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Florian Busch (r.) wurde mit den Eisbären Berlin schon vier Mal Deutscher Meister © imago

Trotz seiner Sperre wird Florian Busch zum DEL-Auftakt für die Eisbären stürmen. Die Liga hat aus seinem Fall trotzdem gelernt.

München - Die Juristen streiten noch immer, doch Florian Busch geht wieder aufs Eis.

Der Nationalspieler, eigentlich wegen einer verweigerten Dopingkontrolle für zwei Jahre gesperrt, startet am Freitag mit Meister Eisbären Berlin in der DEL das Unternehmen Titelverteidigung.

Der Marathon durch die Instanzen macht es möglich.

"Das Urteil ist derzeit nicht vollstreckbar, deshalb wird er nicht gesperrt, sondern lizenziert", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke.

73 Tage nachdem der Internationale Sportgerichtshof (CAS) Busch mit einer Sperre bis zum 21. Februar 2011 belegt hatte, stürmt der 24-Jährige am Freitag für die Eisbären im Auftaktspiel bei den Kassel Huskies - bis auf Weiteres.

Rechtsbeschwerde in der Schweiz

Buschs Anwälte haben beim Schweizer Bundesgericht Rechtsbeschwerde eingelegt, die Vollstreckung der Strafe ist vorerst ausgesetzt. Erst wenn das Gericht in Bern eine Entscheidung gefällt hat, will die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) die Umsetzung der Sperre in Deutschland beim Kammergericht in Berlin beantragen.

"Das kann sich noch Monate hinziehen", sagt Tripcke: "So lange wird er spielen."

Busch auch international spielberechtigt

Busch hatte am 6. März 2008 eine Dopingkontrolle zunächst verweigert und später nachgeholt. Der Test war negativ. Das zuständige Gremium des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) verhängte keine Sperre, sondern nur eine Geldstrafe.

Auch das Adhoc-Schiedsgericht des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sperrte den Nationalspieler nicht, weil er zum Zeitpunkt der Kontrolle die Athletenvereinbarung nicht unterschrieben hatte.

Den DEB kam dieses Versäumnis teuer zu stehen. Das Bundesinnenministerium behielt Fördergelder in Höhe von 128.000 Euro ein. Busch, dessen Einsatz bei der WM 2008 in Kanada für viel Wirbel gesorgt hatte, wird seitdem nicht mehr in der Nationalmannschaft berücksichtigt.

"Eigentlich ist er derzeit sogar international spielberechtigt", sagt Tripcke und betont, dass die DEL "in Abstimmung mit der NADA" handelt.

Vom Saulus zum Paulus

Auch wenn Busch weiter in der DEL spielt, sein Fall hat dennoch einiges verändert. Nachdem das deutsche Eishockey massiv in die Kritik geraten war, wurde der böse Bube zum Musterschüler, "der Saulus zum Paulus", wie DOSB-Generaldirektor Michael Vesper befand.

Der DEB setzt seitdem den Anti-Doping-Code vorbildlich um, die DEL lässt in dieser Saison erstmals Trainingskontrollen von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) vornehmen.

"Eishockey ist damit Vorreiter", sagt die stellvertretende NADA-Geschäftsführerin Ulrike Spitz, "es ist die erste Liga, die alle Kontrollen, auch im Wettkampf, uns machen lässt." Im Fußball führt die NADA lediglich die Trainingskontrollen durch. Noch nicht einmal die gibt es in anderen Sportarten.

"Der Fall Busch hat gezeigt, wo es hakt", sagt Spitz und lobt die Eishockey-Verantwortlichen: "Das ist genau die richtige Richtung."

Bei positivem Test folgt die Kündigung

Mindestens 140 Kontrollen in der Saison hat die DEL bei der NADA bestellt - zusätzlich zu den knapp 400 Tests, denen sich die Nationalspieler unterziehen müssen.

Bereits seit Mitte August wird in den Klubs kontrolliert. Alle Spieler mussten unterschreiben, dass sie bei einem positiven Test von ihrem Arbeitgeber gekündigt und von der Liga gesperrt werden können. Ein unabhängiger Anti-Doping-Richter wurde installiert.

"Wir dokumentieren damit, dass wir nichts zu verbergen haben, und wir wollen nach dem Fall Busch mit einem Fehlimage aufräumen", sagt Tripcke und verweist darauf, dass in 15 Jahren DEL erst zwei Spieler positiv getestet wurden.

In der Saison 1999/2000 wurden Joel Savage (Adler Mannheim) und Bill McDougall (München Barons) jeweils mit Ephedrin erwischt und für mehrere Monate gesperrt.

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