vergrößernverkleinern
Floyd Mayweather kassiert nach seinem WM-Sieg gegen Saul Alvarez (l.) über 41 Millionen Dollar © getty

Ein Mega-Millionen-Scheck, eine makellose Bilanz: Für Floyd Mayweather lief der WM-Kampf gegen Saul Alvarez perfekt - fast.

Las Vegas/Köln - Fassungslos blickte "Mr. Perfect" Floyd Mayweather Jr. um sich. Er musste sich wohl verhört haben. Oder der Ringsprecher hatte falsch von seinem Zettel abgelesen.

"Was zum Teufel soll das denn", fragte der Box-Weltmeister nach seiner Gala-Vorstellung gegen Saul Alvarez.

Eine Punktrichterin hatte das Duell mit dem Mexikaner tatsächlich als Unentschieden gewertet. Mayweather war außer sich, auch wenn das merkwürdige Urteil nichts am klaren Sieg änderte.

Genug Gründe für gute Laune

Beim "Halbe-Milliarde-Dollar-Mann" kehrte die gute Laune schnell zurück.

Es gab dafür auch genügend Gründe. Zum Beispiel die Rekord-Börse von mindestens 41,5 Millionen Dollar (etwa 31,2 Millionen Euro), oder einfach nur der Blick in die Bilanz.

Mit dem 45. Sieg im 45. Kampf verteidigte der US-Amerikaner seinen WBC-Titel im Weltergewicht erfolgreich. Es war eigentlich ein perfekter Abend im MGM Grand Garden von Las Vegas.

Wäre da nicht C. J. Ross gewesen.

Lewis: Nicht mal knapp

"Ich habe es für einen Witz gehalten", erklärte der 36-jährige Mayweather: "Es schockiert mich, aber darauf habe ich keinen Einfluss." Das unerklärliche 117:117 beschäftigte ihn merklich. Und damit war der "Pretty Boy" nicht allein. Sie solle besser "aufhören", forderte der frühere Schwergewichts-Weltmeister Lennox Lewis aus Großbritannien bei Twitter: "Es war nicht einmal knapp."

Alvarez machtlos

Dies ließ sich auch aus den Bewertungen der anderen Punktrichter (117:111, 116:112) ablesen.

Mayweather agierte taktisch klug, dominierte mit seiner Schnelligkeit und ließ den 13 Jahre jüngeren "Canelo" Alvarez als aussehen. "Es ist ganz einfach. Ich konnte ihn nicht kriegen. Ich wusste gar nicht, was ich anstellen sollte", sagte der in allen Belangen unterlegene Herausforderer.

Mayweather blieb sachlich. "Es geht um Können. Ich habe einfach mein Können gezeigt und die Gelegenheiten genutzt, wenn sie da waren", sagte der alte und neue Champion: "Aber es war nicht meine beste Vorstellung."

Mega-TV-Vertrag

Am dicken Scheck ändert das nichts. Der WM-Kampf im Spielerparadies war der zweite im Rahmen eines Mega-Fernsehvertrages mit Showtime/CBS. Dieser läuft über 30 Monate, umfasst sechs Fights und bringt rund 200 Millionen Dollar (151 Millionen Euro).

Die Prämie war nicht der einzige Rekord. Die 16.746 Zuschauer zahlten zusammen 20,003 Millionen Dollar Eintritt. Im Schnitt kostete jedes Ticket 1194,50 Dollar.

Auch wird in den US-Medien davon ausgegangen, dass die bisherige Pay-Per-View-Bestmarke von 2, 44 Millionen Buchungen für ein Box-Event geknackt wurde. Der Kampf kostete jeden Haushalt 70 Dollar.

Gewalt und Drogen

Mayweather kassiert ab - und hat Spaß daran. Der beste Pound-for-pound-Boxer der Welt nennt sich nicht zufällig "Money", die "schönen Scheine" gehören zu seinen Lebenszielen.

Schon vor dem zweiten Kampf nach einem Knast-Aufenthalt wegen eines tätlichen Angriffs auf die Mutter der gemeinsamen Kinder hatte sich Mayweather als "Halbe-Milliarde-Dollar-Mann" inszeniert und mit Geld um sich geworfen, als sei es Konfetti.

Es ist nur eine von vielen Episoden zum gleichen Thema. Zuletzt hatte der in ärmlichen, von Gewalt und Drogen geprägten Verhältnissen aufgewachsene Exzentriker einem Reporter einen Kontoauszug gezeigt, 123 Millionen Dollar waren darauf zu sehen. "Und das ist nur das eine Konto", erklärte er vielsagend.

Marciano-Rekord im Blick

Mayweather will im kommenden Jahr zweimal in den Ring steigen.

Dann könnte das derzeit größte Zugpferd im Boxen dem legendären Rekordhalter Rocky Marciano (49 Siege) noch näher kommen.

Den Kampf zu seinem womöglich 50. Triumph könnte "Money" frei aushandeln - und wieder mächtig Kasse machen.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel