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Darts-Legende Phil Taylor wurde erstmals 1990 Weltmeister © getty

Am "größten Abend" seines Lebens holt Phil Taylor seinen 16. WM-Titel. Vom Karriereende will "The Power" nichts mehr wissen.

Von Felix Götz und Hartwig Thöne

München/London - Der mit 2500 Fans ausverkaufte Londoner Alexandra Palace kochte, Phil Taylor strahlte bis über beide Ohren.

Der Engländer hatte sich soeben durch einen 7:4-Sieg im Finale gegen den Niederländer Michael van Gerwen zum 16. Mal zum Weltmeister gekrönt (Bericht).

"Ich bin 52 Jahre alt und Weltmeister. Das dürfte eigentlich nicht sein. Eigentlich müsste einer von den Jüngeren gewinnen. Ich bin wahrscheinlich der stolzeste Mann der Welt. Es war der größte Abend meines Lebens", sagte "The Power" zu SPORT1.

2011 und 2012 musste die Darts-Legende den Titel seinem Landsmann Adrian Lewis überlassen. Nun ist Taylor zurück auf dem Thron.

Kein Karriereende in Sicht

Unmittelbar nach seinem Triumph räumte der Mann aus Stoke-on-Trent sämtliche Gerüchte um ein mögliches Karriereende aus dem Weg.

"Natürlich werde ich auch im nächsten Jahr antreten und versuchen, meinen Titel zu verteidigen", bestätigte Taylor bei SPORT1.

Dann ist er 53 Jahre alt. Und scheinbar werden mit dem Alter seine Nerven immer besser.

Erfahrung der Schlüssel

Taylor, der für seinen Sieg rund 245.000 Euro kassierte, bewies im Finale nämlich Nerven wie Drahtseile.

Mit 0:2- beziehungsweise 2:4-Sätzen lag er zurück. Dann wurde der Rechtshänder aber immer stärker und schnappte sich fünf Sätze in Serie.

"Das war harte Arbeit. Der Schlüssel zum Erfolg war meine Erfahrung", meinte Taylor, der 29 Jahre älter als sein Gegner ist und während den ersten sechs Sätzen aufgrund van Gerwens Treffsicherheit immer wieder ungläubig den Kopf schüttelte:

"Doch urplötzlich landeten meine Pfeile an den richtigen Stellen und das Publikum stand auf meiner Seite." Taylor, im hitzigen Halbfinale gegen den Niederländer Raymond van Barneveld erfolgreich (Bericht), ging schließlich nach dem neunten Satz erstmals in Führung.

[kaltura id="0_08j4xibm" class="full_size" title="The Power stürmt zum Titel"]

Gedanken an Waddell

Neben dem Preisgeld bekam Taylor auch die Sid-Waddell-Trophäe.(SPORT1-SHOP: Darts-Boards)

Waddell starb am 11. August 2012 im Alter von 72 Jahren. Er war ein legendärer Fernsehkommentator und galt als "The Voice of Darts".

"Ich habe an Sid gedacht, und dass er mir vielleicht zuschaut. Er war eine Vaterfigur für mich und mein größter Fan", meinte Taylor nach dem Match sichtlich gerührt.

Van Gerwen "sehr enttäuscht"

Nicht gerührt, vielmehr am Boden zerstört war van Gerwen, der nach einem bärenstarken Start am Ende etwas nachließ.

"Ich bin sehr enttäuscht. Es war nicht mein Tag. Ich habe nicht das gespielt, was ich kann", sagte "Mighty Mike", der bei einem Sieg der jüngste Weltmeister der Darts-Historie gewesen wäre:

"Ich habe es nicht geschafft, Phil durchgehend unter Druck zu setzen, und er wurde immer besser. Er hat dann großartig gespielt."

"Der Junge ist phänomenal"

Trost gab es für van Gerwen, der immerhin noch 122.500 Euro Preisgeld kassierte, ausgerechnet vom Rekord-Weltmeister.

"Der Junge ist phänomenal", meinte Taylor: "Ich habe ehrlich gesagt teilweise nicht gedacht, dass ich gewinnen würde."

Überraschend wäre es sicher nicht, wenn eines Tages van Gerwen Weltmeister sein sollte.

Er bot nicht nur dem großen Phil Taylor über weite Strecken einen erbitterten Kampf, sondern schaltete in der Runde der letzten Vier den Engländer James Wade und im Viertelfinale auch den Champion der vergangenen beiden Jahre, Lewis, aus. (SERVICE: Das Tableau für die WM 2013)