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Felix Sturm (l.) setzte dem Japaner Sato schwer zu © getty

Der Ringrichter rettet den überforderten Sato in Runde sieben. Der Japaner übersteht den Kampf schwer gezeichnet aber ohne Folgen.

Krefeld - Würdiger Champion, würdiger Rahmen, unwürdiger Gegner:

Profibox-Weltmeister Felix Sturm präsentierte sich vor 9000 Zuschauern im ausverkauften Königpalast in Krefeld von seiner besten Seite und verteidigte seinen WBA-Titel im Mittelgewicht durch technischen K.o. in der siebten Runde gegen Koji Sato in überzeugender Manier.

Doch das Spektakel hinterließ einen faden Beigeschmack. Der Herausforderer aus Japan war hoffnungslos überfordert und kassierte Runde für Runde schwerste Kopftreffer.

Das Szenario im Gejohle der Fans hatte etwas von Brot und Spiele.

"Das Publikum war begeistert, das ist das Wichtigste", sagte der Champion nach seiner sechsten Titelverteidigung noch im Ring.

Derweil verabschiedete sich sein übel zugerichteter Gegner mit tiefen Verbeugungen von den Zuschauern (Sturm zeigt Sato die Grenzen auf) .

"Habe mir schon vorher Sorgen gemacht"

"Sorgen habe ich mir schon vorher gemacht, aber so richtig erst in der siebten Runde. Es wäre keine Fehlentscheidung gewesen, das vorher zu machen. Darüber nachgedacht habe ich", sagte Ringarzt Dr. Christoph Goetz zum Zeitpunkt des Abbruchs.

"Das war schon gut."

Bumm, Bumm, Bumm - immer wieder klatschten die wuchtigen Führhände Sturms durch die lausige Doppeldeckung an den Kopf, die Brust und den Solar Plexus des Japaners.

Ringrichter rettet Sato

Nach einem Leberhaken und weiteren harten Kopftreffern wirkte der tapfere Kämpfer aus Tokio im siebten Durchgang erstmals orientierungslos.

Ringrichter Luis Pabon ging nach 2:46 Minuten dazwischen und rettete den am rechten Auge schwer gezeichneten Sato damit vor möglicherweise lebensbedrohlichen Folgen.

"Der Schädel fliegt nach hinten, das Gehirn bleibt quasi stehen", erklärte Mediziner Goetz in einfachen Worten die Wirkung wuchtiger Schläge gegen den Kopf.

Kein Befund bei Sato

Folgen eines Dauerbeschusses, dem Sato gegen Sturm ausgesetzt war, können Hirnverletzungen und der mögliche Tod des Sportlers sein.

"Gefährlich ist das Hirnödem. Es gibt Fälle, in denen Boxer als Punktsieger aus dem Ring stiegen und in der Kabine ins Koma fielen", meinte Goetz, der als "Neurochirurg eine besondere Beziehung zum Gehirn", hat.

Der Ringarzt kümmerte sich direkt nach dem Ende um Sato und untersuchte ihn eine Stunde später nochmal.

Glücklicherweise stellte Goetz nichts Ernstes fest und musste den 28-Jährigen auch nicht ins Krankenhaus überweisen. Doch er trug Trainer Sendai Tanaka auf, in der Nacht regelmäßig nach seinem Schützling zu sehen.

"Für mich ist alles schief gelaufen"

75 Minuten nach dem Desaster saß Koji Sato immerhin in der Pressekonferenz - eine modische Sonnenbrille verdeckte notdürftig die äußerlichen Blessuren.

"Meine Augen sind geschwollen. Für mich ist alles schiefgelaufen. Er ist der Champion, er ist der Beste", sagte der gewohnt höfliche Mensch Sato mit leiser Stimme.

Der Weltmeister redete den Gegner nochmals stark. "Es war ein sehr guter Kampf, der mich weitergebracht hat. Die Schrammen in meinem Gesicht kommen nicht irgendwo her. Er hat bei jedem Schlag mitgeschlagen und ich musste höllisch aufpassen", meinte der 30-Jährige.

Promoter Klaus-Peter Kohl sagte: "Es war ein stimmungsvoller Kampf. Felix hat seine Möglichkeiten ausgeschöpft, der Gegner auch. Da sieht man, was dabei rauskommt."

Erste Niederlage für Sato

Sato hatte vor dem Sturm-Fight 14 Kämpfe, 14 Siege, 13 davon vorzeitig gegen unbekannte Gegner. 12 Kilogramm musste er abspecken, weil er eigentlich im Supermittel boxt.

Trotzdem notierte ihn die WBA an Nummer 14 der Weltrangliste.

Das nächste Spektakel ist bereits in der Planung. Sturm soll am 11. Juli am Nürburgring, dem Abend vor dem Formel-1-Grand-Prix boxen. Wieder eine freiwillige Titelverteidigung.

Das Management sollte Sturm und dem Vertragspartner ZDF dann einen würdigeren Gegner präsentieren.

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