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Vitali Klitschko begann seine Karriere als Kickboxer © getty

Der geschlagene Gomez erhofft sich eine weitere Titelchance. Vitali will nun den Showdown gegen "den russischen Riesen".

Aus Stuttgart berichtet Jürgen Blöhs

Stuttgart - Wohl selten haben Beobachter, Gewinner und Verlierer einen Kampf so einhellig beurteilt wie alle Beteiligten kurz nach Mitternacht den WM-Fight zwischen Vitali Klitschko und Juan Carlos Gomez (Bericht: Klitschko bleibt Weltmeister).

"Der Kampf war spannend bis zum Schluss", hatte Boris Becker, der "fast immer da" ist, "wenn die Klitschkos boxen", beobachtet 82956(Die Bilder des Fights).

Und der dreimalige Wimbledon-Sieger kann es beurteilen, ist er doch von Kindheit an "seit Zeiten von Muhammad Ali ein großer Box-Fan".

"Sehr beeindruckt" war der zweimalige Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen, der sich nicht auf Ali berufen wollte, denn "das war mein erster Kampfabend."

"Er hat Herz gezeigt"

"Er hat Herz gezeigt. Juan hat einen großen Kampf geliefert", nutzte Klitschko-Manager Bernd Bönte die Gelegenheit, klarzustellen, dass "wir Juan entgegen aller Pressemeldungen nie unterschätzt haben".

Und Gomez-Coach Orlando Cuellar meinte, "einen großen Schwergewichtskampf gesehen" zu haben. "Ich ziehe meinen Hut vor Juan und gratuliere Vitali. Dieser Kampf hat Maßstäbe im Schwergewicht gesetzt."

Das Beste war nicht gut genug

"Ich habe mein Bestes gegeben. Vitali wollte mich in der ersten Runde ausknocken, das ist ihm nicht gelungen", lobte sich der Herausforderer.

Warum das Beste nicht genug war, schickte der Verlierer gleich hinterher: "Es war schwer an ihn ranzukommen." Gomez war an der Reichweite des Ukrainers verzweifelt. "Ich wurde immer müder."

"Hätte nie aufgegeben"

So müde, dass ihn Arena-Boss Ahmet Öner nach der achten Runde rausnehmen wollte, "um ihn zu schützen."

Aber das Handtuch wollte Cuellar ebenso wenig werfen wie sein Schützling: "Ich bin ein Kämpfer und hätte nie aufgegeben."

Das bestätigte auch Klitschko, der seinem Herausforderer eine "sehr gute Leistung" bescheinigte. "Ich habe nicht erwartet, dass er so lange durchhält. Juan hat große Nehmerqualitäten."

"Was hast Du gesagt?"

Genervt haben den 37-Jährigen nur die großen Töne des Kubaners in den Tagen vor dem Kampf: "Ich hoffe, er meinte seine Sprüche nicht persönlich. Wir waren mal Kollegen im selben Box-Stall, und so etwas von einem alten Kollegen zu hören, tut weh."

"Wenn Juan sich hier und jetzt entschuldigt, dann ist die Sache für mich erledigt", machte Klitschko ein Friedensangebot.

Doch der Angesprochene hatte "gerade nicht zugehört. Was hast Du gesagt?"

Da blieb dem Weltmeister nur ein "Schwamm drüber" und die Belehrung an seinen Kontrahenten, dass "im Schwergewicht die Schläge viel härter" sind als im Cruisergewicht, aus dem Gomez kommt.

"Juan hat mich angenehm überrascht"

Fritz Sdunek schloss sich seinem Schützling an: "Juan hat mich angenehm überrascht. Er hat Vitali mehr gefordert als ich erwartet habe. Vitali hat sich sehr schwer getan", lobte der Klitschko-Trainer seinen "Schwiegersohn" (Gomez im Sport1.de-Interview).

Und hatte wenig Mitleid mit Enkelin Delia, deren Vater Gomez ist: "Familie hin oder her, man will gewinnen."

"Es tut mir leid"

"Delia, es tut mir leid, dass ich mein Versprechen nicht halten konnte", hatte Gomez sich nach dem Kampf vor laufenden Kameras bei seiner elfjährigen Tochter entschuldigt. "Sie hat der ganzen Klasse erzählt, dass ich Vitali schlagen werde."

Und während Gomez seinen Cut behandeln ließ, tröstete Öner die Tochter nach dem Kampf am Telefon: "Sie hat geweint. Ich habe ihr gesagt, so ist Boxen. Einer gewinnt, einer verliert - und nächstes Mal gewinnt der Papi."

"Es gibt noch andere Weltmeister"

Und ein nächstes Mal soll es für den 35-Jährigen, der seinen Traum von einem WM-Titel an diesem Abend in Stuttgart zwar begraben musste, aber nicht aufgegeben hat, auf jeden Fall geben. Es gibt ja glücklicherweise so viele Möglichkeiten.

"Es gibt noch andere Weltmeister, die leichter zu bezwingen sind als Vitali oder Wladimir", strebt der Promoter nun "einen Kampf gegen Nikolai Walujew oder Ruslan Chagaev" an.

"Ich will den Riesen aus Russland"

Fragt sich, ob die Rechnung aufgeht? Denn Klitschko stellte klar, dass er "den Riesen aus Russland" boxen will und drückt dementsprechend Walujew im Ausscheidungskampf um die WBA-Krone die Daumen.

"Ich bin jetzt 37 und werde nicht mehr häufig in den Ring steigen. Aber bevor ich aufhöre, sollen die Weltmeister aller Verbände den Namen Klitschko tragen."

Und dann hätte Gomez, der "im Schwergewicht außer den Klitschkos keine Gegner" hat, wie sein Promoter behauptet, ein Problem, auch wenn er wieder sein Bestes geben würde.

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