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Wjatscheslaw Arkadjewitsch Bykow gewann als Spieler Gold in Calgary 1988 © getty

Nach Aufholjagd im Finale feiert Russland nach 15 Jahren wieder einen WM-Gewinn. Aber die Kanadier sagen dem Titelträger den Kampf an.

Quebec - Wjatscheslaw Bykow winkte kurz mit der Goldmedaille ins Publikum, dann zog er sich in die zweite Reihe zurück.

15 Jahre nach seinem letzten WM-Gold als Spieler genoss der Trainer der russischen Eishockey-Nationalmannschaft den Triumph von Quebec still, während um ihn herum das Ende der langen titellosen Zeit frenetisch gefeiert wurde.

"15 Jahre sind eine lange Zeit. Dieser Sieg war längst fällig", sagte der 47-Jährige.

Zuvor hatte er die Sbornaja mit dem 5:4 (1:3, 1:1, 2:0, 1:0)-Erfolg nach Verlängerung ausgerechnet auf dem Eis des Erzrivalen Kanada zum ersten WM-Titel seit 1993 geführt.

"Es ist ein großes Fest für alle."

Und der einstige Weltklassestürmer, der als Spieler fünf Weltmeisterschaften und zwei olympische Goldmedaillen gewonnen hatte, wusste genau, was der 24. WM-Triumph für seine Landsleute unter den 13.339 Fans im Colisee und daheim vor dem Fernseher bedeutete: "Es ist ein großes Fest für alle."

Ausgerechnet Quebec

Im vergangenen Jahr hatte Bykow das große Ziel bei seiner ersten WM als Nationaltrainer noch knapp verpasst, als er mit der Sbornaja in Moskau im Halbfinale in der Verlängerung an Finnland scheiterte.

Jetzt holte er den Gold-Coup ausgerechnet da nach, wo er eigentlich in der NHL hatte spielen sollen. Denn 1989 war der Stürmer von ZSKA Moskau von den Quebec Nordiques gedraftet worden, doch er ging lieber in die Schweiz und galt fortan als einer der besten Spieler, die nie in der besten Liga der Welt auf dem Eis standen.

Ein Gewinn der Eishockey-Welt

Nach der fulminanten Aufholjagd seiner Mannschaft, die zu Beginn des letzten Drittels noch 2:4 zurückgelegen hatte, fühlte sich Bykow mit seinen Landsleuten aber nicht allein als Sieger.

"Dieses Spiel war so dramatisch und spektakulär, dass die ganze Eishockey-Welt gewonnen hat", meinte er nach dem krönenden Abschluss einer grandiosen Weltmeisterschaft, die mit vielen Toren und einer einzigartigen Atmosphäre bei der Premiere im Eishockey-Mutterland begeisterte.

Betrunkene Russen und ernüchterte Kanadier

Die letzte Party feierten allerdings die Russen - feuchtfröhlich, wie Stürmerstar Alexander Owetschkin versprach: "Unser ganzes Land wird jetzt betrunken sein", mutmaßte er nach dem Siegtor durch Ilja Kowaltschuk nach 2:42 Minuten der Verlängerung und fügte grinsend an: "Und wir auch."

Ernüchtert waren die Kanadier, denen die große Feier einen Tag vor dem Victoria Day noch verdorben worden war. "Die Enttäuschung ist groß", sagte Dany Heatley, der die Gastgeber mit seinem zwölften WM-Tor Mitte des zweiten Drittels vermeintlich entscheidend mit 4:2 in Führung gebracht hatte.

Untröstlicher Heatley

Dass der Deutschkanadier am Ende als wertvollster Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde und als bester kanadischer WM-Torschütze aller Zeiten sowie als bester Scorer seit 1977 Eishockey-Geschichte schrieb, konnte den 27-Jährigen nicht entschädigen: "Das ist kein Trost."

Die Enttäuschung, mit der Heatley und Co. noch kämpften, hatte Trainer Ken Hitchcock schnell überwunden. Von einem "sehr guten Tag für das Eishockey" sprach der 56-Jährige und einer "wichtigen Lektion für die jungen Spieler".

Kanadas Kampfansage

Gleichzeitig aber sagte er schon jetzt dem neuen Weltmeister mit Blick auf die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver den Kampf an.

"Russland wird jetzt nicht die Eishockey-Welt bestimmen", meinte Hitchcock, nachdem Owetschkin vollmundig von einem "Wachwechsel" gesprochen hatte: "Der wahre Maßstab ist Olympia, wenn alle großen Spieler zusammenkommen."

WM erneut in Kanada?

Noch einmal wiederkommen soll die WM nach Kanada. Nachdem bereits Verbandschef Bob Nicholson das Interesse der Nordamerikaner an einem weiteren Turnier geäußert hatte ("2016 wäre ein guter Zeitpunkt"), sprach sich auch Rene Fasel für eine Neuauflage in absehbarer Zukunft aus.

"Wir werden wiederkommen", sagte der Präsident des Weltverbandes IIHF: "Es ist nur eine Frage der Zeit. Das Turnier war ein Erfolg für die Fans, die Fernsehzuschauer und die IIHF."

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