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Immer weniger Fans der Nürnberger Ice Tigers kommen zu den Heimspielen des Klubs © getty

Alarm bei den DEL-Klubs: Die Zuschauerzahlen brechen massiv ein. Die Krise ist vor allem für die Nürnberg Ice Tigers existenziell.

Von Christian Paschwitz

München - Im Sport1.de-Interview hatte sich Vereins-Geschäftsführer Norbert Schumacher vor wenigen Tagen noch angestrengt, das Gesagte zu entkräften.

Die via "Bild" hinsichtlich der miesen Zuschauer-Zahlen bei den Sinupret Ice Tigers in Nürnberg kolportierten Ausstiegs-Drohungen von Klub-Besitzer Günther Hertel ("Wenn da nicht mindestens 5000 Besucher kommen, ist halt in Nürnberg kein Interesse für Eishockey da. Man muss nichts aufrechterhalten, was keiner sehen will") suchte Schumacher zu zerstreuen:

"Wir können nicht zufrieden sein. Aber wir bewahren Ruhe und das Saisonziel werden wir erreichen", erklärte Schumacher.

Gewissermaßen sprach der Geschäftsführer damit wohl auch für die Konkurrenz in der DEL. Zumindest was die gegenwärtige Gefühlslage betrifft. Denn vielerorts herrscht genauso Krisenstimmung.

Droht ein Flächenbrand?

Offenbar droht gar ein Flächenbrand der besonderen Art. Konkret: Die nahezu überall in der Liga hinter den Erwartungen zurückbleibenden Zuschauer-Zahlen lassen die "Alarmglocken schrillen", wie "Eishockey News" berichtet. Die Eixstenzen der Klubs sind bedroht.

Das Gros der 16 Liga-Klubs erlebt einen besorgniserregenden Zuschauer-Schwund. Neunmal verirrten sich im September weniger Besucher in die Hallen und Arenen als vor Jahresfrist, sogar zwölfmal weniger als zum gleichen Zeitpunkt vor zwei Jahren.

Die aktuellen Krisenherde betreffen neben Nürnberg (Kalkulation: 5300; Vorjahr: 4297; tatsächlicher Schnitt: 3444) vor allem die Freezers Hamburg (9500; 7823; 7320), den ERC Ingolstadt (3700; 3344; 2916), die DEG Metro Stars (7000; 6869; 6118) und die Straubing Tigers (3900; 5011; 3125).

Scorpions trifft es doppelt hart

Doppelt bitteres Beispiel für die roten Zahlen der Klubs sind die Hannover Scorpions (5000; 4640; 5561): Kürzlich gegen Straubing hatte das Team von Hans Zach mit 3624 Zuschauern sogar weniger Resonanz als die zeitgleich in der Oberliga spielende Lokal-Konkurrenz der Indians im Duell mit Leipzig (3711).

Die Gründe für die Massenflucht in der DEL sind zahlreich und dennoch schwer zu gewichten. "Viele Fans fühlen sich von der DEL verschaukelt, dauernd wird am Modus gebastelt. Es gibt einfach zu viele Vorrundenspiele", sagt etwa Sven Trautner. Interessant werde es erst ab Januar, wenn es um die Platzierungen geht.

Ebenso gravierend für den Fan-Beauftragten der Nürnberger Ice Tigers: Mangelnder Hallen-Komfort, fehlende Medien-Präsenz.

"Zu viele langweilige Spiele"

Elmar Schmellenkamp ("Zu viele langweilige Spiele") sieht's ähnlich und befürchtet das Schlimme: "Mit den derzeitigen Strukturen, Modi und Regelungen hat Eishockey in zehn Jahren keinen nennenswerten Stellenwert mehr", meint der Geschäftsführer der DEG Metro Stars.

Außerdem: "Von den Fans werden die schlechte Erreichbarkeit und Parksituation sowie zu hohe Kosten für Tickets und Catering genannt."

Der DEG-Macher muss mehr wissen, wenn er sagt: "Die Wahrheit, die niemand hören will, ist: 'Die großen Hallen, die uns ein modernes Image gegen sollen, werden mit den derzeitigen Zuschauerzahlen auf Dauer nicht zu finanzieren sein." Und damit ist letztlich auch das Überleben der Klubs in der DEL gefährdet.

"Konstanter Modus wäre Anfang"

Die Statements kommen daher wie eine Mischung aus Abgesang auf die schnellste Team-Sportart der Welt und deren mögliche Rettungsansätze. "Die DEL sollte einfach mehr auf die Belange der zahlenden Kundschaft eingehen", so Trautner. "Ein konstanter Modus wäre ein Anfang."

In Nürnberg verbreitet Geschäftsführer Schumacher derweil Zweckoptimismus und meint zu den von Alleingesellschafter Hertel bereits des öfteren formulierten Ausstiegsgedanken: "Das ist überhaupt kein Thema. Das könnten wir auch gar nicht so einfach machen. Da müsste auch die DEL mitspielen."

Doch was außer flehenden Appellen an die Adresse von Hertel sollte die tatsächlich ausrichten können, wenn der Geldgeber den Hahn zudreht und die DEL-Lizenz bestenfalls verkauft?

Dazu ein Sponsoren-Problem

Wenig motivieren, bei der Stange zu bleiben, dürfte den Mäzen ebenso der bisher enttäuschende neunte Tabellenplatz. Nachdem Nürnberg in der vergangenen Saison nach der regulären Saison Rang-Erster war und sich für diese Spielzeit die direkte Qualifikation für die Playoffs vorgenommen hat.

Und: Erst im Januar 2008 hatte Hertel bekannt gegeben, dass der Verein nicht mehr zahlungsfähig sei, wenn nicht innerhalb der näheren Zukunft neue Sponsoren gefunden würden.

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