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Vor seinem Geschäftsführer-Job bei den Haien war Thomas Eichin Profi-Fußballer © imago

Der Haie-Geschäftsführer bekommt einen Gesellschafter an die Seite gestellt. Die Trainer-Lösung mit Krupp droht zu platzen.

Von Christian Paschwitz

München - Personelles Stühle-Rücken und viele Fragen bei den krisengeschüttelten Kölner Haien:

Jan Broer, einer der Gesellschafter beim Tabellenschlusslicht der DEL, hat sich nun auch zum Geschäftsführer aufgeschwungen.

"Der neue Boss auf der KEC-Geschäftsstelle heißt ab sofort Jan Broer", machte der "Express" hierzu gleich ein neues Kräfteverhältnis aus.

Und ergänzte mit Blick auf den bisherigen Funktionsinhaber: "Thomas Eichin ist nun endgültig entmachtet".

Offiziell nun Doppelspitze

Eilfertig versuchte die Haie-Presseabteilung zu entkräften, schrieb von einer gemeinsamen Tätigkeit Broers mit dem in der sportlichen Misere zuletzt immer mehr in die Kritik geratenen Eichin ab 2011.

Man habe "die zahlreichen Verantwortungsbereiche in den letzten Wochen sinnvoll" aufgeteilt, hieß es weiter. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und Broer wurde zitiert: "Ich freue mich sehr auf die Aufgabe und die enge Zusammenarbeit mit Thomas Eichin." Unklarheiten wirft sie dennoch auf.

"Immer weiter, immer mehr"

Zumal Broer erst zu Saisonbeginn zum achtmaligen deutschen Meister gestoßen war, der angesichts von 13 Niederlagen nach 19 Spielen nicht einmal mehr ein Schatten seiner selbst ist.

Der Unternehmer, zuletzt Vorstandsmitglied eines so genannten eHealth Unternehmens ("Mein Ziel ist immer weiter, immer mehr") dürfte seine bisherige Position und Wirkungsstätte nach 13 Jahren kaum aus einer spontanen Laune heraus und ohne eigene Ansprüche verlassen haben.

Und Broer engagiert sich auch mit privatem Geld bei den Haien.

[kaltura id="0_2d64yvn5" class="full_size" title="Das DEB Team freut sich auf den Deutschland Cup"]

Zusammenarbeit auf Augenhöhe?

Es fällt schwer zu glauben, dass die Zusammenarbeit mit Eichin "auf Augenhöhe stattfinden wird", wie der 40-jährige gegenüber dem "Express" erklärt.

Schließlich trägt der Kölner nun die weitgehend volle Verantwortung.

Laut Medienberichten ist er zuständig für die kaufmännische Organisation und Öffentlichkeitsarbeit - und weiterhin einer von sechs Gesellschaftern.

Sportliche Entscheidungsgewalt wohl futsch

Eigenmächtig entscheiden darf der bisherige Allein-Lenker dem Vernehmen nach nicht mehr im sportlichen Bereich.

"Eichin ist für sportliche Organisation, Sponsoren-Akquise und den Veranstaltungsablauf zuständig?, umreißt Broer dessen Aufgabenfeld.

Eichin selbst wird über den Klub nur zitiert: "Ich begrüße sehr, dass er (Broer, Anm. d. Red.) seine Kompetenz im kaufmännischen Bereich und seine Ideen für das Marketing und die Zuschauergewinnung bei uns einbringt.?

Welches Gewicht hat Eichins Wort noch?

Nebulös bleibt demnach, welches Gewicht das Wort des früheren Fußball-Profis fortan noch hat an der Seite von Machtmensch Broer (?Vielleicht könnte man meinen, in der jetzigen Situation zu den Haien zu gehen, ist nicht der beste Karriere-Schritt, aber mich hat das Haie-Fieber erfasst?).

Denn: Broer will auch eine Berater-Gruppe installieren, die sportliche Kompetenz in den Klub zurückbringen soll.

Immerhin läuft Eichins Vertrag noch bis 2013. Ein Rausschmiss scheint kein Thema.

Krupp-Engagement unwahrscheinlicher

Eine gehandelte namhafte Verpflichtung für die Trainer-Position wohl aber ebenso nicht mehr:

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) steht einem zusätzlichen Engagement von Bundestrainer Uwe Krupp als Coach bei den Kölner Haien äußerst skeptisch gegenüber.

"Derzeit ist eine Doppelfunktion von Uwe Krupp als Bundestrainer und Vereinstrainer gemäß seinem Arbeitsvertrag sowie der Vereinbarung mit der DEL nicht vorgesehen", so DEB-Sportdirektor Franz Reindl.

Gespräche nach Deutschland Cup

Krupp selbst wollte sich dazu vor dem Deutschland Cup in München (ab Freitag, 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) nicht mehr äußern, bestätigte aber Gespräche.

Sollte der DEB eine Doppel-Funktion ablehnen, bliebe dem Bundestrainer im Fall eines Engagements in Köln nur die vorzeitige Vertragsauflösung beim Verband.

Pikant: Erst im Juni hatte der 45-Jährige seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. (EXKLUSIV: Uwe Krupp im SPORT1-Interview)

Wenig Schmeichelhaftes für Stewart

Die Haie wiederum hatten in der Vorwoche Bill Stewart gefeuert, der zum ersten Mal als Coach und Manager in Personalunion aufgetreten war.

"Es ist kein Fehler, einer Person beide Aufgaben zu übertragen. Es war nur ein Fehler, sie Bill Stewart zu geben", kommentierte Broer die Entlasssung.

Es klänge nicht verwunderlich, hätte der neue Haie-Macher demnächst ähnliche Worte für Eichin parat.

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