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Haie-Ehrenpräsident Bernd Schäfer III (M.) an seinem 70. Geburtstag © imago

Der ehemalige Liga-Boss revolutionierte die deutschen Eishockey-Ligen. Am Donnerstag starb er im Alter von 72 Jahren.

Köln - Das deutsche Eishockey trauert um Bernd Schäfer III, eine seiner umstrittensten Persönlichkeiten.

Der Kölner Rechtsanwalt, der die Deutsche Eishockey Liga (DEL) 1994 mitgründete, starb am Donnerstag nach langer Krankheit im Alter von 72 Jahren.

"Er hat das deutsche Eishockey professionalisiert. Ohne ihn würde es die Liga in dieser Form nicht geben", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke, der Schäfer III im Frühjahr 2000 als Liga-Boss gefolgt war.

Extrem polarisierend

Schäfer III, der zu den Gründungsmitgliedern der Kölner Haie 1972 gehörte, sorgte für viele Schlagzeilen. Als Aufsichtsrat der neu gegründeten DEL probte er bereits nach einem Jahr mit der Nationalen Eishockey-Liga (NEL) den Aufstand.

Die Abspaltung wurde in letzter Minute verhindert, doch der Streit mit dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) ging jahrelang weiter.

"Er war extrem polarisierend und hat dem deutschen Eishockey erhebliche Einschnitte gebracht", sagte DEB-Sportdirektor Franz Reindl, der viele Auseinandersetzungen mit Schäfer III führte, rückblickend.

DEL-Öffnung nach Bosman-Urteil

Der Kölner übernahm 1996 als Generalbevollmächtigter mit einem millionenschweren TV-Vertrag mit dem Medienriesen Leo Kirch endgültig das Kommando in der DEL und setzte die Loslösung vom Verband durch.

Nach dem Bosman-Urteil öffnete er die DEL ohne jegliche Beschränkung für ausländische Spieler. "Das war der tiefste Einschnitt im deutschen Eishockey, an den Folgen dieser Entscheidung arbeiten wir noch heute", sagte Reindl.

Alleingänge sorgen für Widerstand

Im April 2000 zog sich Schäfer III auf Druck des DEL-Aufsichtsrats zurück. Er hatte mit seinen Alleingängen viele ehemalige Mitstreiter verprellt.

Vor allem mit seinem Modell einer DEL I und II, einer ersten und zweiten Profiliga losgelöst vom DEB, stieß er auf starken Widerstand.

Sein Vertrag wurde nicht verlängert. Tripcke, bislang Ligenleiter, wurde sein Nachfolger.

Ehrenpräsident bei den Haien

Seinen Heimatklub Köln hatte Schäfer III 1994 vor dem Konkurs gerettet. Er übernahm als Interimspräsident den völlig überschuldeten Verein, sanierte ihn und stellte den Kontakt zu Heinz Hermann Göttsch her, der als Mäzen über 30 Millionen Euro in den Klub pumpte.

"Er war eine prägende und starke Persönlichkeit im deutschen Eishockey", sagte Haie-Geschäftsführer Thomas Eichin: "Er hat den Eishockeystandort Köln durch seine Arbeit entscheidend vorangetrieben."

Beim achtmaligen Meister aus Köln war Schäfer III zuletzt Ehrenpräsident.

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