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Queen Elizabeth (2.v.r.) wirft 1937 einige Darts und sorgt für einen Boom © intern

Die Anzahl an Legenden über die Entstehung von Darts ist hoch. Die Wurzeln sind in Frankreich und ein Zimmerer legt Grundsteine.

Von Elmar Paulke

München - Wer sich auf die Spuren des Dartsports begibt, läuft Gefahr sich zu verirren.

Die Anzahl an Legenden über die Entstehung von Darts ist erstaunlich hoch. Vereinzelte Geschichten sind amüsant, andere abstrus. Und die Vielfalt ist nur deshalb möglich, weil die Wahrheit auch heute noch im Verborgenen liegt.

Das Wort "Dartes" taucht erstmals 1314 im Oxford English Dictionary auf. 1801 veröffentlicht ein gewisser Joseph Strutt ein Buch über die Entwicklung heimische Freizeitaktivitäten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.

Strutt beschreibt damals Spiele, bei denen Pfeile durch ein Blasrohr auf ein Ziel befördert wurden.

Dieses Spiel war als "puff and dart" oder "puff the dart" bekannt, fand sogar in der Oberschicht Englands Gefallen, wurde aber durch einen vernichtenden Bericht in einer britischen Medizin-Fachzeitschrift als zu gefährlich eingestuft. Spieler hatten beim Einatmen die Darts verschluckt.

Der erste Darts-Boom

So sehr man den Dartssport mit England verbindet, ursprünglich kommt er aus Frankreich. In der Grande Nation spielen die Leute mit hölzernen Pfeilen in Bars und Cafés. Sie geben den Vorläufern der Darts den Namen "Javelot" oder "Flechettes".

Dieses Spiel der Franzosen begeistert einen Engländer ganz besonders: Brian Gamlin. Er ist von Beruf Zimmerer, kommt aus Bury. (BUCHTIPP: Darts. Die Erde - eine Scheibe)

1896 legt Gamlin die heutige Zahlenanordnung auf dem Dartsboard fest. Er hat großen Anteil an der Verbreitung von Darts in England, denn Gamlin macht sich auf den Weg. Er marschiert durch hunderte von Gemeinden, so dass Darts langsam aber sicher den Weg in englische Kneipe findet.

Erstes Einzelturnier

1925 wird in England die National Darts Association (NDA) gegründet. 1927 veranstaltet die große Sonntagszeitung "News of the World" zusammen mit der NDA das erste große Einzelturnier in England.

Daraus entstehen die News of the World Individual Darts Championship. Es ist anfangs ein Turnier der Arbeiterklasse, das atemberaubende Teilnehmerzahlen hat. 1938-39 gehen rund 250.000 Teilnehmern an den Start.

Darts ist angesehen

Mit den Jahren nimmt auch die gehobenere Bevölkerungsschicht an diesem ersten großen Darts-Einzelturnier teil. Politiker, Schriftsteller, Schauspieler, Sportler.

Als im Dezember 1937 King George VI. und Queen Elizabeth einige Darts im Bürgerzentrum von Slough, in Berkshire, zu Beginn des Turniers werfen, bricht im ganzen Land ein Darts-Fieber aus.

1939 findet das Finale zwischen Jim Pike und Marmaduke Brecon vor 14.534 Zuschauern in der ausverkauften Royal Agricultural Hall in London statt. Die Sportart Darts erlebt seinen ersten Boom, der allerdings nicht lange anhält. Im Herbst 1939 bricht bekanntlich der 2. Weltkrieg aus.

Gründung der BDO

Am 7. Januar 1973 gründet Oliver Croft zu Hause in Musewell Hill zusammen mit seiner Frau, Lorna, und drei weiteren Mitstreitern die British Darts Organisation (BDO).

Oliver, den alle Olly rufen, ist zweifellos eine der wichtigsten Figuren überhaupt in Darts. Er hat nicht nur sehr viel für diese Sportart getan, ohne ihn wäre Darts bei weitem nicht das, was es heute ist.

Ohne ihn hätte es wahrscheinlich gar nicht den Weg in den Profi-Circuit geschafft. Olly Croft wird 2004 wegen seiner Verdienste für den Dartsport zum OBE ernannt, zum Officer of the British Empire.

Mit der BDO gründet er damals einen Verband, der der Sportart eine vorher nicht gekannte Struktur gibt. Er schafft ein Turniersystem, das es ziemlich bald ermöglicht, als Profi seinen Lebensunterhalt mit Darts zu verdienen.

Große Turnier erwachen

Den Startschuss für internationale große Events macht 1974 das World Masters. Ein Turnier, das es bis heute gibt und das mit zu den prestigeträchtigsten Turnieren überhaupt zählt.

Der erste Profispieler im klassischen Sinne ist 1976 der Waliser Leighton Rees. Mit ihm verbindet man bis heute den Sieg bei der ersten Darts-Weltmeisterschaft im Februar 1978 im Heart of the Midlands Club.

Zweite Welle

Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre erlebt Darts seinen zweiten großen Boom.

Doch anders als vor dem 2. Weltkrieg, zeichnet keine Massenbewegung diesen Boom aus, diesmal werden die Topspieler zu Helden. Zu Volkshelden, die man regelmäßig im Fernsehen sieht. Es werden Einschaltquoten in England von bis 10 Mio Zuschauern erzielt (WM-Finale 1983).

Darts in der Krise

Trotzdem dauert es nicht lange, bis die Sportart Darts in eine handfeste Krise gerät. Da bis 1988 Rauchen und alkoholische Getränke auf der Bühne erlaubt sind, bekommt Darts ein großes Image-Problem. Fernsehsender und Sponsoren wenden sich ab.

Da es den Darts-Profis dadurch an ihre Existenz geht, wenden sie sich von der BDO ab und gründen 1992 einen eigenen Darts-Verband, die heutige PDC (Professional Darts Corporation).

Quelle: Elmar Paulke, Darts. Die Erde - eine Scheibe

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