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Taylor gilt als bester Spieler der Welt. Sein Spitzname lautet "The Power" © getty

Längst ist Phil Taylor zum Phänomen geworden. Auch bei der WM wird "The Power" wohl wieder für einen Ausnahmezustand sorgen.

München - Das tätowierte Dart-Genie im Jürgen-von-der-Lippe-Hemd trägt wieder volles Haar, der Bierbauch ist verschwunden. Und neuerdings trägt Phil Taylor auch eine Brille.

Sportlich ist bei "The Power" aber alles wie eh und je.

Seine 26 Gramm schweren Unicorn Phase-5-Darts wirft er weiterhin mit unglaublicher Präzision aus 2,37 Metern Entfernung in die 8 Millimeter hohen Triple-Felder.

"Taylor ist wie Pele oder Babe Ruth, eine Größe des Weltsports", sagt Darts-TV-Experte Sid Waddell vor der WM im Londoner Alexandra Palace (16. Dezember bis 3. Januar/LIVE auf SPORT1+ und im SPORT1-LIVESTREAM und ab 21. Dezember LIVE im TV auf SPORT1) über Phil Taylor.

Die Gier nach Siegen und fettigem Essen

Der Vergleich mit Fußball- oder Baseball-Legenden ist zwar einigermaßen gewagt. Aber Sid Waddells Wort ist Gesetz.

Der berühmte TV-Kommentator, ganz England geläufig als "Stimme des Darts", hat den 15-maligen Weltmeister schon folgendermaßen charakterisiert: "Taylor würde dir nicht einmal das gönnen, was aus seinen Mundwinkeln tropft, wenn er in ein Bacon-Sandwich beißt."

Die Gier nach Siegen und fettigem Essen sind damit wohl hinreichend beschrieben. Die Erklärung für das Phänomen Phil Taylor aber steht aus.

Idol für viele Engländer

Der Mann, der mit 16 noch für 52 Pfund pro Woche Klopapier-Halterungen herstellte, ist Millionär, mit Robbie Williams befreundet und für viele Engländer ein Idol.

Und der nächste Schritt steht kurz bevor: Am 19. Dezember wählt die BBC wieder den Sportler des Jahres. Auf der Vorschlagsliste, eingerahmt von Lewis Hamilton und Andy Murray: Philip Douglas Taylor.

"Das wäre größer als alle WM-Titel zusammen", schrieb dieser kürzlich in seinem Blog. "Ich habe es per Telefon erfahren und durfte es nicht erzählen. Das war eine Qual. Ich wollte es der Welt ins Gesicht schreien", sagte der - real - ziemlich füllige und grauhaarige 50-Jährige.

Ob es funktioniert hat, wird der Schulabbrecher aus Stoke-on-Trent also während des Turniers erfahren.

Whisky-Stimmen und Bierzelt-Flair

"The Power" will wieder an die Macht, und die Fans ölen schon ihre Stimmen. "There's only oooooooone Phil Taylor", wird es wieder minutenlang aus tausenden bierseligen Kehlen donnern, wenn der Favorit die Scheibe ins Visier nimmt.

Im Idealfall kommt kurz danach der große Moment von Russ Bray. Die unverkennbar knarzige Whisky-Stimme des Ansagers ist für das langgezogene "Onehundredandeightyyyyyyy" zuständig, das er durch den Saal röhrt, wenn ein Spieler dreimal in Serie die Triple 20 getroffen hat.

Allein im letzten Finale gelang Taylor dies beim 7:3 gegen Simon Whitlock neunmal, ein Hobbyspieler wird es ein Leben lang ohne Erfolg trainieren 48208(DIASHOW: Die Highlights der WM 2010).

Was am Ende eines Legs, eines Spiels von 501 herunter auf Null, folgt, ist eine ganz eigene Choreographie. Hunderte springen in Superman-Kostümen auf die Tische, sie tanzen zur immergleichen Bierzelt-Melodie, berauscht nicht nur von den sportlichen Höchstleistungen.

Brille als Hindernis?

Und wer glaubt, für Ekstase gebe es keine Steigerung, sollte auf einen "Nine-Darter" warten. Das schnellstmögliche Finish aus siebenmal Triple 20, einmal Triple 19 und der doppelten 12 zum Abschluss ist nur mit drei Toren im Finale einer Fußball-WM oder einem Maximum break (147 Punkte) beim Snooker zu vergleichen.

Phil Taylor hat sich vorgenommen, eine große Show zu bieten, und sicherheitshalber noch eine Autobiographie von Pete Sampras gelesen. Die Brille ist für ihn noch gewöhnungsbedürftig.

Als er kürzlich richtig schlecht spielte, pfefferte er sie in die Ecke und gewann ohne. Wer Gold im Arm hat, muss eben nicht so genau hinschauen.

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