vergrößernverkleinern
Der gelernte Schweißer Jürgen Brähmer ist in Schwerin wegen Körperverletzung angeklagt © getty

Nach dem blutigen K.o.-Sieg im EM-Fight ist nicht nur Brähmer euphorisch. Doch sein Ex-Coach Sdunek fällt ein hartes Urteil.

Dresden - Nach fünf Runden exzellenter Kurzarbeit sprang Jürgen Brähmer auf die Ringseile und ließ sich in Siegerpose von den Fans für sein gelungenes Comeback und den ersten Europameister-Titel seiner Box-Karriere feiern.

"Richtig schön, so einen großen Titel hatte ich noch nie", sagte der Schweriner Halbschwergewichtler und warf seinen EM-Gürtel lässig über die Schulter. "Jetzt werde ich noch in diesem Jahr Weltmeister."

Sein überforderter Gegner Rachid Kanfouah (Frankreich) verabschiedete sich derweil zügig mit komplett zugeschwollenem linken Auge ins Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt.

Klaus-Peter Kohl jubiliert

"Bei mir ist ein Schalter umgelegt worden. Die Vorbereitung, der Kampf, alles hat riesigen Spaß gemacht. Ich war frei im Kopf, bissig und aggressiv", schwärmte Jürgen Brähmer nach seiner Gala-Vorstellung vor 3500 begeisterten Zuschauern in der Dresdner Eis-Arena. 77530(Diashow: Gnadenlos zum EM-Titel)

"Jürgen hat heute einfach alles richtig gemacht. Er ist im Halbschwergewicht angekommen. Und er kann noch mehr. Das wird noch ein ganz Großer", kommentierte Klaus-Peter Kohl euphorisch.

Brähmers Promoter kündigte umgehend an, seinen Schützling "Ende des Jahres" erneut um einen WM-Titel kämpfen lassen zu wollen.

Sdunek fällt ein hartes Urteil

Trainer-Legende Fritz Sdunek sah das Potenzial Brähmers weitaus kritischer: Der 30-Jährige sei zwar "körperlich fit und willig, doch mental limitiert", fällt Sdunek bei Sport1.de ein hartes Urteil über seinen Ex-Schützling.

Und er fügte an: "Jürgen steht sich vom Kopf her selbst im Weg."

Gegen den ausgebufften und schlagstarken französischen Meister Kanfouah bot Brähmer allerdings - anders als beim im November kläglich verlorenen WM-Duell mit dem Argentinier Hugo Hernan Garay 36876(Die Bilder) - kaum Trefferfläche, stand stabil in der Deckung und stieß mit blitzschnellen Händen immer wieder in die Lücken, die Kanfouah bot.

"Wenn das Auge zu ist, sieht man schlecht"

In Runde fünf landete ein krachender rechter Haken Brähmers am linken Auge des Franzosen, dass blitzschnell zuschwoll.

"Ich habe das gesehen und gleich wieder draufgehauen", schilderte Brähmer die Kampfentscheidung. "Wenn das Auge zu ist, sieht man eben schlecht."

Ringrichter Richard James Davies (Großbritannien) sah das richtig, stoppte das ungleich gewordene Gefecht und gab so Kanfouah vor dessen Abgang ins Krankenhaus noch die Chance, mit kühlendem Eisem auf der golfballgroßen Augenschwellung zu erklären: "Gegen

den hätte ich noch 20 oder 30 Runden boxen können."

Fight gegen Erdei in der Mache?

Damit behielt auch Brähmers Trainer Michael Timm recht, der vor dem 26. vorzeitigen Sieg seines Schützlinges im 34. Profikampf gemeint hatte: "Im Halbschwergewicht darf sich Jürgen nicht mehr nur auf seine Schlagkraft verlassen. Da fallen die Bäume nicht einfach um, wenn er haut."

Nach dem furiosen Auftritt in Dresden scheint für den erst im Vorjahr ins Halbschwergewicht aufgestiegenen Brähmer der Weg zu einem WM-Rematch mit Stallgefährte Garay frei. "Ich will die Scharte ausmerzen. Ist doch klar", meinte er. Kohl schloss aber auch ein Gefecht mit WBO-Weltmeister Zsolt Erdei (Ungarn) nicht aus.

Zunächst aber soll Brähmer im Sommer seinen EM-Titel freiwillig verteidigen. "Gleich am Dienstag fange ich wieder mit dem Training an. Sonst schlafe ich ein. Ich bin heiß auf Boxen."

"Aus und vorbei" mit Ulrich

Am Ende mit Boxen ist dagegen Thomas Ulrich. Der einst als große deutsche Halbschwergewichts-Hoffnung gefeierte 33 Jahre alte Berliner ging bei seinem Comeback-Versuch ein Jahr nach verlorenem EM-Titel in der 11. Runde gegen den allenfalls mittelmäßigen Argentinier Mariano Nicolas Plotinsky schwer K.o.

"Es ist aus und vorbei. Das ist nur noch gefährlich", meinte Ulrichs Trainer und

Ex-Weltmeister Ralf Rocchigiani, der in der kommenden Woche gemeinsam mit Ulrich dessen Zukunft besprechen will.

Zum Forum - jetzt mitdiskutierenZurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel