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Center Jochen Hecht bestritt bereits über 600 Spiele in der amerikanischen Profiliga © getty

Die Verstärkung durch den NHL-Profi hängt am seidenen Faden. Alles liegt in den Händen der NADA. DEL-Profis stehen als Backup bereit.

Memmingen - Sportlich ist die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft für die WM bestens gerüstet, doch ausgerechnet ihr NHL-Star Jochen Hecht bereitet Sorgen:

Der Stürmer der Buffalo Sabres wartet noch auf Grünes Licht von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA).

"Wir haben die Zusage des Spielers, die Zustimmung seines Klubs, die Versicherungsfrage ist geklärt, die Anreise geregelt.

Es fehlt nur noch die endgültige Freigabe der NADA", sagte Bundestrainer Uwe Krupp nach dem überzeugenden 7:2-Sieg bei der WM-Generalprobe gegen Dänemark (DEB-Team überzeugt bei WM-Generalprobe).

Ausnahmeantrag gestellt

Hecht, der zuletzt bei der WM 2005 für den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) gespielt hatte, gehört nicht zum NADA-Testpool, der zum Jahresbeginn gemeldet werden musste.

"Er hatte die Athletenvereinbarung nicht unterschrieben - auf Anraten der Spielergewerkschaft NHLPA", sagte DEB-Generalsekretär Franz Reindl.

Und weiter: "Wir haben jetzt einen Ausnahmeantrag gestellt, weil er vor einer Woche nach dem NHL-Vorrundenaus mit Buffalo doch unterschrieben hat."

NADA muss entscheiden

Die NADA muss nun über die Wiedereingliederung des 31-Jährigen in ihr Kontrollprogramm entscheiden.

Vor einem Jahr hatte sich der DEB den Unmut der deutschen Anti-Doping-Wächter zugezogen, als er Florian Busch nach einer verweigerten Kontrolle nicht sperrte und mit zur WM nach Kanada nahm.

Der Fall wird am Mittwoch vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) abschließend behandelt.

Müller und Kink auf Abruf

In Buffalo unterzog sich Hecht unterdessen einer Doping-Kontrolle.

"Die Probe wird im sogenannten beschleunigten Verfahren sofort im Labor ausgewertet", so DEB-Präsident Uwe Harnos: "Ich bin optimistisch. Die NADA prüft wohlwollend."

Sollte bis Dienstag keine Genehmigung vorliegen, will der DEB bei der am Freitag beginnenden WM in der Schweiz auf Hecht verzichten.

Für diesen Fall hat Krupp vorgesorgt: Der Kölner Marcel Müller und der Mannheimer Marcus Kink stehen auf Abruf bereit. "Einer von beiden rückt dann ins Team", sagte der Bundestrainer. (zum Artikel: Krupp gibt Aufgebot bekannt)

NHL-Verteidiger mit an Board

Erhält Hecht rechtzeitig Grünes Licht, fliegt er am Mittwoch nach Bern, wo die deutsche Mannschaft am Freitag (ab 16.15 Uhr LIVE) ihr Auftaktspiel gegen Weltmeister Russland bestreitet.

Bereits einen Tag eher treffen die anderen Spieler in der Schweizer Hauptstadt ein.

Zu ihnen gehören die Berliner Sven Felski, Andre Rankel und Frank Hördler sowie der Düsseldorfer Daniel Kreutzer, die Krupp ebenso in den 25-köpfigen Kader berief wie NHL-Verteidiger Christoph Schubert (Ottawa Senators).

Schwere Entscheidung für Krupp

Streichen musste er dafür, neben Abwehrspieler Martin Ancicka (Nürnberg Ice Tigers) und Stürmer Ulrich Maurer (Augsburger Panther), Thomas Greilinger vom ERC Ingolstadt.

Letzterer hatte sich im vorletzten Test beim 3:0 gegen Dänemark am vergangenen Donnerstag eine Schultereckgelenksprengung zugezogen.

"Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen, denn alle haben in der Vorbereitung hart gearbeitet, mit hoher Schlagzahl trainiert und in den Spielen alles aus sich herausgeholt", sagte Krupp.

Vorfreude auf WM steigt

Das Ergebnis dieser harten Arbeit präsentierte die DEB-Auswahl am Samstag in Memmingen gegen die Dänen.

Angeführt vom dreifachen Torschützen Michael Wolf (18., 21. und 42.), der seinen ersten Dreierpack in der Nationalmannschaft feierte, bot sie "die beste Leistung in der Vorbereitung", wie Krupp meinte, und weckte Hoffnungen auf eine erfolgreiche WM.

"Wir haben eine sehr junge und sehr laufstarke Truppe", sagte der Iserlohner Torjäger: "Die letzten Ergebnisse geben Selbstvertrauen. Wir wollen uns bei der WM nach oben spielen."

Viertelfinale ein Ziel

Das Viertelfinale haben die Spieler nach den Plätzen neun und zehn bei den letzten beiden WM-Turnieren ins Auge gefasst.

"Das ist sicherlich eine Sache, die für uns möglich ist", sagte Krupp, "aber dann müssen wir sehr, sehr gutes Eishockey spielen und nicht nur gewinnen, sondern auch die richtigen Spiele gewinnen."

Zuletzt hatte die DEB-Auswahl zwar jeweils einen der Großen geschlagen (2007 2:0 gegen Tschechien, 2008 4:2 gegen die Slowakei), aber dennoch das Viertelfinale verpasst.

Höchster Sieg gegen Dänemark

Zum Abschluss der Vorbereitung spielte die deutsche Mannschaft die Dänen, von denen sie bei der WM 2005 noch in die Zweitklassigkeit geschickt worden war (2:3), regelrecht an die Wand.

Der Kölner Moritz Müller (30.), Kink (30.), der Tölzer Travis James Mulock (46.) und der Wolfsburger Kai Hospelt (55.) erzielten die weiteren Tore zum höchsten Sieg gegen den WM-Zwölften von 2008 und zum vierten Erfolg im sechsten Vorbereitungsspiel.

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