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Armin Baumert ist Vorstands-Vorsitzender der NADA, die 2002 gegründet wurde © imago

Das deutsche Eishockey gibt die Kontrollen komplett in neutrale Hände. Die FIFA bringt den NADA-Chef "auf die Palme".

Köln - Freude über das deutsche Eishockey, Ärger über den Fußball-Weltverband FIFA: Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) übernimmt im Eishockey die Zuständigkeit für Trainings- und Wettkampfkontrollen sowie das komplette Ergebnismanagement.

Bei der Vertragsunterzeichnung in Köln übte der NADA-Vorstandsvorsitzende Armin Baumert aber Kritik an der Haltung der FIFA im Anti-Doping-Kampf.

"Die Aussagen des Chef-Mediziners der FIFA bringen mich auf die Palme. Das ist eine Enttäuschung für uns alle", sagte Baumert.

Die FIFA hatte zuletzt eine kontrollfreie Zeit für die Profis im Urlaub gefordert. Am 28. April trifft sich die NADA-Spitze in Frankfurt/Main mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), um über das weitere Vorgehen zu beraten.

"Ein elementarer Schritt"

Ob es dabei ebenso harmonisch zugeht wie bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) und der Deutschen Eishockey Liga (DEL) bleibt abzuwarten.

"Das ist ein elementarer Schritt. Eishockey ist die erste Sportart, die das Kontrollsystem komplett in neutrale Hände abgegeben hat", sagte Baumert über die am 1. Mai beginnende unbefristete Vereinbarung.

Die NADA wird jährlich über 600 Blut- und Urinkontrollen durchführen. Sollten dabei auffällige Werte aus dem Labor gemeldet werden, wird sie ein Ermittlungsverfahren einleiten und den betroffenen Spieler anhören.

Den ermittelten Sachverhalt gibt die NADA dem vom Deutschen Sportschiedsgericht bestellten Anti-Doping-Richter zur Entscheidung.

Fünfstelliger Betrag wird fällig

"Zur Dokumentation der Glaubwürdigkeit unserer Bemühungen im Anti-Doping-Kampf war es uns sehr wichtig, die gesamte Durchführung, freiwillig und auf unsere Kosten, an die Einrichtungen der NADA und des Deutschen Sportschiedsgerichts zu übertragen", erklärte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke, der aber betonte, dass man "kein Dopingproblem" habe.

Die Kosten würden sich für die Klubs der DEL auf einen "hohen fünfstelligen Betrag" belaufen.

Im vergangenen Jahr war es zwischen der NADA und dem deutschen Eishockey zu Unstimmigkeiten wegen einer zunächst verweigerten Dopingkontrolle des Nationalspielers Florian Busch vom Meister Eisbären Berlin gekommen. (Busch nach Anhörungs-Marathon nicht schlauer)

Urteil steht noch aus

"Da hätten wir nicht gedacht, dass wir jetzt so hier zusammensitzen", meinte Baumert. Busch war am Mittwoch zu einer Anhörung beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne, ein Urteil wird in den kommenden Wochen verkündet.

Zuletzt hatte die NADA dem DEB schon geholfen, damit Jochen Hecht von den Buffalo Sabres aus der nordamerikanischen Profiliga NHL doch noch an der am Freitag beginnenden WM in der Schweiz teilnehmen kann.

Eine Analyse von Hechts Dopingprobe sollte noch am Donnerstagabend vorliegen.

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