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Der 29-jährige Alexander Powetkin (r.) ist der Olympiasieger von Athen 2004 © getty

Das Publikum gähnt, der Trainer meckert, Klitschko hat nichts zu fürchten: Beim Punktsieg gegen Estrada boxt Powetkin lahm.

Düsseldorf - Das hatten sich Alexander Powetkin und sein Promoter Wilfried Sauerland ganz anders vorgestellt:

Der russische Schwergewichtler hat zwar seine Generalprobe für den WM-Kampf gegen Wladimir Klitschko in Düsseldorf gewonnen, in der Verfassung seines Punktsieges gegen den Amerikaner Jason Estrada aber wird er vom ukrainischen IBF/WBO-Champion voraussichtlich kurzrundig "weggepustet".

Bis zum 13. September soll das Duell um den IBF-Titel stattfinden.

Lehrreich, aber kräftezehrend

Powetkin war seine fast zehnmonatige Kampfpause deutlich anzumerken, die er nach seiner Knöchelverletzung im vergangenen Oktober einlegen musste. Kein Tempo, keine Kombinationen, das Publikum langweilte sich in der Halle und vor den TV-Geräten.

Trainer Waleri Below forderte seinen Schützling immer wieder zu mehr Aktivität auf: "Eins, zwei, drei, wie im Training." Aber es kam nur wenig. Wegen seiner Verletzung hatte er den bereits für Dezember 2008 angesetzten Titelkampf gegen Klitschko absagen müssen.

"Das war ein lehrreicher Kampf für mich. Es hat mich sehr viel Kraft gekostet, meinen Gegner zu schlagen", sagte der sichtbar gezeichnete Russe nun, betonte aber auch: "Gegen Wladimir wird es ein komplett anderer Kampf. Bis dahin muss ich vor allem meine Defensive verbessern."

Herrscher der Szene

Denn auch gegen den überraschend starken Estrada, gegen den Powetkin im 17. Kampf seinen 17. Sieg feierte, kassierte er einige deutliche Treffer.

Nur die fehlende Schlagkraft hinderte den US-Amerikaner am Sieg. In seinen 18 Profikämpfen (2 Niederlagen) schaffte Estrada nur dreimal ein vorzeitiges Ende.

"Die Klitschkos bleiben Herrscher der Szene", urteilte Box-Altmeister Henry Maske nach der wenig beeindruckenden Vorstellung des IBF-Pflichtherausforderers: "Es gab eine deutliche Differenz zwischen dem, was Powetkin vorhatte, und dem, was er umgesetzt hat."

Aus Powetkin gegen Dimitrenko wird nichts

Die fehlende Dominanz Powetkins warf auch die Planung seines Managers Kalle Sauerland über den Haufen.

Eigentlich wollte Sauerland vor dem WM-Duell noch einen Kampf gegen den Ukrainer Alexander Dimitrenko um den vakanten EM-Titel im Schwergewicht organisieren, um die Pause bis zum Kampf gegen Klitschko zu verringern.

Doch im Moment sieht es nicht nach einer Auseinandersetzung zwischen Powetkin und dem ungeschlagenen Dimitrenko aus.

Kampf soll zu Hause stattfinden

"Ich habe, ehrlich gesagt, nicht damit gerechnet, dass Powetkin über zehn Runden muss", sagte Sauerland: "Man muss jetzt einfach sehen, wie viel Sinn ein solcher Kampf machen würde. Wir konzentrieren uns eher auf den WM-Gürtel".

"Eine Niederlage nämlich darf sich Powetkin vor seiner WM-Chance nicht leisten. Der Kampf gegen Klitschko soll in der Heimat des Herausforderers stattfinden.

"Wir wollen das Duell unbedingt nach Russland holen", kündigte Powetkins Co-Manager Wladimir Chrunow an.

Kentikian wird gefordert

Ebenfalls auf einen großen Kampf hofft Fliegengewichtlerin Nadia Raoui aus Herne.

Die neue Weltmeisterin der Women's International Boxing Association (WIBA) besiegte in Düsseldorf die Italienerin Maria Rosa Tabbuso und strebt nun einen Vereinigungskampf gegen WIBF- und WBA-Weltmeisterin Susi Kentikian an.

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