Walter Wagner, verantwortlicher Arzt des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), hätte Shannon Briggs bei dessen deutlicher Punktniederlage gegen Weltmeister Witali Klitschko vorzeitig aus dem Kampf genommen.

"Wenn ich als Ringarzt vor Ort gewesen wäre, dann wäre der Kampf abgebrochen worden. Es muss egal sein, ob die Zuschauer buhen", sagte der 59-Jährige dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

"Wenn ein Boxer tot im Ring liegt oder an den Folgen eines Kampfes stirbt, wirft das den Boxsport um Jahrzehnte zurück", sagte Wagner: "In erster Linie ist immer die Ecke des Athleten in der Verantwortung."

Der Amerikaner Briggs hatte seinen Trainer Herman Caicedo zuletzt allerdings in Schutz genommen und betont, dass der Coach nur aufgrund seines Wunsches bei dem Kampf am 16. Oktober in Hamburg nicht eingeschritten sei. Für den erfahrenen Ringarzt Wagner, der als Unfallchirurg am Klinikum Bayreuth praktiziert, ist dies jedoch kein gültiges Argument.

"Was der Boxer selbst wünscht, darf keine Rolle spielen. Er ist in der Situation gar nicht mehr geschäftsfähig", meinte Wagner und kritisierte zudem die Offiziellen des Kampfes. Aufgrund des Open Scorings des Verbandes WBC und des damit ersichtlichen Punktestandes hätte der Ringrichter eingreifen müssen.

"Wenn ich also als Ringrichter sehe, dass Briggs keine einzige von acht Runden gewonnen hat und seinen Gegner nicht in den Hauch einer Bedrängnis bringen konnte, ist die Sache eindeutig", sagte Wagner:

"Auch der Ringarzt hätte die Rote Karte zum Abbruch zeigen können. Witali schlägt wie ein Pferd." Sogenannte Nehmerqualitäten seien keine Qualitäten, sondern ein Zeichen boxerischen Defizits, sagte der Mediziner.

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