Für SPORT1-Experte Elmar Paulke ist Phil Taylors Finalsieg die Krönung der besten Darts-Weltmeisterschaft aller Zeiten.

Es hat nicht häufig Tränen bei Phil Taylor nach einem Sieg gegeben.

Nach dem 7:4-Sieg im WM-Finalkrimi gegen den 23-jährigen Michael van Gerwen war so ein Moment gekommen.

Das hatte mehrere Gründe.

Da war die Vorgeschichte, dieser Krach mit van Barneveld beim Halbfinale. Da war die Erkältung, die Taylor zu schaffen machte. Da war dieses Riesentalent van Gerwen, von dem "The Power" selbst im Vorfeld sagte, er könne mal in seine Fußstapfen treten.

Da war die neue WM-Trophäe, die nach seinem langjährigen Freund, dem im August verstorbenen TV-Kommentator Sid Waddell benannt ist. Er wollte sie unbedingt gewinnen, um sie Waddells Frau zu schenken.

Da war das 2:4 nach Sätzen aus Taylors Sicht und van Gerwens Möglichkeit, sogar zur 5:2-Führung zu kommen.

Für Taylor galt es eine Wachablösung abzuwehren, das Duell zweier Generationen zu gewinnen. Mit seinen 52 Jahren ist er der älteste Weltmeister in der Geschichte.

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Vor allem natürlich das Match. Nach dem 3:4 wurde er besser und besser. Mal wieder hat Taylor gezeigt, wie gut er unter Druck ist. Wie schwierig es ist, ihn über diese lange Distanz (Best-of-13-Sets) zu bezwingen. Warum er der beste Spieler aller Zeiten ist.

Und dabei hatte diese 20. Weltmeisterschaft so holprig für Taylor begonnen.

Die Siege über den Nordiren Michael Mansell und den Niederländer Jerry Hendriks waren glanzlos. Erst in Runde drei gegen den Schotten Robert Thornton stimmte sein 3-Dart-Average.

"The Power" hat mit jeder Runde mehr Volt in sein Spiel geladen und am Ende mal wieder die Darts-Welt überstrahlt.

Im Finale spielte er sein bestes Match bei dieser Weltmeisterschaft, mit einem beeindruckenden 103er-Average und einer Trefferquote auf die Doppel von 42 Prozent - das ist pure Weltklasse!

Viele sagen, es war die beste Darts-WM aller Zeiten.

Ich stimme dem zu. Auch wenn der WM-Rekord an 180ern diesmal nicht gebrochen wurde. Die insgesamt 72 Spieler aus 21 Nationen warfen fünf weniger als im vergangenen Jahr: 584! Dafür gab es gleich zwei 9-Darter.

Dean Winstanley und Michael van Gerwen haben uns das perfekte Spiel demonstriert. Van Gerwen stellte ja sogar einen Rekord mit 17 perfekten Darts nacheinander auf. Ihm fehlte nur der Treffer in die Doppel-12, um zwei 9-Darter in Folge zu schaffen.

Viele besondere Momente also, und dazu passt der 16. WM-Sieg von Philip Douglas Taylor. Für mich ist das ein Rekord für die Ewigkeit.

Und ich habe Zweifel, dass "The Power" ein weiteres Mal zuschlagen wird. Er spürt sein Alter, er kämpft gegen eine immer stärker werdende Konkurrenz.

Umso bemerkenswerter war seine Leistung in diesem WM-Finale gegen Michael van Gerwen.

Es war ein Meisterstück. Denn er musste sich auch noch mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass das vielleicht seine allerletzte Chance ist, Titel Nr. 16 zu gewinnen.

Elmar Paulke ist die Darts-Stimme bei SPORT1. Zusammen mit SPORT1-Darts-Experte Roland Scholten kommentiert er die Live-Übertragungen im TV. Paulke ist seit Herbst 1998 für SPORT1 (ehemals DSF) als Kommentator tätig und ist neben Darts auch ausgewiesener Tennis-Experte. Im Mai 2000 wurde er für seine DSF-Dokumentation "Boris Becker - I did it my way" mit dem "Bayerischen Fernsehpreis" ausgezeichnet. Während der Darts-WM 2013 wechselt er sich bei der Kolumne mit Roland Scholten und Tomas Seyler ab.

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