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Joseph "Peppi" Heiß begann seine Karriere beim bayrischen Traditionsklub SC Riessersee © imago

Im Sport1.de-Interview spricht die Goalie-Legende Jospeh "Peppi" Heiß über die drohende finanzielle Pleite bei den Kölner Haien.

Von Julian Ignatowitsch

München - Joseph "Peppi" Heiß ist eine Legende des deutschen Eishockeys. Seine Karriere begann der 42-Jährige beim SC Riessersee, für den er sechs Jahre lang spielte. 1989 wechselte der gebürtige Partenkirchener zum Traditionsklub Kölner Haie, mit denen er 1995 die deutsche Meisterschaft feierte.

Als Zeichen für die Anerkennung seiner Leistungen wird bei den Haien die Rückennummer eins nicht mehr vergeben.

Heiß absolvierte für die deutsche Nationalmannschaft 140 Spiele und stand während neun Weltmeisterschaften und drei Olympischen Spielen im Tor der DEB-Ausahl.

Seit der Saison 09/10 ist Heiß beim EHC München Co-Trainer von Pat Cortina.

Im Sport1.de-Interview spricht die Torwart-Legende über die drohende Insolvenz bei seinem Ex-Verein Kölner Haie, seine Arbeit beim EHC München und die Pleite der deutschen Nationalmannschaft in Vancouver.

Sport1.de: Herr Heiß, den Kölner Haien droht die Insolvenz. Sie haben selbst lange in Köln gespielt. Wie beurteilen Sie die Situation?

Peppi Heiß: Die Haie hatten ja bereits letzten Sommer finanzielle Probleme. Damals hat man gedacht, mit den neuen Gesellschaftern sei alles gelöst. Aber jetzt fehlen plötzlich wieder 500.000 Euro, bis zum Saisonende könnten es sogar 1,5 Millionen Euro sein. Das kann man natürlich nicht einfach mal so auffangen. Die Lage ist sehr schwierig.

Sport1.de: Wo liegen die Ursachen? Was wurde in Köln falsch gemacht?

Heiß: Ich kann natürlich nur als Außenstehender sprechen, da ich trotz meiner langen aktiven Zeit in Köln, nicht mehr so viel Kontakt zum Verein und den Spielern habe. In Köln hat man einen riesigen Kostenapparat - die Arena, die Trainingshalle, die Geschäftsstelle, das Team. Sie wollten der FC Bayern des Eishockeys werden. Aber dazu muss zu allererst die Leistung auf dem Eis stimmen - und das ist derzeit nicht der Fall. Über die Jahre ist das aus meiner Sicht alles zu viel geworden.

Sport1.de: Hat man sich zu viel vorgenommen? Vielleicht sogar übernommen?

Heiß: Es sieht danach aus. Es hieß, der KEC benötigt einen Schnitt von 12.000 Zuschauern, um finanziell bei Null rauszukommen. Soviel musst du erstmal jedes Jahr kriegen. Der ganze Apparat in Köln hat gigantische Maßstäbe angenommen - vielleicht zu gigantisch.

Sport1.de: Ist das überhaupt noch der Verein, den Sie aus ihrer aktiven Zeit kennen? Können Sie sich noch mit den Haien identifizieren?

Heiß: Ich muss Ihnen recht geben, es hat sich viel verändert. Mein Herz hängt immer noch an dem Klub, aber die Distanz ist über die Jahre hinweg sicherlich größer geworden. Ich kenne nur noch wenige Spieler, habe fast keinen Kontakt mehr nach Köln. Und beim EHC München habe ich eine neue Aufgabe gefunden, die mich komplett vereinnahmt.

Sport1.de: Glauben Sie man kann das Finanzloch in Köln noch stopfen?

Heiß: Können ja, ich hoffe es auch. Sie werden eine Lösung finden. Das Potenzial ist da. Falls nicht wäre es ein Riesenschlag für Köln, die Region und das gesamte deutsche Eishockey.

Sport1.de: Sie arbeiten als Co-Trainer beim EHC München. Der Klub steht derzeit an der Spitze der 2. Bundesliga. Ist München bald auch im Eishockey wieder erstklassig vertreten?

Heiß: Die Chancen stehen gut. Wir wollen Meister werden und wenn uns das gelingt wäre die Vereinsführung wohl auch bereit, das Abenteuer DEL einzugehen. Der EHC ist ein Traditionsklub und wäre eine Bereicherung für die DEL. Zuerst einmal müssen wir aber die sportliche Qualifikation schaffen - alles andere kommt danach.

Sport1.de: Die deutsche Nationalmannschaft hat bei den Olympischen Spielen enttäuscht. Wie bewerten Sie als 140facher Nationalspieler die Leistung?

Heiß: Sicherlich sind die Ergebnisse eine Enttäuschung. Die Situation bei einem so großen Turnier ist aber nie leicht - und diesmal, da die Besten der Besten mitspielten, war sie es erst recht nicht. Selbst wenn man gegen Weißrussland gewonnen hätte, wäre es sehr schwer geworden weiterzukommen. Für mich liegt das Problem bei der Jugendarbeit und den Strukturen in der DEL. Die Schweiz ist da ein gutes Beispiel. Wir müssen unsere jungen Spieler besser fördern und ihnen Spielpraxis in der Liga zusichern - dafür brauchen wir eine Ausländerregel, wie sie auch Nationaltrainer Uwe Krupp fordert.

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