vergrößernverkleinern
Köln Moritz Müller (r.) attackiert Straubings Eric Meloche © getty

Vor dem Derby gegen Düsseldorf stehen die Kölner wieder voll im Saft. Trotzdem gibt es für Trainer Pawlow Grund zur Kritik.

München - Erstmals seit 1688 Tagen Tabellenführer, nach einer Katastrophensaison wieder auf Erfolgskurs: Die Kölner Haie schwimmen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vorneweg, doch wirklich zufrieden ist niemand.

"Das war kein gutes Niveau. Wir haben zu viele grobe Fehler gemacht", kritisierte Trainer Igor Pawlow nach dem mühsamen 3:2 nach Penaltyschießen gegen den sieglosen Tabellenletzten Straubing Tigers: "Wir haben zu Hause einen Punkt liegen lassen, das ist in unserer Situation nicht gut genug."

Immerhin war der dritte Saisonsieg im vierten Spiel gut genug, um dank der Patzer der Konkurrenz erstmals seit Ende Januar 2005 wieder Platz eins zu übernehmen. (DATENCENTER: 4. Spieltag)

Eine völlig andere Situation als in der vergangenen Saison, als der achtmalige Meister als Vorletzter der Konkurrenz hinterherhinkte und zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte die Playoffs verpasste.

Weibel strahlt Ruhe aus

Auch wenn Pawlow am Sonntag unzufrieden war - der Russe, der in der Vorsaison bereits bei den Krefeld Pinguinen hervorragende Arbeit leistete, hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Kölner Eishockey-Welt jetzt ganz anders aussieht. Die Mannschaft ist nach hartem Sommertraining topfit.

Mit dem Schweizer Lars Weibel im Tor haben die Haie wieder einen starken Rückkhalt. "Er strahlt die totale Ruhe aus", lobte Nationalspieler Andreas Renz.

Gegen Straubing bewahrte der 35-Jährige sein neues Team vor einer Blamage, weil er im Penaltyschießen schon zum zweiten Mal seinen Kasten sauber hielt.

Slowaken-Sturm in Torlaune

Und in den beiden Slowaken Martin Bartek und Ivan Ciernik hat Köln die in der Vorsaison so schmerzlich vermissten Torjäger. Das Duo hat zehn der 16 Kölner Tore erzielt.

Auch wenn gegen Straubing vieles nicht klappte, die Haie sind zurück auf Erfolgskurs - gerade rechtzeitig vor dem rheinischen Derby am Freitag gegen die Düsseldorfer EG.

Den Erzrivalen erwischte es am Sonntag noch böser als die Haie. Eine ähnlich schwache Leistung wie die der Kölner endete für den Vizemeister mit einer 0:1-Heimpleite gegen die Kassel Huskies. Ein Sieg hätte die DEG anstelle der Haie an die Tabellenspitze gebracht.

Düsseldorfs Neuzugang mit Ladehemmung

"Wir haben kollektiv nicht gut gespielt", kritisierte Trainer Harold Kreis, "wir sind zu wenig gelaufen, haben zu kompliziert gespielt und zu viele Scheiben verloren."

Manager Lance Nethery fand noch deutlichere Worte. "So darf man nicht auftreten", sagte der Kanadier und nahm sich vor allem Neuzugang Mark Murphy zur Brust.

Der Amerikaner, der bei den Augsburger Panthern in den vergangenen beiden Jahren 41 Tore erzielte, wartet in Düsseldorf noch auf seinen ersten Treffer.

"Weckruf für die Mannschaft"

Gegen Kassel verursachte er mit einem Fehler in Überzahl sogar das entscheidende Tor. "Er soll so spielen wie in Augsburg", sagte Nethery: "Er ist ein harter Arbeiter und kein Techniker. Er soll nicht eine Rolle suchen, die er gar nicht hat."

Mit Blick auf das Derby fügte Nethery an: "Ich hoffe, dieses Spiel war ein Weckruf für die ganze Mannschaft, schließlich geht es am Freitag nach Köln."

Noch größere Probleme hat in der jungen Saison DEL-Rekordmeister Adler Mannheim. Beim 4:5 gegen die zuvor sieglosen Hannover Scorpions gab es bereits die dritte Niederlage im vierten Spiel.

"Zu häufige Gardinenpredigt bringt nichts"

"Die Jungs spielen zu kompliziert, sie denken zu viel", bemängelte Trainer Doug Mason: "Sie müssen lockerer werden."

Der Holland-Kanadier blieb nach dem Spiel lange in der Kabine. Anders als nach dem 2:3 vor einer Woche in Krefeld gab es diesmal aber keine Gardinenpredigt.

"Das kann man nur zwei- oder dreimal in der Saison machen, sonst bringt es nichts", sagte Mason, der diesmal nur hören wollte, "was die Spieler von diesem Spiel gehalten haben".

Von Lukas Lang dürfte die Antwort negativ ausgefallen sein. Der Ex-Duisburger sah bei seinem Liga-Debüt im Mannheimer Tor bei den ersten beiden Gegentreffern nicht gut aus.

Ice Tiger Chouinard fällt länger aus

Die Nürnberger Ice Tigers müssen voraussichtlich bis Anfang Dezember auf Neuzugang Eric Chouinard verzichten.

Der bullige Angreifer war beim ersten Saisonsieg der Franken am vergangenen Freitag gegen den ERC Ingolstadt (3:2) von Nationalverteidiger Michael Bakos böse gefoult worden und erlitt dabei einen Innenbandanriss im rechten Knie.

Chouinard wird das Eistraining nach Angaben der Ice Tigers in frühestens vier bis sechs Wochen wieder aufnehmen können. Bakos hatte für seinen Kniecheck nur eine Zwei-Minuten-Strafe erhalten.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel