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Max Fedra übernahm 2005/06 den Manager-Posten von Charlie Fliegauf © SPORT1

Nach dem Überraschungscoup gegen die Eisbären spricht Panther-Manager Max Fedra bei Sport1.de über die Euphorie in Augsburg.

Von Rainer Nachtwey

München/Augsburg - Es war eine riesige Überraschung, eine echte Sensation: Liga-Primus Eisbären Berlin, mit 123 Punkten in der regulären Saison noch einen Rekord aufgestellt, scheitert im Playoff-Viertelfinale an den Augsburg Panther, dem Vorrunden-Achten.

Während in Berlin Katerstimmung herrscht, feierten die siegreichen Augsburger den ersten Halbfinal-Einzug der Klubgeschichte laut Manager Max Fedra mit "ein paar Bier" in der Hotelbar (DATENCENTER: Die Viertelfinale).

Für die Halbfinalserie gegen Wolfsburg (Fr., ab 19.30 Uhr LIVESCORES) haben sich die Augsburger viel vorgenommen. "Alles ist möglich", sagt Fedra bei Sport1.de.

Im Interview spricht der ehemalige Meistermacher der München Barons über den kommenden Gegner, die finanzielle Situation und die Begeisterung in Augsburg.

Sport1.de: Herr Fedra, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Halbfinaleinzug. Gab es denn eine kleine Feier?

Max Fedra: Es wurde ein klein wenig gefeiert. Die Jungs haben sich nach dem Essen im Stadion noch im Hotel geschlossen mit den Trainern und den Betreuern auf ein paar Bier zusammengesetzt. Sie haben sich natürlich gefreut, sind dann aber recht bald todmüde ins Bett.

Sport1.de: Mit welchen Gefühlen sind Sie nach Berlin gefahren, nachdem der erste Matchball zu Hause vergeben wurde?

Fedra: Locker wie immer, denn in den Playoffs habe ich schon alles erlebt. Ich wusste, dass die Mannschaft die Eisbären auch in Berlin besiegen kann. Alle fünf Spiele waren immer sehr, sehr eng, und am Schluss entscheidet die Tagesform.

Sport1.de: Was hat den Ausschlag für den Sieg der Panther gegeben?

Fedra: Die Mannschaft hat 100-prozentig an ihr Konzept geglaubt und Dennis Endras hat überragend gehalten. Das hat den Unterschied ausgemacht.

Sport1.de: Ist es der Zusammenhalt, der die Panther derzeit so stark macht?

Fedra: Ja, die Mannschaft ist eine geschlossene Einheit. Das hängt auch mit der erfolgreichen Qualifikation für die Pre-Playoffs zusammen. Dazu noch Krösus Mannheim rauszuwerfen. Das schweißt natürlich zusammen und bringt Selbstvertrauen.

Sport1.de: Nach dem guten Saisonstart folgte eine Schwächephase Mitte der Spielzeit. Wie haben es die Panther geschafft, wieder zu ihrer Stärke zurückzufinden?

Fedra: Wir alle, die gesamte Führung hat sich nicht verrückt machen lassen. Wir haben nicht zu Rundumschlägen ausgeholt. Wir sind es ja gewohnt, dass unsere Spieler frühzeitig durch gute Angebote anderer Vereine abgeworben werden. Hier haben wir nicht überreagiert, sondern es professionell zur Kenntnis genommen, und die Spieler haben sich dann auch wieder auf das Wesentliche konzentriert.

Sport1.de: Was haben Trainer und Mannschaft anders gemacht?

Fedra: Die Mannschaft hat taktisch sehr diszipliniert gespielt und sich auf ihre Stärke, die Schnelligkeit konzentriert. Wichtig waren auch die sechs Erfolge zum Ende der regulären Saison. Dadurch haben wir sehr viel Selbstvertrauen gewonnen und sind dann durch den Heimsieg gestärkt nach Mannheim gefahren. All das hat am Ende auch die Serie gegen die Eisbären entschieden.

Sport1.de: Sie haben die Abgänge angesprochen: Engelhardt und Murphy zu den Hamburg Freezers, Beechey wohl nach Frankfurt, Likens angeblich nach Nürnberg oder Ingolstadt. Können weitere Leistungsträger wie Darin Olver, Dennis Endras, Chris Collins und Connor James gehalten werden?

Fedra: Dennis Endras und Darin Olver sind durch Verträge an uns gebunden. Das deutsche Gerüst mit Chris Heid, Steffen Tölzer und den jungen und immer besser spielenden Verteidigern Benedikt Kohl und Florian Kettemer steht. Was die Ausländerlizenzen betrifft, müssen wir noch schauen. Wir werden versuchen, einige Spieler zu halten, aber wir werden sicherlich nicht die Existenz der Augsburger Panther für kurzfristige Effekthascherei gefährden, nur weil wir einmal eine super Saison spielen.

Sport1.de: Was bedeutet der Halbfinaleinzug für den Verein aus finanzieller Sicht?

Fedra: Das ist ein Mehr an kalkulierten Einnahmen. Dazu kommt durch die Medien eine breitere Wahrnehmung in der Bevölkerung. Gegen die Eisbären waren 18 Journalisten von sämtlichen Tageszeitungen und Boulevardzeitungen aus Berlin akkreditiert, da waren wir schon fast überfordert. Mit dem medialen Interesse hat man bei der Sponsorensuche mehr Argumente. Diese positive Stimmung wollen wir in die Gespräche mitnehmen. Unser größter Sponsor sind ja die Dauerkartenbesitzer, die immer frühzeitig die Karte kaufen, damit wir einigermaßen über den Sommer kommen. Aufgrund dieser Euphorie hoffe ich jetzt, dass viele zu uns kommen.

Sport1.de: Die Begeisterung rund um Augsburg dürfte jetzt enorm sein.

Fedra: Das zu erleben, nicht nur Pre-Playoffs spielen zu dürfen oder auch mehrmals ein Viertelfinale, sondern jetzt auch ein mal ein Halbfinale, das ist schon toll. Man sieht: Die Region ist eishockeybegeistert.

Sport1.de: Keine Eisbären Berlin, keine Adler Mannheim, keine Kölner Haie, keine DEG in den Halbfinals. Macht der Überraschungseffekt die Liga interessanter?

Fedra: Überraschungen machen etwas immer interessanter. Es ist gut, dass auch einmal andere Vereine im Fokus stehen. Aber wir haben auch eine lange Eishockey-Tradition. Man kennt über Jahre hin die DEG, Berlin, Mannheim, Köln, Frankfurt. Das sind zum Teil Klubs, die von Großkonzernen gestützt werden. Wir sind einer von wenigen Klubs, der seine Einnahmen auf konventionelle Weise, sprich Eintrittsgelder und Sponsoren, erarbeiten muss.

Sport1.de: Wie beurteilen Sie die Unterstützung durch Konzerne?

Fedra: Das ist nun mal so, und das ist auch gut so, weil das den Klubs Stabilität gibt. Aber dadurch können die Klubs auch mehr Geld ausgegeben. Ein Spieler bewegt sich nun mal von A nach B oder von A nach HH, wenn er 40, 50 Prozent mehr bekommt. Ich nehme das dem Spieler auch nicht übel, weil er nur eine begrenzte Zeit spielen kann. Und bei einem Eishockeyspieler, wenn er nicht ganz geschickt ist und sich ein zweites Standbein aufbaut, ist es ja nicht so wie bei einem Fußballer in der Bundesliga, der bei vernünftiger Lebensweise ausgesorgt hat.

Sport1.de: Zurück zu den Halbfinals: Nun geht es gegen Wolfsburg. Was erwarten Sie gegen Wolfsburg? Drei der vier Spiele wurden in der regulären Saison verloren.

Fedra: Das ist vorbei. Wolfsburg ist eine sehr starke Mannschaft, das hat sie bewiesen. Sie haben einen überragenden Sturm und ein sehr gutes Powerplay. Letzte Saison haben wir in den Pre-Playoffs knapp verloren. Die Wolfsburger Mannschaft von damals ist nicht stark verändert worden. Die beiden Mannschaften kennen sich ganz genau. Es wird auch auf die Verletzungen hüben und drüben ankommen. Das wird eine sehr, sehr enge Serie.

Sport1.de: Was wird den Ausschlag in der Serie geben? Ist die Euphorie Ihr Plus?

Fedra: Wolfsburg schwebt auch auf einer Erfolgswelle. Platz drei in der Regular Season, das klare 3:0 über die DEG. Aber ich glaube, dass Stadt und Region um Wolfsburg nicht so elektrisiert sind wie Augsburg, wo man eben so lange gewartet hat, mal ein Halbfinale zu erleben. Es wird auf die mentale Stärke ankommen, und vor Verletzungen verschont bleibt. In dem Zwei-Tages-Rhythmus kann man keine Verletzung auskurieren 216718(DIASHOW: Die Meistertipps der Trainer).

Sport1.de: Was ist mit der Mannschaft drin?

Fedra: Unsere Mannschaft will jetzt noch mehr. Man liest ja überall: Es war die absolute Sensation. Mit dieser Sensationswelle und Begeisterung der Region, nach 17 Jahren wieder einmal ein ausverkauftes Haus zu erleben, dieses Playoff-Flair zu spüren, dieses Wir-Gefühl - in dieser ganzen Atmosphäre wird die Mannschaft von einer Begeisterung getragen.

Sport1.de: Glauben Sie an den Titel?

Fedra: Ja sicher, wenn ich in den Playoffs bin, glaube ich immer an alles. Alles ist möglich, sowohl hüben wie drüben. Aber ich bin auch nicht zu traurig, wenn wir ausscheiden. Dann waren halt die anderen besser oder glücklicher. Das muss ich dann halt anerkennen.

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