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Trainer Larry Mitchell (l.) und Co-Trainer Duanne Moeser bejubeln den Final-Einzug © imago

Mit einem Etat von 3,3 Mio. Euro hat Augsburg nicht einmal halb so viel Geld zur Verfügung wie Mannheim oder Berlin.

Augsburg/München - Das "Armenhaus der Liga" greift nach dem Titel:

Der sensationelle Finaleinzug der Augsburger Panther überrascht Experten, Konkurrenten und Fans gleichermaßen.

Der Klub mit dem kleinsten Etat ist der Gegenentwurf zu den modernen Großklubs mit ihren High-Tech-Arenen und das beste Beispiel dafür, dass Erfolg nicht nur mit Geld möglich ist.

Vielleicht fliegen gerade deshalb den Panthern vor dem Auftakt der "best-of-five"-Serie am Dienstag (ab 19.30 Uhr LIVESCORES) bei den Hannover Scorpions viele Sympathien entgegen. (DATENCENTER: Das Halbfinale)

"Reiten auf Euphoriewelle"

"Wir reiten auf einer Welle der Euphorie", sagt Trainer Larry Mitchell und macht den Fans Hoffnungen auf den ganz großen Wurf:

"Wir haben zwar viele Spiele in den Playoffs absolviert, aber die Jungs werden alles geben, damit wir den Titel nach Augsburg holen können."

Der akribische Trainer-Fuchs hat großen Anteil am Höhenflug. (Augsburgs Manager Max Fedra im SPORT1.de-Interview)

Allein im vergangenen Jahr fuhr Mitchell 7000 Kilometer mit einem Leihwagen quer durch Nordamerika, um nach kostengünstigen Verstärkungen Ausschau zu halten.

Mentalitätswechsel durch Mitchell

Zudem sorgte der Deutsch-Kanadier seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren für einen Mentalitätswechsel: "Die Maxime war hier immer: Der vorletzte Platz ist schon ein Erfolg. Diese Einstellung wollte ich ändern."

Dennoch ist der erste Finaleinzug in der Geschichte des 1878 gegründeten Vereins ein kleines sportliches Wunder.

Mit einem Etat von 3,3 Millionen Euro haben die Bayern nicht einmal halb so viel Geld zur Verfügung wie Rekordmeister Adler Mannheim oder der entthronte Titelverteidiger Eisbären Berlin, die beide in den ersten Playoff-Runden den Panthern zum Opfer fielen.

Team bricht auseinander

Aufgrund der geringen Gehälter wird das Team nach der Saison auseinanderfallen.

Sieben Leistungsträger - darunter Playoff-Topscorer Tyler Beechey (zu den Frankfurt Lions) haben bereits bei anderen Vereinen neue Verträge unterschrieben - "für viel mehr Geld", wie Mitchell betont.

Doch wo andernorts in solchen Fällen oft die Bereitschaft sinkt, für den aktuellen Klub die Knochen hinzuhalten, ist Augsburgs größte Stärke der Teamgeist.

Krupp lobt Augsburg

"Die Spieler wollen gemeinsam noch etwas reißen. Jeder will als Meister zu seinem neuen Verein gehen", sagt Mitchell.

Daneben erfüllen die Panther zwei weitere Voraussetzungen für einen Playoff-Siegeszug: Torhüter Dennis Endras, der als einer der wenigen Leistungsträger dem Klub wohl treu bleibt, ist in herausragender Form und die Spezialteams sind erfolgreich.

"Wenn diese Parameter stimmen, dann sind Überraschungen wie die von Augsburg immer möglich", sagt Bundestrainer Uwe Krupp.

Kult-Stadion als Erfolgsgarant

Eine nicht unwesentliche Rolle spielt auch das altehrwürdige Curt-Frenzel-Stadion.

Die 1936 erbaute Spielstätte ist das letzte offene Stadion der DEL und wird in der Szene oft abschätzig "Augsburger Puppenkiste" oder "Bombentrichter" genannt.

Die Eisfläche ist Temperaturschwankungen ausgesetzt, der Wind pfeift hindurch, die Sonne steht oft tief - so etwas nervt vor allem die Auswärtsmannschaft.

Auch Augsburg kann sich der Moderne nicht verschließen. Bis 2012 soll das Stadion modernisiert und mit einer Kunststoffwand umhüllt werden.

Der Baubeginn war eigentlich für Mitte April terminiert. Auch die Bauherren haben die Panther also unterschätzt.

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