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Larry Mitchell ist sein Dezember 2007 Trainer der Augsburger Panther © imago

Augsburg mischt die Liga mächtig auf, ist heiß auf die Playoffs. Bei Sport1.de erklärt Coach Mitchell das Erfolgsgeheimnis.

Von Robert Gherda

München/Augsburg - Auch das gibt's: Die Augsburger Panther sind das einzige Gründungsmitglied der DEL, das es noch nie ins Playoff-Halbfinale geschafft hat.

So ganz verwunderlich ist das nicht: Die Schwaben müssen sich seit Jahren mit dem kleinsten Etat der Liga gegen die Konkurrenz behaupten.

Doch damit soll jetzt Schluss sein: Die Panther sind dabei, ihr "Graue-Maus"-Image abzulegen - und sie wollen angreifen.

Die meisten Leistungsträger wurden gehalten, sich außerdem gut verstärkt. Und viele DEL-Manager trauen dem AEV in dieser Saison eine Überraschung zu.

(DATENCENTER: 13. Spieltag)

Große Ziele

Dabei lassen sich die Panther von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen. Nach zwei Pleiten in Serie gegen Ingolstadt und in Berlin holten die Panther zuletzt fünf Punkte.

Dem doppelten Punktgewinn in letzter Sekunde in Nürnberg folgte ein Heimsieg gegen die Iserlohn Roosters. Vier Auswärtssiege (in Hamburg, Frankfurt, Nürnberg und Straubing) fuhr das Team insgesamt ein.

Im Interview mit Sport1.de gibt Trainer Larry Mitchell unverhohlen die Qualifikation für die Playoffs als Ziel aus.

Sport1.de: Herr Mitchell, die Panther sind sehr ordentlich gestartet, werden ligaweit für das schöne Eishockey gelobt. Was ist in dieser Saison möglich?

Mitchell: Wir haben eine sehr schnelle Mannschaft mit vielen hungrigen Spielern. Überraschen können wir nicht mehr, aber mit viel Einsatz unsere Ziele erreichen. Wir wollen uns im Vergleich zur letzten Saison verbessern, als wir Zehnter wurden. Das Ziel lautet Platz neun oder besser.

Sport1.de: In Augsburg aber steht nicht viel Geld zur Verfügung. Wie realistisch ist es da, junge deutsche Spieler wie Florian Kettemer, Steffen Tölzer, Dennis Endras oder Benedikt Kohl zu halten?

Mitchell: Sehr realistisch. Kettemer hat beispielsweise einen Zwei-Jahres-Vertrag und wird uns sicher erhalten bleiben. Endras und ich arbeiten praktisch das fünfte Jahr zusammen und wissen genau, was wir aneinander haben. Natürlich ist das keine Garantie, dass wir immer zusammenbleiben - aber die Chemie und das Vertrauen stimmen.

Sport1.de: Aber werden diese Spieler bei einem gut dotierten Angebot nicht weich?

Mitchell: Es gibt Zeichen, dass die jungen Spieler das in sie gesetzte Vertrauen zurückzahlen wollen und hier bleiben wollen. Natürlich werden wir nie alle halten, aber wenn Erfolg da ist, springen die Spieler nicht beim nächstbesten Angebot ab. Und genau das bauen wir hier gerade auf.

Sport1.de: Vielen Experten trauen in der kommenden Saison eine Überraschung zu: Spüren Sie einen besonderen Druck, oder macht Sie das eher stolz?

Mitchell: Der Stolz überwiegt, besonders wenn man sieht, wie sich die jungen Spieler weiterentwickeln. Druck spüre ich sowieso jeden Tag, und wenn man sich für diesen Beruf entschieden hat, muss man damit klarkommen. Natürlich gibt es ein wenig zusätzlichen Druck. Aber wir wissen genau, wer wir sind und halten uns jetzt nicht für die Adler Mannheim oder die Eisbären Berlin.

Sport1.de: Sie spielen in der Abwehr nur mit drei Ausländern anstatt wie viele Teams mit deren vier. Geschah das bewusst oder eher zufällig?

Mitchell: Das war eher Zufall. Als zu Beginn der letzten Saison Christian Chartier lange ausfiel und sich auch Steffen Tölzer verletzte, haben wir Benedikt Kohl von den Adlern ausgeliehen. Wegen der dünnen Personaldecke wurde er auch gleich ins kalte Wasser geworfen und durfte in wichtigen Situationen aufs Eis. Da merkten wir, dass er problemlos bei uns unter den besten vier Verteidigern anzusiedeln ist - und haben dann überlegt, ob vier Ausländer wirklich notwendig sind.

Sport1.de: Und dann kam Kettemer zurück...

Mitchell: Ja, da stand dann die Entscheidung eigentlich fest. Ich muss ehrlich sagen, ohne jemandem etwas Böses zu wollen: Die zwei oder auch Steffen Tölzer waren definitiv nicht schlechter, wohl sogar besser als der vierte ausländische Vertediger, den wir im Kader hatten. Für die Top-Positionen braucht man natürlich Leute wie T.J. Kemp, Jeff Likens oder Christian Chartier. Aber danach sahen wir keine Notwendigkeit, weil die Deutschen den Job super erledigten.

Sport1.de: Vor der Saison haben Sie in einer Umfrage gesagt, dass Kemp das Zeug hat, zum Überraschungsspieler der DEL zu werden. Was zeichnet ihn aus?

Mitchell: T.J. ist ein Verteidiger, der ein Power Play wunderbar aufziehen kann. Er ist unser Quarterback sozusagen, und jedes Team sucht solche Spieler, weil sie wirklich rar sind. Wir haben versucht, Jeff Likens oder Christian Chartier dazu zu drängen, aber sie sind das einfach nicht gewohnt, weil die Erfahrung fehlt. T.J. dagegen spielt bereits seit Jahren diese Rolle - das ist für uns einfach Gold wert.

Sport1.de: Likens wird oft als schlampiges Genie bezeichnet, das zu oft in die Offensive geht und das Spiel aufbauen will, obwohl es besser wäre, das Spiel ruhiger zu machen. Dieses Jahr ist er jedoch mit bisher 7 Punkten unter den besten Verteidigern der Liga...

Mitchell: Ich bin mit seiner Entwicklung sehr zufrieden. Für mich wird es immer ein Rätsel bleiben, wieso es oft bei jungen Deutschen heißt: Da muss man drüber hinwegsehen, weil er ja noch jung ist. Aber bei Jeff wird alles kritisiert, weil er einen amerikanischen Pass hat - und Jeff ist erst 23. Er hat natürlich einige leichtsinnige Fehler letzte Saison begangen und macht das auch dieses Jahr noch. Aber sie sind deutlich weniger geworden.

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