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Die Freezers um Torwart Jean-Marc Pelletier kassierten bisher neun Niederlagen © imago

Zweiklassengesellschaft DEL: Während die Eisbären konkurrenzlos auf Platz eins thronen, bröckelt es dahinter bedenklich.

Berlin - Stunk in Düsseldorf, Ratlosigkeit in Nürnberg, Trainer-Diskussion in Hamburg:

Während Meister Eisbären Berlin an der Tabellenspitze weiter unangefochten die Deutsche Eishockey Liga (DEL) dominiert, ist anderthalb Monate nach dem Saisonstart bei vielen Klubs die Eiszeit ausgebrochen.

Vor allem bei den Hamburg Freezers spitzt sich die Krise nach der 3:8-Pleite bei den Iserlohn Roosters zu.

Im ersten Drittel (1:6) präsentierte sich der Tabellenvorletzte derart desolat, dass das vor wenigen Tagen ausgesprochene Vertrauen in Trainer Paul Gardner langsam bröckelt. (DATENCENTER: 14. Spieltag)

Kein Treueschwur

"Es gibt keine Trainerdiskussion und kein Ultimatum", sagte Hamburgs Generalbevollmächtigter Moritz Hillebrand zwar, doch auch er ist sich der Gesetzmäßigkeiten der Branche bewusst:

"Wenn ich jetzt einen Treueschwur ausspreche, holt mich das vielleicht irgendwann ein." Sollten die Freezers am Donnerstag gegen die Adler Mannheim erneut unter die Räder geraten, könnte es auch für den Coach eng werden, der zwar in der Mannschaft sehr beliebt ist, von selbiger aber derzeit im Stich gelassen wird. (Stenogramme 14. Spieltag)

"Es kämpfen nicht alle"

"Einige haben gekämpft, aber längst nicht alle", sagte ein sichtlich angeschlagener Gardner, der bereits vor ein paar Tagen die mangelhafte Einstellung seiner Profis an den Pranger gestellt hatte:

"Bei einigen Spielern muss ich die Charakterfrage stellen." Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Kanadier mit der Qualität im von Ex-Geschäftsführer Boris Capla zusammengestellten Kader unzufrieden ist. Zudem spielen frühere Leistungsträger wie Torjäger Francois Fortier derzeit unterirdisch.

Auf die Playoff-Ränge weisen die Hamburger bereits elf Punkte Rückstand auf.

"Im Moment läuft es gegen uns"

Nur drei Zähler mehr auf dem Konto haben die Nürnberg Ice Tigers, die nach dem 3:4 nach Penaltyschießen gegen den EHC Wolfsburg bereits zum sechsten Mal in Folge als Verlierer das Eis verließen.

"Im Moment läuft vieles gegen uns", klagte Nürnbergs Trainer Andreas Brockmann und flüchtete sich in Durchhalteparolen, die die Fans bereits seit Wochen zu hören bekommen: "Wir müssen uns da irgendwie herauskämpfen."

Offensiv zu harmlos

Dabei mangelt es nicht an Einsatz, sondern an Effektivität. Die Ice Tigers sind in der Offensive viel zu harmlos und können verletzungsbedingte Ausfälle von Leistungsträgern wie gegen Wolfsburg nicht kompensieren.

Das Team hat zudem nach Schlusslicht Straubing Tigers die zweitschwächste Powerplay-Bilanz aller DEL-Teams.

Holzer rastet aus

Punktemäßig steht die Düsseldorfer EG wesentlich besser da als Nürnberg, doch die Stimmung ist ähnlich niedergeschlagen.

Nach dem 1:5-Heimdebakel gegen den ERC Ingolstadt mit einem bärenstarken Nationaltorhüter Dimitri Pätzold war der Derbysieg bei den Krefeld Pinguines zwei Tage zuvor schnell wieder vergessen.

Der von Bundestrainer Uwe Krupp hochgelobte Verteidiger Korbinian Holzer ("Er hat einen Riesenschritt nach vorne gemacht") war über die höchste Saisonniederlage derart frustriert, dass er nach dem vorletzten Gegentreffer den Puck in die Ingolstädter Spielertraube drosch, wofür er eine Disziplinarstrafe kassierte und intern wohl mit einer Geldstrafe belangt wird.

"Das war blöd und überflüssig", sagte Holzer zwar, legte verbal aber nach:

"Mich hat der ganze Abend angekotzt. Einige aus der Mannschaft und einige im Publikum hatten heute wohl keine Lust auf Eishockey. Es war keine Stimmung im Dom."

Erneut verirrten sich nur 4733 Zuschauer in die 13.000 Besucher fassende Arena.

Lange Gesichter

Auch bei den Kölner Haien, den Krefeld Pinguinen und den Straubing Tigers, die allesamt am Wochenende ohne Punktgewinn blieben, sah man nur lange Gesichter.

Zum Glück für die Krisen-Klubs, dass derzeit vielerorts Eiszeit herrscht.

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