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Uwe Krupp schoss Colorado 1996 zum Stanley-Cup-Triumph © imago

Vor dem Deutschland Cup spricht Coach Uwe Krupp bei SPORT1 über Verletzungssorgen, die Gegner und seine Nominierungskriterien.

Von Marcus Giebel

München - Der vierte Platz bei der WM im Mai hat in Deutschland Hoffnungen auf eine goldene Zukunft geweckt (17 Tage im Mai: Die DVD zur Eishockey-WM im SPORT1-Shop).

Erster Prüfstein für das DEB-Team nach dem überraschend starken Heim-Turnier ist der Deutschland Cup (ab Fr., 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Von Freitag bis Sonntag trifft die DEB-Auswahl in München auf Olympiasieger Kanada, den WM-Gastgeber 2011 Slowakei und die Schweiz.

Das Team von Uwe Krupp ist Titelverteidiger. Doch in diesem Jahr muss der Bundestrainer mit großen Verletzungssorgen kämpfen.

Allein ein Dutzend Spieler hat abgesagt, nur sieben Akteure aus dem WM-Kader sind noch dabei.

Im SPORT1-Interview der Woche spricht der 45-Jährige über die Konkurrenten, seine Kriterien bei der Kaderzusammenstellung und die Bedeutung des Heim-Turniers.

SPORT1: Herr Krupp, Deutschland geht als Titelverteidiger in das Turnier. Was ist in diesem Jahr drin?

Uwe Krupp: Wir haben viele Verletzte und werden viele neue Spieler testen. Ein Teil der WM-Mannschaft steht uns nicht zur Verfügung. Daher wird es schwer, den Erfolg aus dem Vorjahr zu wiederholen.

SPORT1: Bei der Heim-WM hat das Team einen hervorragenden vierten Platz belegt. Spüren Sie, dass das Interesse am Deutschland Cup dadurch gestiegen ist?

Krupp: Das Interesse an der Nationalmannschaft ist immer hoch gewesen. Die Plattform mit SPORT1 erregt aber mehr Aufmerksamkeit, da nun auch die deutschen Spiele beim Deutschland Cup übertragen werden. Das ist eine gute Sache.

SPORT1: Gegner werden Kanada, die Slowakei und die Schweiz sein. Wie schätzen Sie die Konkurrenz ein?

Krupp: Kanada kommt mit einer erfahrenen Mannschaft. Sie haben viele Stars aus der DEL dabei. Es wird also keine junge, sondern eine reife Truppe sein. Coach Mark Messier ist in der Heimat eine Ikone. Für die Spieler wird die Bedeutung, das Trikot ihres Landes zu tragen, immens sein - auch wenn ein Sidney Crosby fehlt.

SPORT1: Wie sieht es mit den Slowaken aus?

Krupp: Sie richten seit einigen Jahren alles auf ihre Heim-WM im kommenden Mai aus. Deshalb werden sie mit einer sehr gut eingestellten Mannschaft antreten. Sie haben ein Projekt der U-20-Nationalmannschaft, die in der heimischen Liga mitspielt und werden die besten Spieler dieses Teams aus den vergangenen Jahren zusammenziehen.

SPORT1: Bleibt noch die Schweiz.

Krupp: Die kommen mit dem größten Kader. Mit 33 Spielern haben sie zwei komplette Mannschaften zur Verfügung. Sie wollen Revanche für das 0:1 im WM-Viertelfinale gegen uns. Es waren zuletzt immer knappe Spiele.

[kaltura id="0_2d64yvn5" class="full_size" title="Das DEB-Team freut sich auf den Deutschland Cup"]

SPORT1: Die NHL-Stars fehlen in München. Wie groß ist der sportliche Wert des Turniers?

Krupp: Der ist riesengroß. Jeder Trainer versucht, die besten Spieler auszuwählen. Aber wir haben zwölf Verletzte. Da ist die Gelegenheit für andere Spieler sehr groß, sich für die WM-Vorbereitung zu empfehlen. Vielleicht können einige in die Fußstapfen des Teams von 2009 treten.

SPORT1: Planen Sie strategische Veränderungen mit Blick auf die kommende WM - vor allem im taktischen Bereich?

Krupp: Wir wollen die körperlich präsenteste Mannschaft aufstellen. Da darf auch der spielerische Aspekt nicht zu kurz kommen. Wir müssen hart sein, körperbetont spielen und viel Ergeiz einbringen.

SPORT1: Wie Sie schon angesprochen haben, gab es zwölf Absagen. Können Sie jede davon hundertprozentig nachvollziehen?

Krupp: Ja, klar. Ich habe eine Art Gentlemen's Agreement mit den DEL-Coaches, dass ich keine verletzten Spieler nominiere. Es macht keinen Sinn, wenn ein Spieler eine Leistenzerrung hat und ich ihn drei Spiele in drei Tagen absolvieren lasse.

SPORT1: Welche Kriterien waren bei der Kaderzusammenstellung ausschlaggebend?

Krupp: Das sind unsere besten Spieler. Sie haben in der bisherigen Saison den besten Eindruck gemacht. Ich schaue mir in jeder Woche vier Spiele an und habe die Auswahl einzig nach Leistung getroffen.

SPORT1: Sie haben bei der Pressekonferenz am Dienstag von einem engeren Kreis der Nationalmannschaft gesprochen. Wie viele Spieler gehören dazu?

Krupp: Wenn ich heute eine Mannschaft aufstellen müsste, würde ich Spieler für Spieler das Team der WM wählen. In diesem Jahr geht es darum, dass ein neuer Spieler nachrückt und einen WM-Spieler verdrängt.

SPORT1: Im Mai waren auch Marcel Goc und Christian Ehrhoff dabei. Wer kann am ehesten die Führungsrolle der NHL-Spieler ausfüllen?

Krupp: Das wird man erst hinterher sehen. Wir haben durch die Absagen von Robert Dietrich, Constantin Braun und Christopher Fischer einige Verteidiger nicht dabei. Andre Reiss ist angeschlagen. Da wird es dann eng.

SPORT1: Mit den beiden Debütanten Martin Buchwieser und Martin Schymainski sowie Felix Petermann haben Sie drei Lokalmatadoren vom EHC München nominiert. Welche Bedeutung kommt ihnen zu?

Krupp: Sie sind gute Spieler und haben sich durch ihre Leistung in der Liga empfohlen. Schymainski war nicht auf der ersten Liste, ist durch Verletzungen reingerutscht. Sie werden ihre Einsätze bekommen.

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