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Alexander Weiß kam in fünf Spielen gegen Augsburg auf zwei Assists © getty

Nach dem Viertelfinal-Aus gegen Augsburg wächst die Kritik an Berlins Coach Jackson. Augsburg will gegen Wolfsburg mehr.

Berlin - Bis nach Mitternacht betäubten die Spieler der Eisbären Berlin in der Kabine ihren Frust mit Bier.

Doch auch Alkohol konnte die schmerzende Wunde nach dem sensationellen Viertelfinal-K.o. des großen Titelfavoriten in den DEL-Playoffs gegen die Augsburger Panther nicht heilen.

"Ich fühle mich einfach nur leer", sagte der Ur-Berliner Sven Felski. Auch sein Kapitän Steve Walker konnte das Desaster nicht begreifen: "Ich bin geschockt."

Die verdiente 2:6-Heimniederlage im fünften und entscheidenden Spiel gegen die Panther stürzte den entthronten Titelverteidiger in ein Jammertal (DATENCENTER: Die Viertelfinale).

Wolfsburg empfängt Augsburg

Nachdem die Eisbären die Liga in den vergangenen fünf Jahren mit vier Meistertiteln dominiert haben, wird sich in dieser Saison in jedem Fall ein Verein erstmals in die Meisterliste eintragen.

Bereits am Freitag gastiert Eisbären-Bezwinger Augsburg zum ersten Halbfinalspiel beim Vorrunden-Zweiten EHC Wolfsburg und die Hannover Scorpions empfangen den ERC Ingolstadt (beide Spiele ab 19.30 Uhr LIVESCORES).

Hannover setzte sich im Viertelfinal-Showdown am Mittwoch gegen die Nürnberg Ice Tigers knapp mit 4:3 durch.

Doppelter Etat von Augsburg

Das frühe Aus der Berliner, die mit einem Etat von etwa 7,5 Millionen Euro mehr als doppelt so viel Geld in die Mannschaft gesteckt hatten wie Augsburg, ist eine der größten Sensationen in der Playoff-Geschichte der DEL.

Zuletzt flog zwar erst vor zwei Jahren in Rekordmeister Adler Mannheim ein amtierender Champion bereits im Viertelfinale raus, doch angesichts der Dominanz des Hauptstadt-Klubs in der Vorrunde mit Rekordpunktzahl (123) und Rekordvorsprung (25) schien der Durchmarsch reine Formsache.

"Keiner hat seine Leistung gebracht"

"Jetzt müssen alle in den Spiegel schauen, denn keiner hat seine Leistung gebracht", sagte Stürmer Stefan Ustorf und nährte die Vermutung, dass sich das Berliner Starensemble seiner Sache zu sicher war.

Dabei hätten die vier hart umkämpften Spiele zuvor gegen die tapferen Panther Warnung genug sein müssen.

Dank statt Analyse

"Es lag nicht an der Einstellung. Vielleicht hat die Chemie nicht gestimmt", sagte Trainer Don Jackson, dem die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben stand 216718 (DIASHOW: Die Meistertipps der Trainer).

Statt Gründe für die Blamage zu finden, bedankte sich der Amerikaner lieber bei Fans und Spielern. Es klang fast wie eine Abschiedsrede.

Jackson in der Kritik

Unumstritten ist Jackson in Berlin nicht mehr. Offensichtlich waren seine Spieler zum Saisonhöhepunkt nicht fit, zudem ließ der Meistertrainer der vergangenen zwei Jahre taktische Kniffe in der Krise vermissen.

Hinter vorgehaltener Hand sagt man, Jackson habe lediglich das Erbe von Pierre Page verwaltet, dessen Nachfolge er 2007 angetreten hatte.

Strategie geht nicht auf

Ob mit oder ohne Jackson - die Eisbären stehen vor einem Neuaufbau. Die in der Vergangenheit viel gelobte Strategie, auf einen Mix aus erfahrenen NHL-Recken und hungrigen Talenten zu setzen, ist dieses Mal nicht aufgegangen.

An den Routiniers wie Steve Walker oder Denis Perderson nagt der Zahn der Zeit, die Ausbildung neuer Spieler stockt gewaltig.

Trost-Email vom Besitzer

"Das Gute ist, dass ich jetzt etwas mehr Zeit habe, eine neue Mannschaft aufzubauen", sagte Manager Peter John Lee.

Das Geld dafür dürfte nicht das Problem sein: Nur Minuten nach dem Spiel schickte Eisbären-Besitzer Philip Anschutz eine tröstende Email mit einer Kampfansage für die kommende Saison.

"Reise noch nicht beendet"

Die Augsburger haben Blut geleckt und wollen nun auch für die Wolfsburger stürzen. "Wir können noch viel erreichen. Unsere Reise ist noch nicht beendet", sagte Trainer Larry Mitchell.

Von seiner Mannschaft schwärmte er: "Ich weiß, dass das halbe Team schon Verträge bei anderen Teams in der Tasche hat, aber trotzdem legen sie sich zu einhundert Prozent ins Zeug. Das ist Charakter!"

Zach dämpft Euphorie

Euphorie herrscht auch in Hannover nach dem vierten Halbfinal-Einzug in der Vereinsgeschichte.

Doch Trainer-Fuchs Hans Zach dämpfte schnell die Erwartungen. "Wir dürfen nicht so viele Fehler machen", sagte der ehemalige Bundestrainer mit Blick auf das Duell gegen Ingolstadt.

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