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Graciano Rocchigiani (r.), hier mit Selcuk Aydin, bestritt 122 Kämpfe als Profi © imago

"Rocky" kehrt als Trainer zurück: Der ehemalige Weltmeister gibt im März sein Debüt. Sein Vorbild ist der Coach von Wladimir Klitschko.

Duisburg - Sechs Jahre ist es her, dass Graciano "Rocky" Rocchigiani das letzte Mal im Ring stand.

Mit einer Niederlage gegen Thomas Ulrich beendet der ehemalige Weltmeister im Halbschwergewicht 2003 seine lange Karriere.

Am 6. März kehrt Rocchigiani ins Profigeschäft zurück - als Trainer. Von seinem Selbstvertrauen jedenfalls hat der 45-Jährige auch nach der langen Zeit abseits der großen Boxbühnen und einigen Monaten im Gefängnis wegen Körperverletzung und Fahren ohne Führerschein nichts eingebüßt.

"Ich will beweisen, dass ich auch ein großer Trainer werden kann", sagt Rocchigiani knapp eine Woche vor den Kämpfen seiner neuen Schützlinge.

Premiere in der Ringecke

In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Arena-Boxstall ist Rocky seit Anfang Februar für Cruisergewichtler Selcuk Aydin und Ex-Schwergewichtsweltmeister Herbie Hide verantwortlich. (Universum feiert)

Anfang März in Cuxhaven kommt es dann zur Premiere als Verantwortlicher in der Ringecke. Trainiert wird in Rocchigianis eigenem Gym in Duisburg, der Geburtsstadt des Bad Boys.

"Ich will beide zu Weltmeistern machen", erklärt er seine ehrgeizigen Ziele.

"Boxen ist mein Leben"

Keinen Hehl macht er aus seiner Motivation, warum er auch nach mehreren Jahrzehnten den muffigen Trainingshallen nicht abschwören kann: "Was soll ich denn nach 30 Jahren Boxen sonst machen? Das ist mein Leben."

Außerdem sei es natürlich ganz schön, wenn durch die Arbeit Geld reinkommt: "Irgendwie muss ich das Gym ja finanzieren."

Der Respekt seiner Boxer ist ihm jedenfalls gewiss. "Rocky kann mir alles geben", sagt Herbie Hide, der nach den ersten Probeeinheiten unbedingt darum bat, auch weiterhin von Rocchigiani trainiert zu werden.

Auf gleicher Wellenlänge

Der Brite hat selbst eine äußerst schillernde Laufbahn hinter sich, hat wie sein Coach kaum etwas ausgelassen und ebenfalls mit der Justiz Bekanntschaft gemacht.

Da musste es wohl einfach passen, man funkt auf gleicher Wellenlänge. "Ich glaube schon, dass ich einen Vorteil habe, weil ich eben selbst in meiner Karriere Hochs und Tiefs erlebt habe. Die wissen, dass ich ihnen keinen Scheiß erzähle", sagt Rocchigiani.

Disziplin ist alles

So exzessiv Rochigiani sich während seiner aktiven Karriere neben dem Ring gab, so diszipliniert war er bei seinen Kämpfen, was ihm zwei Mal den Weltmeistergürtel einbrachte.

Genau das will er seinen Boxern mit auf dem Weg geben: "Ohne Disziplin macht das Boxen keinen Sinn. Aber das ist ja in jedem Job so."

Eine spezielle Ausbildung hält der Ex-Profi jedenfalls nicht für nötig: "Eine Trainerlizenz gibts für 160 Euro. Ich denke, dass mir meine Erfahrung hilft. Boxen hat sich ja im Großen und Ganzen in den letzten Jahrzehnten nicht verändert."

Klitschko-Coach als Vorbild

Als Vorbild betrachtet Rocchigiani besonders seinen Ex-Trainer Emanuel Steward. Der aktuelle Coach von Schwergewichts-Champ Wladimir Klitschko half ihm bei seinem Comeback Mitte der 90er Jahre, das mit seinem zweiten WM-Titel 1998 seinen Höhepunkt fand: "Von ihm habe ich mir bestimmt am meisten abgeschaut."

Arena-Chef Ahmet Öner hat Rocky jedenfalls schon beeindruckt. Mittlerweile überlegt der Promoter, mit seinem deutschen Gym komplett von Hamburg nach Duisburg umzusiedeln

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