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Michael Wolf (re.) spielt in der DEL bei den Iserlohn Roosters © getty

Deutschland verabschiedet sich als Zehnter von der WM in Kanada. Das Team und Bundestrainer Uwe Krupp sind um einige Erfahrungen reicher.

Halifax - Als die deutschen Nationalspieler in Halifax in den Flieger Richtung Heimat stiegen, hatten sie viel Frust und eine neue Erfahrung im Gepäck.

"In den letzten beiden Jahren sind wir relativ geschmeidig durch die Turniere gegangen und haben uns konstant weiter nach oben gearbeitet. Diesmal war es holprig", bilanzierte Bundestrainer Uwe Krupp nach dem 5:3 (1:1, 1: 2, 3:0)-Sieg zum WM-Abschluss gegen Lettland.

In der Endabrechnung steht damit Platz zehn zu Buche.

"Du musst auch die eine oder andere schmerzhafte Erfahrung machen, um besser zu werden", so Krupp.

Den Schmerz über die leichtfertig verspielte Viertelfinalchance konnte allerdings auch das versöhnliche Ende nicht betäuben.

"Selbst vergeigt"

"Die WM war eine große Enttäuschung", meinte NHL-Profi Christoph Schubert, und Verteidiger Andreas Renz ergänzte: "Wir haben es selbst vergeigt."

Am Ende entschied die 2:3-Pleite gegen Norwegen. "Hätten wir da gewonnen, wären wir jetzt im Viertelfinale", lamentierte Schubert.

Chaos abseits des Eises

Als alles vorbei war, gaben die Spieler erstmals zu, dass der Wirbel um den Fall Florian Busch und die fehlende Spielberechtigung für Jason Holland sowie der Krach mit den eigenen Fans sie auf dem Eis nicht unberührt gelassen hatten.

"Vielleicht haben wir uns beeinflussen lassen, das war nicht so toll für uns", sagte Renz.

Franz Reindl, Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes, gestand den Spielern wegen der äußeren Einflüsse mildernde Umstände zu: "Natürlich ist es mental schwer, wenn Probleme außerhalb des Eises in der Luft liegen."

Krupp bleibt bis 2010

Für Bundestrainer Krupp war aber wichtig zu sehen, dass seine Mannschaft "mit Willensstärke" im letzten Spiel den Abwärtstrend stoppte.

"Die Jungs haben gezeigt, aus welchem Holz sie geschnitzt sind", lobte der 42-Jährige und fühlte sich selbst bestätigt: "Es war ganz klar, dass wir die richtigen Spieler dabei hatten."

Der frühere NHL-Profi betonte am Tag danach, dass er zumindest bis zur Heim-WM 2010 im Amt bleiben wolle: "Auch ein Angebot aus der NHL würde keinen Strich durch die Rechnung machen. Wenn ich sage, ich mache es, dann mache ich es auch."

Sprung in der Weltrangliste

Der Erfolg gegen die Letten, den Chris Schmidt (19.), Michael Wolf (28.), Schubert (48.), Yannic Seidenberg (51.) und Christoph Ullmann (53.) mit ihren Toren sicherstellten, war aber nicht nur ein wichtiger Entwicklungsschritt für Krupps Team.

Er hatte vielmehr auch ganz konkrete Folgen. Als WM-Zehnter schloss die DEB-Auswahl das Turnier zwar einen Platz schlechter ab als im Vorjahr, zog in der Weltrangliste aber an den Letten vorbei auf Rang zehn.

Kopf aus der Schlinge gezogen

Damit ist bei der WM im nächsten Jahr Aufsteiger Österreich der Vorrundengegner, außerdem WM-Gastgeber Schweiz, falls er wie erwartet am Mittwoch im Viertelfinale gegen den Gold-Anwärter Russland ausscheidet.

Bei einer Niederlage hätten erneut Norwegen sowie zwei der großen Sechs gedroht. "Wir haben noch mal den Kopf aus der Schlinge gezogen", meinte Renz.

Auch die Olympia-Qualifikation, die die deutsche Mannschaft im Februar 2009 in Mannheim bestreitet, ist mit Absteiger Slowenien, Österreich und einem Qualifikanten nicht übermäßig stark besetzt.

Busch verordnet sich Ruhe

Beendet war mit dem Sieg gegen Lettland auch der umstrittene WM-Auftritt von Florian Busch.

Der Berliner, der wegen seiner verweigerten Dopingkontrolle nach Meinung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) gar nicht hätte spielen dürfen, war "von den Schlagzeilen genervt".

Während der WM habe er so unter Spannung und Druck gestanden, dass er "nicht mal richtig durchatmen" konnte.

Nach der Rückkehr in die Heimat will der 23-Jährige komplett abschalten: "Ich fahr nach Hause, stöpsel das Internet aus, zieh das Telefon raus und lese zwei Wochen keine Zeitung mehr. Von mir aus sollen Brieftauben kommen, ich brauche jetzt absolute Ruhe."

Krupp weiter auf Reisen

Vom Eishockey noch immer nicht genug hat dagegen Bundestrainer Krupp.

Der frühere NHL-Star fährt mit seinem Sohn Björn nach Kitchener in Ontario, um beim Memorial Cup, der Endrunde der kanadischen Juniorenmeisterschaft, die Stars von morgen spielen zu sehen - und die Tage von Halifax zu verarbeiten.

Er sagt: "Der Ton war anders. Ich habe den Jungs diesmal nicht nur auf die Schulter geklopft. Aber das war auch eine gute Erfahrung."

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