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Phil Taylor peilt bei der WM in London seinen 16. Titel an © getty

"The Power" zeigt sich nach dem hitzigen Halbfinale reumütig und denkt ans Karriereende. Van Barnevelds Sohn provoziert ihn.

Von Jakob Gajdzik und Elmar Paulke

München/London - Dem Zoff folgte die Reue.

Phil Taylor wirkte einen Tag nach seinem Finaleinzug gegen Raymond van Barneveld (Bericht) und dem anschließenden Zoff der beiden Darts-Legenden zerknirscht.

Nicht nur seine angekratzte Gesundheit machte "The Power" zu schaffen, auch die Ereignisse nach der Partie trugen nicht zu seiner guten Laune bei.

Vor dem Endspiel gegen Überflieger Michael van Gerwen wirkte der 15-malige Champion angeschlagen - und sprach sogar vom Karriereende. (SERVICE: Das Tableau für die WM 2013)

Letztes Spiel gegen van Gerwen? "Das ist möglich"

Auf der Pressekonferenz in London antwortete er auf die Frage, ob es bei einem Sieg im Finale gegen "Mighty Mike" sein letztes Spiel sein könnte mit: "Das ist möglich."

Töne, die man zwar bereits früher von Taylor vernommen hatte, bisher generierte "The Power" aber immer neue Energie, um weiterzumachen. Diesmal auch?

Das Spiel gegen "Barney" hatte Taylors schwindende Souveränität auf der großen Bühne gezeigt - vor allem nervlich.

Taylor entschuldigt sich

"Es tut mir leid", sagte der Rekord-Weltmeister, nachdem er eine Nacht darüber geschlafen hatte zu dem Disput mit seinem Rivalen. (SPORT1-SHOP: Darts-Pfeile steel)

Als van Barneveld nach Taylors Sieg seinen Arm griff und ihn zum Sieg hochheben wollte, riss "The Power" diesen weg und strafte den Niederländer mit einem bösen Blick ab, bevor er die Bühne verließ.

Es soll sogar das böse F-Wort gefallen sein, was die PDC auf den Plan rief, die diese Situation nochmals prüfen will. Sollte Taylor dieses Wort zu van Barneveld gesagt haben, droht ihm eine Geldstrafe.

[kaltura id="0_37m6k28m" class="full_size" title="Taylor bestreitet Zoff mit Barney"]

"Wir sind wieder Freunde, und ich liebe ihn immer noch"

Taylor selbst spielte die Situation bei SPORT1 direkt nach dem Halbfinale runter.

"Ich bin ein zerbrechlicher Typ, und Barney ist einfach ein großer Junge", sagte er mit einem Augenzwinkern.

"Er wollte mir gratulieren, aber ich war etwas gereizt. Jetzt ist alles wieder gut und vergessen. Wir sind Freunde, und ich liebe ihn immer noch", ergänzte er.

Ganz so einfach ist es dann wohl doch nicht.

Angespannte Stimmung

Dass die Stimmung zwischen den beiden bereits vor dem Gigantenduell - für viele das vorgezogene Endspiel - angespannt war, war deutlich zu erkennen.

Bei der Begrüßung von Phil Taylor und Raymond van Barneveld war der Handschlag gezwungen, der Blick kurz und eisig.

"Er ist ein unglaublicher Spieler, aber ich habe keine Angst gegen ihn zu spielen", tönte der Niederländer im Vorfeld. (SPORT1-SHOP: Darts-Equipment)

"Ich glaube, die hat er", war der lapidare Konter des 15-maligen Weltmeisters.

Klare Sache wird zum Krimi

Demensprechend heiß gestaltete sich das Match zwischen den Darts-Riesen. (SPORT1-SHOP: Darts-Pfeile soft)

Aus einer Partie, die nach Taylors 5:1-Satzführung eine klare Sache zu sein schien, wurde ein Krimi - sportlich und am Ende auch nervlich.

Mit drei Satzsiegen in Serie brachte van Barneveld sich wieder zurück ins Spiel - und Taylor mächtig ins Schwitzen.

Doch nicht nur das sorgte für die zunehmend schlechte Laune bei "The Power".

"Wir wollten beide das Spiel gewinnen. Barney kam mit einer brillianten Aufholjagd zurück und brachte das Publikum hinter sich", sagte Taylor und ergänzte: "Es gab aber auch ein paar, die gepfiffen haben."

"Barneys" Sohn macht Taylor wütend

Konkret gab es eine Person, die Taylor wütend machte.

Bei "Barneys" Aufholjagd saß dessen Sohn Mike weit vorne und machte sich mit "Miss, miss"-Rufen, bei denen er Taylor zurief, die Felder zu verfehlen, beim Rekord-Weltmeister zunehmend unbeliebt.

Van Barneveld selber schickte nach Leg- und Setgewinnen ständige Grüße nach unten, anstatt selbst etwas Feuer aus der Sache zu nehmen.

van Barneveld enttäuscht

Als das Spiel nach dem 5:4 zu kippen drohte, bewahrte Taylor allerdings die Nerven, machte den Sack zu und zog nach 2010 erneut ins Endspiel ein. (SPORT1-SHOP: Darts-Boards)

Van Barneveld, der seinen einzigen PDC-WM-Titel 2007 ausgerechnet gegen Taylor gewann, war nach den Ereignissen enttäuscht und zog sich mit seiner Familie zurück.

Doch womöglich ist Taylors Entschuldigung mittlerweile bis zu ihm durchgedrungen.

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