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Jürgen Brähmer hat bisher 39 seiner 41 Kämpfe gewonnen, 30 davon mit K.o. © getty

Europameister Jürgen Brähmer nimmt seinen wohl letzten Anlauf auf einen WM-Gürtel. Letzter Stolperstein ist Tony Averlant.

Hamburg - So langsam läuft ihm die Zeit davon.

34 Jahre alt ist Jürgen Brähmer mittlerweile und die Karriere neigt sich dem Ende entgegen.

Aber wer einst als Jahrhunderttalent galt und schon einmal Weltmeister war, will erst endgültig abtreten, wenn er wieder ganz oben ist.

Offen äußern darf das der Europameister im Halbschwergewicht vor seiner Titelverteidigung am Samstag in Hamburg gegen den Franzosen Tony Averlant natürlich nicht.

"Einen WM-Kampf habe ich höchstens ein bisschen im Hinterkopf, meine volle Konzentration ist auf den nächsten Gegner gerichtet", sagte der Schweriner, um für das ARD-Einspielfilmchen plakativ zu formulieren: "Der Franzose kriegt auf die Hose."

Gefängnisstrafe bremst Brähmer

Wertvolle Jahre seiner Laufbahn hat der Rechtsausleger grob fahrlässig verschenkt.

Eine Gefängnisstrafe zwang ihn 2002 bis 2005 zu einer quälend langen Ringpause und auch nach seinem letzten Fight für die mittlerweile insolvente Universum Box Promotion 2010 rosteten seine Fäuste fast zwei Jahre vor sich hin.

Sieg für eine WM-Chance

Nun ist der einstige Junioren-Weltmeister beim einstigen Universum-Rivalen Sauerland Event angekommen und könnte - einen Sieg gegen Averlant in der Alsterdorfer Sporthalle vorausgesetzt - zum zweiten Mal nach 2009 nach dem WM-Gürtel greifen.

Doch Brähmers Trainer Karsten Röwer mag soweit noch nicht vorausblicken: "Jürgen kann schon wieder 80 Prozent seiner Leistung abrufen. Aber es ist auch noch Luft nach oben."

Nächster Kampf gegen Cleverly?

Und so ist der Fight gegen Averlant ein Weichensteller für den Spätherbst in der Karriere des Kämpfers aus Vorpommern.

"Als ich bei Sauerland unterschrieben habe, war es natürlich das Ziel, wieder Weltmeister zu werden", sagt Brähmer, der aktueller Pflichtherausforderer des WBO-Champions Nathan Cleverly ist.

Wie stark der Waliser allerdings ist, bewies er am vergangenen Wochenende mit einer problemlosen Titelverteidigung in London gegen den Münchner Robin Krasniqi.

Rasur für den Sieg

Brähmer war aber Profi genug, sich nur kurz mit der Videoaufzeichnung dieses einseitigen Kampfs zu beschäftigen: "Ich habe mir nur zwei oder drei Runden angeschaut, das reichte erstmal."

Die letzte Ablenkung vor dem EM-Kampf gegen Averlant war ein Konzertbesuch bei den Flensburger Shanty-Rockern Santiano, die auch am Samstag die Walk-in-Musik des Titelverteidigers live performen werden.

"Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein", heißt der Song.

Gilt aber nicht für Brähmer, der rasiert den Ring für einen erfolgreichen Beutezug entert...

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