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Aleksander Polaczek wurde im polnischen Oppeln geboren © imago

Der Eishockey-Verband folgt den NADA-Regeln und greift in der Affäre um mehrere verpas- ste Dopingtests durch. Weitere Profis werden öffentlich ver- warnt. Düsseldorfs Manager Nethery will sich wehren.

Berlin - In der erneuten Affäre um Verstöße gegen die Anti-Doping-Richtlinien hat der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) anders als im Fall Florian Busch konsequent durchgegriffen.

Wegen des wiederholten Verstoßes gegen Meldeauflagen der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) sind die Nationalspieler Daniel Kreutzer, Robert Dietrich, Aleksander Polaczek und Andrea Lanzl für drei Monate gesperrt worden.

Das gab der DEB am Freitag bekannt.

Die vier Spieler hatten bereits zum zweiten Mal innerhalb von 18 Monaten gegen Artikel 6 des NADA-Codes verstoßen. Bei einer weiteren Verfehlung innerhalb des genannten Zeitrahmens droht ihnen gar eine einjährige Sperre.

Öffentliche Verwarnung

Eine öffentliche Verwarnung erhielten Sascha Goc, Philip Gogulla, Manuel Klinge und Tatjana Hentschke wegen erstmaliger Verstöße.

"Die vom unabhängigen Whereabout-/Missed Test-Gremium getroffenen Entscheidungen sind sowohl für die betroffenen Sportler wie auch deren Klubs hart, der NADA-Code lässt Alternativen jedoch nicht zu. Ungeachtet der zu sanktionierenden Meldepflichtverstöße bin ich davon überzeugt, dass die betroffenen Sportler ohne Wenn und Aber gegen Doping sind und sich keinerlei unerlaubten Mitteln bedienen", sagte der kommissarische DEB-Präsident Uwe Harnos in einer offiziellen Mitteilung.

Die Affäre Busch

Nationalstürmer Busch vom deutschen Meister Eisbären Berlin hatte am 6. März eine unangemeldete Dopingkontrolle zunächst verweigert und fünf Stunden später nachgeholt.

Der DEB hatte danach eine öffentliche Verwarnung ausgesprochen, Busch durfte sowohl im DEL-Saisonfinale als auch bei der WM auflaufen.

Die NADA wertet dagegen den verweigerten Test als positiven Test und verlangt eine Sperre. Der Fall liegt derzeit vor dem Ad-hoc-Schiedsgericht des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

"Hochsensibles Thema"

Harnos: "Das Thema Doping ist ein hochsensibles Thema und nur bei Mitwirken aller Beteiligten am Anti-Doping-Kampf wird es gelingen, der Öffentlichkeit den Eishockeysport in Deutschland als sauberen Sport zu vermitteln und die öffentliche Glaubwürdigkeit zu erzeugen, die für ein nachhaltiges Medien-, Sponsoren- und Zuschauerinteresse notwendig ist."

Die Sperre für die nun Betroffenen gilt für alle Wettkämpfe.

Entsprechend der Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Eishockey Liga (DEL) werden Kreutzer (DEG Metro Stars) und Polaczek (Nürnberg Ice Tigers) damit ihren Klubs für die ersten 17 Spieltage der am 4. September beginnenden neuen DEL-Saison nicht zur Verfügung stehen.

Nethery will sich wehren

Die ersten Länderspiele der Männer-Nationalmannschaft finden jedoch erst nach Ablauf der Sperre im November statt.

Robert Dietrich wechselt zur kommenden Saison von Düsseldorf in die nordamerikanische Profiliga NHL zu den Nashville Predators. Ob die Sperre auch dort greift, ist nicht klar.

Der Düsseldorfer Manager Lance Nethery kündigte an, rechtliche Schritte gegen die Sperre seines Stürmers Kreutzer zu prüfen.

Probleme mit Meldeformularen

"Wir werden uns jetzt einen Anwalt nehmen und sehen, was wir machen können", sagte Nethery. Da mehrere Spieler Probleme mit den Meldeformularen hätten, bestehe zudem großer Nachholbedarf in der Aufklärung, so Nethery.

Die Kaderathleten des nationalen Testpools müssen mittels eines Internet-Meldeformulars der NADA einmal im Quartal Angaben zum Wohnsitz, dem Aufenthaltsort sowie Ort und Zeit des Trainings, der Wettkämpfe und Trainingslager machen und Änderungen im Rahmen der 24-Stunden-Frist melden.

"Hier wurde von einigen Spielern nicht immer die größtmögliche Sorgfalt an den Tag gelegt", sagte der DEB-Dopingbeauftragte Eckard Schindler und kündigte an, dass diese Missstände in Zukunft aufgearbeitet werden: "Der Verband wird seine Aufklärungsarbeit intensivieren."

"Alles auf den Weg gebracht"

Daniel Kreutzer glaubt unterdessen, dass dem in der Busch-Affäre heftig kritisierte DEB nun keine andere Wahl blieb, als eine harte Strafe auszusprechen: "Wenn der Fall Busch nicht gewesen wäre, wäre es gar nicht so weit gekommen."

Im Zuge des Skandals um Florian Busch wurde der NADA-Code in die Regelwerke des DEB aufgenommen, der Kooperationsvertrag mit der DEL verändert und das so genannte "Missed Test Policy Gremium" neu besetzt.

Das Bundesinnenministerium (BMI) hat seinen Fördergelder-Stopp an den DEB mittlerweile wieder aufgehoben. "Wir haben jetzt alles auf den Weg gebracht, was die NADA und das BMI zurecht gefordert hatten", sagte Harnos.

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