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Juan Carlos Gomez boxte früher wie Vitali Klitschko bei Universum © getty

Vor dem Kampf um die WM-Krone spuckt Vitali Klitschkos Herausforderer große Töne. Für Juan Carlos Gomez ist es die letzte Chance.

München - Wenn Juan Carlos Gomez im Ring mit den Fäusten die gleiche Form bringt wie beim Ballyhoo mit dem Mundwerk, dann gibt es bald einen neuen Weltmeister im Schwergewicht.

Der Kubaner hat in den Wochen vor dem Kampf um den WBC-Gürtel am Samstag gegen Vitali Klitschko (Der Head-to-head-Vergleich) gehörig auf den Putz gehauen: "Ich habe mehr Eier als Vitali, ich bin der bessere Boxer, ich bin der bessere Taktiker", behauptete der Kubaner. "Ich kann es kaum erwarten, wenn der Ringsprecher am Ende ausruft: "Neuer Weltmeister: Juan Carlos Gooooooomez!!!!!"

"Keine zwei Meinungen"

Gegensätzlicher können die Parteien in einem Kampf ja gar nicht sein.

Der gelassene und stets seriös wirkende Titelverteidiger, Akademiker, Geschäftsmann, Familienvater, Millionär und Politiker auf der einen Seite - der Herausforderer, Lebemann, Leichtfuß, siebenfacher Vater von sieben Müttern, Pleitier und überführter Dopingsünder auf der anderen. Zündstoff pur (Gomez im Interview).

"Ich werde Dr. Weichei so ausboxen, dass es keine zwei Meinungen über das Urteil gibt", sagt Gomez, "wir waren früher Kollegen, aber nie Freunde."

Umstrittener Promoter

Denn da gibt es ja auch noch die persönlichen Verbindungen und gemeinsame Vergangenheit.

Gomez hat ein Kind mit der Tochter von Klitschko-Trainer Fritz Sdunek, beide haben früher für die Universum Box-Promotion gekämpft.

Schlagzeilen machte zuletzt auch Gomez-Promoter Ahmed Öner (Gomez droht Knast). Dieser hat einen schlechten Leumund als Choleriker mit Hang zu Gewaltausbrüchen. Gerade hat die Hamburger Staatsanwaltschaft Anklage gegen Öner wegen 16 verschiedener Delikte erhoben.

"Ich bin Box-Promoter und kein Yogalehrer", sagt Öner.

"Er sucht Streit"

Für den Deutsch-Türken ist es sein erster WM-Kampf als Promoter. Insbesondere durch seine Kuba-Connection erhofft er sich demnächst noch weitere Titel.

Vier Spitzenleuten hat er mit seinen Verbindungen bereits zur Flucht von der Zuckerinsel verholfen und vermarktet sie in den USA. Auch damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Wie lange das alles gut geht, steht in den Sternen.

"Er ist unberechenbar", sagt Klitschkos Manager Bernd Bönte, "auch mich hat er schon grundlos angegriffen."

Klitschko hält ebenfalls nichts von Öner: "Er sucht Streit und macht Krach. Aber das Boxerleben besteht nicht nur aus negativer PR, sondern aus Leistung und Arbeit."

Training in Tirol

Der 37-Jährige hat mit Sdunek seine Vorbereitung wie üblich in Tirol absolviert, ist wie die Filmfigur "Rocky" vor dem Kampf gegen Ivan Drago durch den tiefen Schnee getobt, hat Aquajogging zur Schonung der Gelenke gemacht und in Chris Byrd und Tony Thompson zwei Weltklasseleute als Sparringspartner.

"Er konnte optimal das Trainingsprogramm erfüllen, das gibt natürlich die Sicherheit und die Lockerheit", sagt der erfahrene Trainer. Sdunek hat einst auch Gomez gecoacht und kennt den Herausforderer bestens: "Ich denke, dass er versuchen wird, Vitali mit überfallartigen Angriffen zu überraschen."

"Uninteressant, langweilig"

Vitali Klitschko wollte die Pflichtverteidigung gegen den 35 Jahre alten "Black Panther" eigentlich gar nicht bestreiten, wurde vom Verband WBC aber dazu gezwungen. "Uninteressant, langweilig", sei Gomez.

Der Ukrainer, der mit seinem spektakulären Comeback gegen Samuel Peter im November nach dreijähriger Abwesenheit sofort wieder an die Weltspitze vorgestoßen ist, hat andere Ambitionen. Gomez ist da nur eine lästige Zwischenstation.

Bruder Wladimir hat die Titel der WBO und IBF, Vitali will auch noch den fehlenden WBA-Gürtel in die Familie holen, der im Sommer zwischen Nikolai Walujew und Ruslan Chagaev endgültig ausgefochten wird.

Letzte Chance für Gomez

Für Gomez ist der Kampf die letzte Chance in seinem Boxerleben.

Mit 44 Siegen und nur einer Niederlage hat er eine beeindruckende Bilanz, Hochkaräter aber hat er noch nicht geboxt. Er ist technisch sehr gut ausgebildet, wendig und schnell. Und er hat sich angeblich so solide auf den Kampf vorbereitet wie noch nie.

Gomez sieht fit und durchtrainiert aus, und Trainer Orlando Cuellar gibt sich vollkommen siegessicher: "Juan ist einer der wenigen Boxer auf der Welt, die Vitali schlagen können. Und das wird er am Samstag zeigen. Und dann feiern wir zusammen den neuen Weltmeister im Schwergewicht."

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