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Wladimir Klitschko-mit Berater-Pressekonferenz
Wladimir Klitschko (r., mi Bernd Bönte) hat in 62 Kämpfen 59 gewonnen, davon 51 mit K. o. © getty

Wladimir Klitschko hält am Olympia-Traum fest und will die Leute auch in Zukunft "langweilen". Manager Bernd Bönte echauffiert sich. Der Verband zeigt sich kooperativ.

Berlin - Wladimir Klitschko hat im Kampf um die Olympia-Teilnahme 2016 in Rio de Janeiro zum nächsten Schlag ausgeholt.

Der Mehrfach-Champion aus der Ukraine will sich von den Statuten des Weltverbandes AIBA nicht in die Ecke drängen lassen und hält an seinem Traum vom zweiten Olympia-Gold nach 1996 (Bericht) fest.

"Es kann doch nicht sein, dass eine Altersgrenze einem Sportler die Teilnahme an Olympia verwehrt", sagte Klitschkos Manager Bernd Bönte.

"Es gibt etliche Sportler, die über 40 Jahre alt sind und in anderen Sportarten bei den Spielen starten. Es zählt doch nur die geistige und körperliche Fitness", meint Bönte.

Bönte glaubt an Ausnahmeregelung

In der Tat hat der Weltverband die Grenze bei 40 Jahren gezogen.

Klitschko wäre bei Olympia 40 Jahre und ein paar Monate alt. Zudem darf ein Olympia-Boxer nur 15 Profikämpfe bestritten haben. "Dr. Steelhammer" hat bereits 62 hinter sich.

"Die Statuten sind noch völlig unausgegoren. Wer weiß, was sich da noch alles ändert", sagte Bönte: "Ich kann mir vorstellen, dass es auch eine Ausnahmeregel gibt."

Zuspruch vom Verband

Rückendeckung erhält Klitschko bei seinem spektakulären Plan vom Deutschen Box-Sportverband (DBV).

"Es ist doch toll, wenn sich so ein Athlet für Olympia interessiert", sagte DBV-Sportdirektor Michael Müller.

"Ich bin überzeugt: Falls Wladimir wirklich nach Rio will, werden die paar Monate keine Rolle mehr spielen", mutmaßte Müller, der die Statuten bestens kennt und gute Drähte zur AIBA-Zentrale in Lausanne hat.

Profitum gehört zu Olympia

Wie Müller weiter erklärte, werde es in Rio ein komplett neues profi-nahes Boxturnier geben.

"Das will auch das Internationale Olympische Komitee", sagte der Sportdirektor.

Sinn und Zweck sei es, alle Facetten einer Sportart in einem Weltverband anzusiedeln. Dazu zählt auch das Profitum, das im Boxen extrem weit von der Amateursparte entfernt ist.

"Man will die besten Boxer der Welt bei Olympia sehen", so Müller.

Klitschko-Start für die Ukraine

Letztendlich könne sich jeder Boxer für Olympia bewerben. Er müsse nur einem der drei AIBA-Programme - AOB, WSB, APB - angehören.

"Jeder darf sich bewerben und hat die Chance auf ein Gespräch mit dem Weltverband. Grundsätzlich ist alles nur eine Auslegungssache", sagte Müller.

Der Weltverband AIBA hatte bereits vor knapp zwei Jahren angekündigt, Profiboxer bei Olympia zuzulassen. Zur Aufnahme in eines der drei Programme müsste der Boxer allerdings auch einem nationalen Verband beitreten. Deutschland käme für Klitschko wohl nicht in Frage.

Bönte: "Er ist Ukrainer und würde wie schon bei seinem Olympiasieg 1996 für sein Heimatland kämpfen."

Diskussion noch zu früh

Bönte verwies darauf, dass bis zu einer Entscheidung noch viel Zeit bleibe.

"Wladimir hat das jetzt mal in den Raum geschmissen. Man muss doch aber auch sehen, ob er fit bleibt und weiter auf so einem hohen Niveau boxt. Dann kann man ein Jahr vor Olympia konkret darüber reden", meinte Bönte.

Und schiebt nach: "Wladimir ist ein exzellenter Botschafter des Sports, der sicherlich auch gerne bei Olympia gesehen wird."

"Möchte die Leute weiter langweilen"

Den Überdruss einiger Sportfans an seinen überlegenen Siegen kann Klitschko durchaus nachvollziehen. An einen Rücktritt verschwendet der 37-Jährige aber keine Gedanken.

"Ich verstehe das und bekomme das natürlich auch mit. Aber ich möchte die Leute weiter langweilen", sagte der Schwergewichtschampion dem "Hamburger Abendblatt". Sein Ziel sei es, seine Gegner "weiterhin zu dominieren".

Motivationsprobleme hat der Ukrainer vor seinem Kampf gegen den Deutsch-Italiener Francesco Pianeta am 4. Mai in Mannheim ebenfalls nicht.

"Björn Borg hat mal gesagt, dass die beste Motivation die ist, wenn die Leute kommen, um dich verlieren zu sehen. Genau das treibt mich auch an", sagte Klitschko.

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