Beiß-Opfer Holyfield: Mit 50 zum Boxen verdammt
München - Es war einer dieser Momente, in dem Sportgeschichte geschrieben wurde.
28. Juni 1997, MGM Grand Hotel, Las Vegas. Dritte Runde: Mike Tyson schäumt vor Wut. Ständig kassiert er Treffer. Dann setzt er die Attacke.
"Iron Mike" klammert sich an Evander Holyfield und beißt ihm ein 1,5 Zentimeter langes Stück aus dem rechten Ohr.
Ein ungeheuerlicher Vorgang. So etwas gab es im Boxen noch nie. 16.331 Zuschauer sind entsetzt.
Tyson bleibt Erklärung schuldig
Holyfield hüpft wie ein Rumpelstilzchen durch den Ring und zeigt immer wieder auf sein Ohr. Ringrichter Mills Lane beruhigt die Gemüter und lässt die Runde zu Ende boxen.
Dann wird Tyson disqualifiziert und für ein Jahr gesperrt. Holyfield darf seinen WM-Titel behalten.
Nie wurde geklärt, ob Tyson aus Frust gebissen hat oder ob er mit der spektakulären Aktion einen blamablen K.o. vermeiden wollte.
Holyfield geschockt
"Er hat das mit voller Absicht getan, ich war sicher, dass mein Ohr ab ist", sagte Holyfield nach dem Kampf.
"The Real Deal" ist damals mit 34 Jahren im Zenit seines Könnens angekommen. Zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres hat der in Atmore (Alabama/USA) geborene Linksausleger den "Killer" Tyson besiegt.
Später findet ein Mitarbeiter des Hotels das Stück Ohr im Ring.
Holyfield lässt den kosmetischen Schaden beim Schönheitschirurgen reparieren.
Holyfield kann nicht aufhören
40 Millionen US-Dollar soll Holyfield der Sieg in der Wüste von Nevada gebracht haben. Eine Börse, die er in den Folgejahren nicht mehr so oft zu Gesicht bekam.
1999 verlor er trotz ansprechender Leistung seine Titel an Lennox Lewis. Die Niederlagen des viermaligen Schwergewichts-Weltmeisters häufen sich, doch der frühere Football-Spieler kann nicht aufhören.
Bis heute steht Holyfield im Ring und plant weitere Fights - auch wenn er am Freitag (19. Oktober) seinen 50. Geburtstag feiert. (DIASHOW: Evander Holyfield wird 50)
Klitschkos lehnen Angebote ab
"Die Klitschkos sind die wahren Champions. Also gebt mir eine Chance", hatte Holyfield noch in diesem Sommer getönt.
Im Lager der ukrainischen Schwergewichts-Weltmeister nimmt man die Angebote des Box-Opas zum Glück nicht ganz so ernst.
Man berücksichtigt offenbar auch den Gesundheitszustand des Box-Seniors.
Neverending-Tour wird fortgesetzt
Holyfield setzt seine Neverending-Tour dennoch unbeirrt fort.
Im Mai 2011 feierte er in seinem bislang letzten Kampf gegen den Dänen Brian Nielsen einen Sieg durch Technischen K.o. in der elften Runde.
Insgesamt gewann er 44 seiner 57 Profikämpfe. 29 davon durch K.o.
Holyfield braucht Geld
Dass Holyfield sich mit dem Aufhören so schwer tut, liegt auch an seinen umfassenden privaten Verpflichtungen.
Mindestens elf Kinder soll der Laienprediger haben - und unterhalten müssen.
Zuletzt wurde bekannt, dass er aus Geldnot sein luxuriöses Anwesen in der Nähe von Atlanta veräußern musste, obwohl er in seiner Karriere 230 Millionen Dollar verdient haben soll.
Kein Kampf mit Tyson
Weitere Geldquellen sind zum Glück in Sicht: Für den 2. Februar 2013 ist ein Schaukampf mit Ray Mercer in Südafrika geplant.
Einen neuen Fight mit "Beißer" Mike Tyson wird es aber wohl nicht geben.
Der einstige Rivale steht mittlerweile als Schauspieler eines Ein-Mann-Stücks am Broadway auf der Theaterbühne und genießt einen weitaus angenehmeren sportlichen Ruhestand als Holyfield - wer hätte das gedacht, damals, am 28. Juni 1997 in Las Vegas.