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Der Kanadier Doug Mason kam 2009 von den Kölner Haien zu den Adlern Mannheim © getty

Der entlassene Mannheim-Coach Doug Mason erklärt bei Sport1.de, warum er bei den Adlern nicht den Erfolg wie in Köln hatte.

Von Guido Huber

München - Bei den Mannheimer Adlern geht es hoch her.

Nach dem Absturz aus den Playoff-Rängen zog der DEL-Rekordmeister die Reißleine und feuerte seinen Trainer Doug Mason, dessen Team zuletzt von neun Spielen acht verlor. (DATENCENTER: Ergebnisse Tabelle).

Zudem kündigte Manager Marcus Kuhl seinen Rückzug nach 16 Jahren zum Saisonende an und wird neuer Sportdirektor. "Das war die Notbremse. Wir haben nicht mehr geglaubt, dass er noch die Wende einleiten kann.", sagte Adler-Boss Daniel Hopp zu Masons Entlassung.

Kuhl erklärte: "Ich habe mich im Trainer getäuscht." Nun soll Trainer Teal Fowler an der Seite von Assistent Martin Jiranek die Geschicke beim Klub leiten.

Ex-Coach Doug Mason spricht mit Sport1.de über seine Zeit bei Mannheim, sein Verhältnis zur Chef-Etage und erklärt, warum er bei den Adlern nicht den Erfolg wie zu seiner Zeit bei den Kölner Haien hatte.

Sport1.de: Haben Sie die Entlassung schon verdaut?

Doug Mason: Ich war sehr gerne Trainer in Mannheim. Und ich liebe meinen Job. Was meinen Sie? Keiner war froh, dass wir nicht den Erfolg gehabt haben, den wir uns gewünscht hatten.

Sport1.de: War die Trennung auch aus Ihrer Sicht die letzte Möglichkeit oder haben Sie noch Potential für die Wende gesehen?

Mason: Ich habe immer geglaubt, dass wir die Kurve kriegen.

Sport1.de: Sie sagten zu Beginn ihres Engagements bei den Adlern, es wäre die größte Herausforderung, aus den vielen Einzelspielern eine Mannschaft zu formen. Befinden sich im Team zu viele Einzelkünstler, die mehr auf sich selbst schauen als auf den Teamerfolg?

Mason: Darauf möchte ich jetzt nicht antworten. Der Verein muss jetzt schauen, wie es ohne Doug Mason weiter geht. Wenn Mannheim wirklich eine Spitzenmannschaft ist, dann war es wohl meine Schuld. Wenn alles so bleibt wie es ist, war es die Schuld von jemand anderem. Einfacher kann es nicht sein.

Sport1.de: Sie kündigten auch an, die Eisbären an der Spitze angreifen zu wollen. Waren dadurch die Erwartungen zu hoch gesetzt?

Mason: Ja. Mit einer neuen Mannschaft und einem neuen Trainer ist das immer gefährlich. Das Ganze muss erst zusammen wachsen, bevor die Erwartungen in die Höhe schießen. Niemand weiß, ob es passt oder nicht. Mit zehn neuen Spielern kann keiner sagen, ob man auch tatsächlich Erfolg hat. Man kann auch nicht sagen, wir greifen den Titel an. Das ist schwierig. Man muss wohl noch mehr abwarten.

Sport1.de: Wie war die Kommunikation zwischen Ihnen und den Klubverantwortlichen? Wie lief die Trennung ab?

Mason: Das ging alles ganz schnell. Sie sagten: "Unsere Wege trennen sich", das wars.

Sport1.de: Das Team hat zuletzt acht von neun Spielen verloren. Wie haben Sie versucht, die Spieler während dieser schwierigen Phase zu motivieren?

Mason: Die Motivation war immer da. Ich habe auf viele Arten versucht, das Team zu motivieren und die Mannschaft hat darauf auch immer gut reagiert. Sie ging immer sehr motiviert aufs Eis.

Sport1.de: Woran lag es dann, dass die Mannschaft diese Motivation nicht in Siege ummünzen konnte?

Mason: Die Mannschaft konnte es umsetzen. Es ist eine Mannschaft wie etwa neun andere. Die sind alle auf demselben Niveau. Im Sport ist Timing alles. Es kommt drauf an, ob man in einem Hoch oder einem Tief steckt. Manchmal gewinnt man fünfmal in Folge, manchmal verliert man fünfmal in Folge. Vor einem Monat war Frankfurt auf dem ersten Tabellenplatz. Und jetzt sind sie unten drin. Es kommt auf die Form an.

Sport1.de: Sie waren ja nicht der einzige Coach, der sich in Mannheim schwer tat. Seit 2004 beschäftigte der Klub fünf verschiedene Trainer. Ist Mannheim für Teamleiter generell ein schwieriges Pflaster?

Mason: Das fragen Sie besser Marcus Kuhl (Mannheims Manager, Anm. d. Red.).

Sport1.de: Herr Kuhl meinte rückblickend, er hätte sich auch in Ihnen getäuscht. Wie meint er das, was glauben sie?

Mason: Marcus Kuhl hat die Mannschaft verpflichtet, das vergessen alle. Er hat mich auch enttäuscht. Es geht nicht nur um den Trainer. Wenn da fünf Trainer in sechs Jahren sind, liegt die Schuld nicht nur bei Doug Mason. Trotzdem, ich habe die Zeit hier genossen und war stolz, hier Trainer zu sein.

Sport1.de: Sie waren ja zuvor auch schon bei Köln erfolgreich?

Mason: ?sehr erfolgreich!

Sport1.de: Haben Sie bei Mannheim ähnlich gearbeitet wie bei den Haien?

Mason: Ja. Sehr intensiv, mit fast demselben System. Auch in meinen ersten Jahren in Köln hatten wir ein Tief. Wir haben das letzte Spiel im Februar gewonnen und danach ging es wieder aufwärts. Wir wurden Fünfter und kamen ins Halbfinale. Es gibt immer Höhen und Tiefen, aber ein Trainer braucht Zeit. In Köln habe ich diese Zeit bekommen, und dann hat man auch die Chance erfolgreich zu sein.

Sport1.de: Haben Sie schon neue Angebote von Klubs?

Mason: Nein, noch nicht. Ich weiß auch noch nicht, ob ich in Deutschland einen Klub übernehme oder im Ausland. Ich warte ab und finde wieder Arbeit, davon bin ich überzeugt. Ein Engagement in Schweden würde mir sehr viel Spaß machen. Das war schon immer mein Traum.

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