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Jürgen Brähmer war bereits von 2009 bis 2011 Weltmeister im Halbschwergewicht © getty

Mit dem überzeugenden K.o.-Sieg über Averlant nimmt Brähmer den letzten Schritt zurück zur Weltklasse. Nun wartet ein WM-Fight.

Hamburg - Erst die Kurzarbeit, dann das Vergnügen:

Nach 336 Sekunden Weltklasseboxen, beendet durch eine krachende Linke auf die Leber von Herausforderer Tony Averlant, freute sich der alte und neue Europameister Jürgen Brähmer auf Weltklassefußball in der Champions League.

Den Besuch in Barcelona am Mittwoch beim Halbfinal-Rückspiel der Katalanen gegen den FC Bayern München darf der Halbschwergewichtler als kleine Atempause auf dem Weg zurück auf den WM-Thron genießen.

Denn nach dem 40. Sieg im 42. Kampf gegen den überforderten Franzosen ist nun der Weg frei für die Vollendung eines spannenden Comebacks.

Ende September oder Anfang Oktober soll der Schweriner Pflichtherausforderer den WBO-Weltmeister Nathan Cleverly aus Wales vor die Fäuste bekommen - mit exzellenten Siegchancen.

Brähmer erst bei 80 Prozent

"Ich komme immer mehr in Form, das konnte man sehen. Der Gegner hat die Leber freigemacht, und ich habe getroffen", sagte der Fighter aus Mecklenburg, der nach seinem Wechsel von der insolventen Universum Box Promotion zum Rivalen Sauerland-Event kontinuierlich beachtliche Fortschritte macht, fast emotionslos.

Von einem aktuellen Leistungsvermögen von 80 Prozent sprach Trainer Karsten Röwer, was Promoter Kalle Sauerland fassungslos zurückließ: "Dann möchte man ja keinem Gegner wünschen, dass Jürgen 100 Prozent boxt."

Vom Pitbull zum Ästheten

Fast 14 Jahre nach seinem Profidebüt, ebenfalls in Hamburg, und knapp fünf Jahre nach seinem ersten WBO-Welttitel, paart der ehemalige Junioren-Weltmeister jetzt gewissenhafte Trainingsarbeit mit überlegener Routine zu einer für jeden Kontrahenten gefährlichen Mischung.

Röwer: "Jürgen ist im Ring kein Pitbull mehr, sondern ein richtig guter, fast ästhetischer Boxer."

Der 3200 Zuschauer in der Alsterdorfer Sporthalle mit seinem trockenen Knockout von den Sitzen riss. Vor dem Fernseher verfolgten 2,43 Millionen Zuschauer das Geschehen.

Dreijährige Unterbrechung

Mehr und mehr gelingt es dem 34-Jährigen durch sein technisch feines Boxen, sich von seinem Image als krimineller Rüpel zu lösen.

Eine Gefängnisstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung unterbrach einst Brähmers Karriere für drei Jahre, doch längst wird er nicht mehr als "Knastboxer" gesehen oder sogar gebrandmarkt.

Krasniqi-Bezwinger wartet

Ungebrochen war und ist bei Brähmer das Selbstbewusstsein, auch mit mittlerweile 34 Jahren noch einmal einen WM-Gürtel um die Hüften zu tragen: "Cleverly muss sich gegen mich sicher mehr strecken als bei seinem letzten Kampf."

Vor exakt einer Woche hatte der Brite in London den Münchner Robin Krasniqi ohne großen Aufwand einstimmig nach Punkten besiegt.

Culcay fühlt sich betrogen

Einen herben Rückschlag erlitt der Hamburger Halbmittelgewichtler Jack Culcay, der in der Ecke erstmals von Vitalis Klitschkos Trainer Fritz Sdunek betreut wurde.

Der ehemalige Amateur-Weltmeister kassierte in seinem 15. Profikampf die erste Niederlage. Gegen Guido Nicolas Pitto aus Argentinien verlor der 27-Jährige über zwölf Runden nach Punkten, sah sich aber als Opfer der Punktrichter.

"Ich habe mich vorne gesehen. Ich fordere einen Rückkampf", sagte Culcay.

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