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Wladimir Klitschko (l.) gewann 59 seiner 62 Profi-Kämpfe © getty

Nach der Titelverteidigung rätselt Klitschko über Wachs Nehmerqualitäten. Der Pole erinnert an Beißer aus James-Bond-Filmen.

Hamburg - Wladimir Klitschko rief nach der Schlacht fröhlich "schönen guten Morgen" in den Raum.

Es war spät geworden, kurz vor zwei in der Nacht zum Sonntag - doch der leicht lädierte Champion war bester Laune.

Die Schwellung unter seinem linken Auge und den Cut darüber lächelte er einfach weg. Der Herrscher im Schwergewicht war mit sich im Reinen, als er in den stickigen Katakomben der O2 World vor die Presse trat.

Klitschko wusste: Endlich hatte er wieder überzeugend und spektakulär gewonnen (BERICHT: Blutfight über volle Distanz: Klitschko knackt Wach).

Wachs Nehmerqualitäten ein Rätsel

Und das hatte er seinem Gegner Mariusz Wach zu verdanken.

"Er hat gekämpft wie ein Wikinger. Aber ich hätte nicht gedacht, dass er so viel einstecken kann und stehen bleibt", sagte Klitschko voller Respekt über seinen polnischen Herausforderer, den er zuvor über zwölf Runden als lebenden Sandsack missbraucht hatte:

"Das ist eigentlich unglaublich, unmöglich - ein Rätsel."

Wach-Turm wollte nicht fallen

Immer wieder deckte der Regent im Ring Wach mit krachenden Schlagserien ein, feuerte schreckliche rechte Geraden gegen den Kopf des 32-Jährigen ab. Doch der Wach-Turm wollte einfach nicht umfallen (637555DIASHOW: Die Bilder des Fights).

"Es ging ihm nicht gut, glauben Sie mir. Aber er hat nicht aufgegeben", sagte Klitschko anerkennend über den 2,02-m-Riesen. In der achten Runde glich das ungleiche Duell einem Gemetzel, das der Ringrichter eigentlich hätte abbrechen müssen.

Rocky unter den Zuschauern

Wach zeigte keine Angst, ließ sich vom dominant auftretenden und seit acht Jahren ungeschlagenen Klitschko nicht beeindrucken und blieb zur Verwunderung der 15.000 Zuschauer, darunter Hollywood-Legende Sylvester Stallone, in der ausverkauften Halle auch nach den übelsten Treffern einfach stehen.

Die Arena tobte, obwohl es keinen K.o. gab.

Die Fans waren auch nach dem einstimmigen Punktsieg für Klitschko (120:107, 120:107, 119:109) zufrieden, weil sein Gegner nicht - wie so häufig zuletzt - nach ein paar Tupfern eingeschüchtert die Horizontale einnahm.

Bruder Vitali meinte: "Ich habe Wachs Nehmerqualitäten unterschätzt. Er hat ein Riesenherz bewiesen. Wladimir hat alles gezeigt, was einen guten Boxer ausmacht."

Beißer statt Ivan Drago

Nur in der fünften Runde geriet Klitschko kurz in Bedrängnis.

Eisenschädel Wach, der vor dem Kampf mit Rocky-Gegner Ivan Drago verglichen wurde, erinnerte in seinen Nehmerqualitäten an den Beißer aus den beiden James-Bond-Filmen "Der Spion, der mich liebte" und "Moonraker". Hinterher machten sich die Beobachter

Sorgen um Klitschkos wichtigste Werkzeuge, doch der 36-Jährige beruhigte: "Meine Hände sind okay, die halten noch."

Wach zu langsam für Klitschko

Wach erwies sich zu später Stunde als fairer Verlierer. "Das war der härteste Kampf meines Lebens. Wladimir ist ein großer Fighter und kann sehr hart schlagen", sagte er mit seinem zweijährigen Söhnchen Oliver auf dem Schoß und ein paar Tränen in den Augen: "Es war nicht mein Tag. Ich war einfach langsamer als Wladimir und konnte ihn nicht erwischen."

Angesichts der Prügel, die er bezog, verzichtete Wach zu seinem eigenen Besten darauf, einen Rückkampf zu fordern.

Ein Sieg für Emanuel Steward

Klitschko saß nach dem Kampf sichtlich stolz vor seinen Gürteln der bedeutenden Verbände WBO, WBA und IBF. Es war der wohl emotionalste Fight seines Lebens, und so widmete "Dr. Steelhammer" seinen 59. Sieg (51 durch K.o.) im 62. Profi-Kampf seinem verstorbenen Trainer Emanuel Steward.

"Wir denken an dich, wir vermissen dich und wir lieben dich. Und wir werden dich nie vergessen", sagte Klitschko, der am Montag in die USA fliegen wird, um seinem am 25. Oktober im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung verstorbenen Lehrmeister die letzte Ehre zu erweisen.

Weltpremiere mit Stallone

Danach geht es für die Klitschko-Brüder wieder zurück nach Hamburg. Am kommenden Wochenende feiert das von ihnen und Stallone produzierte Musical "Rocky" Weltpremiere in der Hansestadt.

Stallone alias "Rocky" zeigte sich von den Klitschko-Künsten beeindruckt: "Wladimir ist ein kompletter Kämpfer, der in jeder Ära ein Großer gewesen wäre. Rocky soll froh sein, dass er nie gegen einen Klitschko boxen musste."

Ein Lob vom Helden seiner Kindheit - da lächelte Klitschko fröhlich.

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