Klitschko sauer: "Kolossaler Schmutz"
München - Schwergewichts-Weltmeister Vitali Klitschko hat bei den Wahlen in der Ukraine den Einzug ins Parlament geschafft, musste dabei aber einen leichten Tiefschlag einstecken.
Die vom Box-Champion 2010 gegründete demokratische Partei UDAR kam nach Auszählung der Hälfte aller Stimmen auf nur 12,87 Prozent.
Für den ehemaligen Fußball-Star Andrej Schewtschenko drohten die Parlamentswahlen gar zum Flop zu werden.
Seine Partei Ukraine Vorwärts pendelte sich bei 1,6 Prozent ein und verpasste damit zunächst den Sprung ins Parlament deutlich.
Janukowitsch-Partei bleibt stärkstes Bündnis
"Ich bin enttäuscht, weil wir mit 15 Prozent gerechnet haben", sagte Klitschko in einer ersten Reaktion.
Fachleute hatten der UDAR zugetraut, stärkste Oppositionspartei zu werden.
Doch diese Rolle fällt wohl der Vereinigten Opposition zu.
Das Bündnis der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko brachte es zunächst auf stolze 21,9 Prozent.
Stärkstes Bündnis bleibt wohl die Partei der Regionen des international umstrittenen Präsidenten Wiktor Janukowitsch mit rund 35 Prozent.
Der autoritäte Staatschef plant eine Koalition mit den Kommunisten, deren Ergebnis sich zwischen zehn und 15 Prozent bewegte.
Klitschko kritisiert Wahlbedingungen
Klitschko nutzte die Gelegenheit, die Bedingungen bei den Wahlen zu kritisieren.
"Die letzten Wochen waren ein kolossaler Schmutz", wetterte der 41-Jährige und bezog sich auf angebliche Bedrohungen von Wählern.
Auch SPD-Politiker Markus Meckel, einer von 3700 Wahlbeobachtern vor Ort, sprach von Stimmenkauf und manipulierten Wählerverzeichnissen.
Karriereende weiter offen
Fraglich ist weiter, ob Klitschko mit dem Einzug ins Parlament auch seine sportliche Karriere beendet.
Der Weltmeister der WBC zählt mit 41 Jahren mittlerweile zu den älteren Vertretern seiner Zunft.
Er hat 45 seiner 47 Profikämpfe gewonnen, 41 davon durch K.o.
Erstmals Weltmeister wurde "Dr. Eisenfaust" im Jahr 1999.
Böse Anfeindungen gegen Schewtschenko
Klitschko verfolgt mit der UDAR (zu deutsch: "Schlag") eine Annährung an den Westen.
"Wir kämpfen gegen Korruption und Verantwortungslosigkeit und für die Wiederherstellung der Selbstverwaltung in den Regionen", meinte der Boxer am Wahlabend.
Schewtschenko musste im Wahlkampf böse Anfeindungen ertragen.
Kritiker warfen dem früheren Weltklasse-Fußballer vom AC Mailand und FC Chelsea vor, viel Geld für seinen Wechsel in die Politik kassiert zu haben.
Der 35-Jährige wies derlei Gerüchte zurück und erklärte, er habe rund eine Millionen Euro aus eigenen Mitteln in den Wahlkampf gesteckt.