental auf diese Situation vorbereitet?
Abraham: Daran habe ich gar nicht gedacht. Ich wusste, ich kann jeden schlagen. Ich musste nur einen klaren Kopf behalten. Zu viel zu denken, ist nicht gut. ( NEWS: Alles zum Boxen)
SPORT1: Ihr Trainer Ulli Wegner hat sie verbal nie geschont - auch nicht in der Öffentlichkeit. War das eine Last oder sogar hilfreich?
Abraham: Beides! Auch für ihn ist der Erfolg am wichtigsten. Er versucht mit seinen Mitteln das Beste herauszuholen. Die Hauptsache ist, dass es funktioniert.
SPORT1: Durch die verstärkte Arbeit mit der Führhand haben Sie sich boxerisch fast schon neu erfunden. Taktisch war das eine neue Qualität. Wäre diese Umstellung nicht schon früher möglich gewesen?
Abraham: Natürlich, aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Ich musste erst lernen, entspannter zu boxen. Dann kommt alles von allein.
SPORT1: Gab es schon die angekündigten Bratkartoffeln als Siegesmahlzeit? ( Nachbericht: Mamas Bratkartoffeln für den König)
Abraham: Ja, klar! Das ist Standard. Ich liebe die Bratkartoffeln meiner Mutter.
SPORT1: Sie haben ihr großes Ziel, den WM-Titel, erreicht. Ein Revanche-Kampf gegen Stieglitz ist vereinbart. Was haben Sie sich mit ihren mittlerweile 32 Jahren sonst noch vorgenommen?
Abraham: Der Kampf gegen Stieglitz wird kommen, aber Ende des Jahres werde ich eine freiwillige Titelverteidigung bestreiten. Das Management arbeitet an weiteren interessanten Kämpfen. Neben Stieglitz gibt es ja auch noch Felix Sturm. Mal sehen, was passiert.
SPORT1: Sie haben Felix Sturm angesprochen. Ist der Fight realistisch, nachdem er jetzt auch medial in die Offensive gegangen ist?
Abraham: Damit beschäftigt sich mein Management. Ich boxe gegen jeden. Ich habe damit überhaupt kein Problem und warte nur auf Antwort.
SPORT1: Sturm hat gesagt, er wolle gegen Sie kämpfen, obwohl Sie in der Weltspitze nichts zu suchen hätten. Ärgert Sie diese Aussage?
Abraham: Ich könnte das gleiche über ihn behaupten, aber ein intelligenter Mann hätte das nicht gesagt.
SPORT1: Es wurde auch darüber spekuliert, dass Sie sich vor einer Revanche gegen Kaliber wie Andre Ward oder Carl Froch hüten würden. Stimmt das?
Abraham: Abwarten, die kommen einer nach dem anderen auch noch dran! Die Fehler, die ich gemacht habe, muss ich schließlich noch korrigieren.
SPORT1: Die Schlagzeile "Der König ist zurück" war nach dem Erfolg schnell wieder bei der Hand. Würden Sie sich heute wieder mit der Krone - wie früher - ablichten lassen?
Abraham: Jetzt passt es nicht zur Situation. Ich habe es jetzt schon lange nicht mehr gemacht, aber in Zukunft wird es vielleicht einmal wieder eine Überraschung geben. Es ist ja ohnehin nur eine Show für die Fans.