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Jürgen Brähmer (l.) feierte 1999 sein Profidebüt © getty

Der Halbschwergewichtsboxer Jürgen Brähmer möchte mit einem Sieg im EM-Kampf seinem Traum vom WM-Gürtel ein Stück näher kommen.

Dresden - Für seine Fehler hat Profibox-Rüpel Jürgen Brähmer stets teuer bezahlt.

Doch vier Monate nach dem jüngsten Rückschlag gibt sich der 30 Jahre alte Halbschwergewichtler, der wegen seiner privaten Eskapaden mehrere Jahre im Knast saß, geläutert und will die nächste Chance auf sportlichen Lorbeer endlich nutzen.

"Das ganze Gewäsch der Kritiker ist mir total egal. Ich weiß, was ich kann und werde es allen zeigen", sagte Brähmer vor seinen Kampf um den vakanten EM-Titel gegen den französischen Meister Rachid Kanfouah am Samstag in Dresden.

Die "Entgleisungen"

Verdaut scheint das Debakel vom 22. November 2008, als Brähmer in Rostock seine erste WM-Chance gegen den Argentinier Hugo Hernan Garay kläglich vergab 36876(Die Bilder). "Diese Niederlage musste wohl sein. Ich habe die nötigen Konsequenzen gezogen. Ich träume meinen Traum vom Weltmeister-Gürtel und werde ihn verwirklichen", meinte der Rechtsausleger.

Jürgen Brähmer galt als eines der größten Talente im deutschen Box-Sport. 1996 vermöbelte er im Weltergewichts-Finale der Junioren-WM auf Kuba einen Lokalmatadoren, der Sprung ins Profilager und die ersten Siege folgten.

Aber seine Hände setzte er eben auch außerhalb des Seilgevierts ein - verbotenerweise, denn sie gelten im strafrechtlichen Sinn als Waffen.

"Neuer" Brähmer

Die Haft hat dem Instinktboxer mit herausragendem technischen Rüstzeug offensichtlich viele seiner Qualitäten genommen.

Das wurde zumindest bei den Niederlagen gegen Garay oder zuvor gegen Mario Veit deutlich. Den Defiziten scheint Brähmer aber nun Fleiß entgegenzusetzen.

"Jürgen kann viel besser boxen, als er es gegen Garay gezeigt hat", sagt Trainer Michael Timm, der in der Vorbereitung einen ihm neuen Jürgen Brähmer erlebte: "Ich habe ihn in den letzten zehn Jahren noch nie so bewusst in seinem Sport und im Training gesehen."

Kanfouah optimistisch

Brähmer ist auch das Warten leid, denn eigentlich hätte er bereits im Januar gegen Rubin Williams (USA) boxen sollen.

Er musste den Aufbaukampf kurzfristig absagen, da er sich in der Sylvester-Nacht eine Platzwunde am Kopf zugezogen hatte. Nun geht es eben gleich um einen Titel, Gegner Kanfouah gibt sich selbstbewusst. (Knastboxer fordert Eigenheim-Käufer)

"Rechtausleger wie Brähmer liegen mir. Ich bin gekommen, um ihn zu schlagen", sagte der Franzose, der bereits gegen Thomas Ulrich in einem EM-Kampf den Kürzeren zog.

Ulrichs Comeback-Versuch

Jener Thomas Ulrich (betreut von Ex-Weltmeister Ralf Rocchigiani) versucht im Dresdner Rahmenprogramm gegen den Argentinier Mariano Nicolas Plotinsky 13 Monate nach dem Verlust des EM-Titels noch einmal ein Comeback.

Weltmeisterin Alesia Graf tritt im Junior-Bantamgewicht zum Rematch gegen Magdalena Dahlen an.

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