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Berlins Deron Quint (r.) erzielte das 1:0, Steve Walker (M.) den Endstand gegen Augsburg © getty

Rekordkulisse und höchster Sieg: Die Berliner erobern die Führung in der DEL-Tabelle. Ärgster Verfolger ist ein Ex-Meister.

München - Die Eisbären Berlin sind in ihrer schönen, neuen Eishockey-Welt angekommen, und der Konkurrenz wird Angst und Bange.

"Wenn die ins Rollen kommen, kann man ganz schnell untergehen", stellte Trainer Larry Mitchell von den Augsburger Panthern ernüchtert fest.

Sein Team war gerade vom Titelverteidiger der Deutschen Eishockey Liga (DEL) bei der Premiere in der neuen Arena am Ostbahnhof mit 11:0 vom Eis und von der Tabellenspitze gefegt worden.

Maximalausbeute nach vier Spielen

14.000 Zuschauer in dem 165 Millionen Euro teuren Schmuckstück feierten nach dem höchsten DEL-Sieg die Eisbären überschwänglich.

Die Berliner stehen nach vier Spielen mit der Maximalausbeute von zwölf Punkten schon wieder da, wo sie am Ende der vergangenen Saison standen - ganz oben.

Ex-Spitzenreiter "deprimiert"

Wie der Titelverteidiger den bisherigen Tabellenführer auseinandernahmen, fand Mitchell "deprimierend".

Viele andere Trainer in der Liga dürften es ähnlich empfunden haben.

Zwei Tore in Unterzahl

Gegen Augsburg lebte der Meister noch nicht einmal wie in den Spielen zuvor von seinem eingespielten Powerplay. Diesmal fiel auch bei Fünf gegen Fünf Tor auf Tor, selbst in Unterzahl trafen die Berliner zweimal.

"Es war so, als hätte jemand unsichtbar Regie geführt", meinte Jungnationalspieler Alexander Weiß nach der in jeglicher Hinsicht gelungenen Premiere vor der größten Kulisse in der Berliner Eishockey-Geschichte.

"Noch nie haben so viele Leute in Berlin Eishockey geguckt. Das hat uns beflügelt", sagte Trainer Don Jackson.

Mit dem Rekordsieg vor der Rekordkulisse machten die Eisbären vor allem bei denen allerbeste Werbung, die zum ersten Mal dem einstigen DDR-Meister zuschauten. "Es war ein großer Tag für uns", meinte Jackson.

Krefeld ist Verfolger Nummer eins

Verfolger Nummer eins des Topfavoriten ist überraschend Ex-Meister Krefeld Pinguine, der erstmals seit 16 Jahren mit drei Siegen in die Saison startete.

"Wir haben eine sehr kompakte, starke Mannschaft, die Jungen sind heiß, rennen und kämpfen", urteilte Neuzugang Jim Fahey nach dem 6:1 gegen die Füchse Duisburg: "Wir wissen, dass wir gegen jeden mithalten können. Ein solcher Start gibt Selbstvertrauen."

Stephens ist Topscorer

Beeindruckend beim Meister von 2003 ist vor allem die körperliche Fitness. Der neue russische Trainer Igor Pawlow hat als erster Krefelder Chefcoach selbst das Sommertraining geleitet - mit bis zu drei Einheiten pro Tag.

Das zahlt sich jetzt ebenso aus wie die gute Einkaufspolitik. Charlie Stephens, der bei der Düsseldorfer EG nicht zurechtkam, blüht auf der anderen Rheinseite auf:

Mit sieben Scorerpunkten aus drei Spielen hat der Kanadier die beste Quote aller DEL-Stürmer.

Nur vier Gegentore

Und Scott Langkow, nach dem Vertragshickhack um Sebastien Charpentier eigentlich nur zweite Wahl, scheint das Torhüterproblem der Pinguine gelöst zu haben:

In den ersten drei Spielen musste der ehemalige NHL-Goalie nur viermal den Puck aus dem Netz holen.

Wie stark Krefeld tatsächlich ist, könnte sich schon am Dienstag (19.30 Uhr) im Gastspiel bei den Nürnberg Ice Tigers, dem Vorrundenprimus der vergangenen Saison, zeigen.

Treuebekenntnis für Kölner Coach

Frust herrscht derweil bei den rheinischen Nachbarn DEG und Kölner Haie. Nach dem schlechtesten Saisonstart seit 1973 ist beim Vizemeister Köln Trainer Doug Mason schon in die Schusslinie geraten.

Geschäftsführer Thomas Eichin stellte sich aber ebenso wie DEL-Rekordspieler Andreas Renz hinter den Holland-Kanadier. Mason werde Trainer bleiben, verkündete Eichin nach dem peinlichen 1:5 gegen Aufsteiger Kassel Huskies, der fünften Pleite im fünften Spiel.

Und Renz meinte: "Doug ist ein überragender Trainer. Wir können jetzt nicht alles in Frage stellen, was er hier aufgebaut hat."

Verschleiß bei der DEG

Die DEG verspielte beim 2:3 gegen die Frankfurt Lions zweimal eine Führung und rutschte nach zwei Niederlagen am Wochenende auf den neunten Platz ab. Der Glanz der beiden Derbysiege gegen Köln ist bereits verblasst.

Gegen Frankfurt verloren sich 4554 Zuschauer im Düsseldorfer Dome, die drittschlechteste Kulisse in der 2006 eröffneten Arena.

"Wir hatten keine Kraft mehr", meinte Nationalspieler Daniel Kreutzer, dessen Team nur drei etatmäßige Verteidiger aufbot.

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