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Rainer Köttstorfer (2. v. l.) wechselte 2007 von Krefeld zu den Hannover Scorpions © getty

Vor dem Finalspiel gegen Augsburg spricht Hannovers Rainer Köttstorfer im SPORT1-Interview über den Gegner und Trainer Zach.

Von Marwan El Eid

München - Seit seinem Wechsel von Krefeld nach Hannover 2007/2008 stand Rainer Köttstorfer jedes Jahr mit den Scorpions in den Playoffs.

Die Meisterschaft fehlt dem 28-Jährigen allerdings bislang noch in seinem Lebenslauf.

Das soll sich nach der am Dienstag (ab 19.30 Uhr LIVESCORES) beginnenden Finalserie gegen das Überraschungsteam aus Augsburg ändern.

Im Interview mit SPORT1 spricht der Verteidiger über den Gegner, die Harmonie im Team, den Einfluss von Trainer Hans Zach - und warum die Vulkanwolke ihn nicht stört (DATENCENTER: Das Halbfinale).

SPORT1: Herr Köttstorfer, am Dienstag geht die Finalserie gegen Augsburg los. Nach der Hauptrunde war diese Paarung nicht unbedingt vorherzusagen. Wie überrascht sind Sie selbst?

Köttstorfer: Natürlich ist die Paarung etwas außergewöhnlich, weil andere Mannschaften als Favoriten in das Jahr gestartet sind. Aber so sind halt die Playoffs. Es ist einfach eine neue Saison, und wer zu diesem Zeitpunkt die beste Form hat, der kommt dann weiter.

SPORT1: Allerdings sind Sie gegen den Underdog aus Augsburg der Favorit. Wie gehen Sie mit dieser Rolle um?

Köttstorfer: Wir brauchen uns gar nicht als Favorit zu sehen. Wer Mannheim, Berlin und Wolfsburg rausschmeißt, der muss ein starkes Team sein. Wir sehen uns auf Augenhöhe. Augsburg hatte aufgrund des kleinen Kaders ein paar Schwächephasen, haben aber sonst eine starke Saison gespielt.

SPORT1: Augsburg hat auch wegen der Pre-Playoffs drei Spiele (11) mehr absolviert als Hannover (8). Kann der Kräfteverschleiß am Ende den Ausschlag geben?

Köttstorfer: Das glaube ich nicht. Das sind nur drei Spiele, die werden nach einer so langen Saison nicht den großen Unterschied machen.

SPORT1: Viele nennen das halboffene Curt-Frenzel-Stadion als Vorteil für die Panther, da die Gästeteams mit den ungewohnten Bedingungen dort nicht zurechtkommen.

Köttstorfer: Ich spiele eigentlich immer sehr gerne in Augsburg. Ich habe aber noch nie mehr oder weniger im Sommer dort gespielt. Deswegen müssen wir sehen, wie die Eisverhältnisse zu dieser Jahreszeit sind. Allerdings denke ich, dass weniger das halboffene Stadion ein Vorteil sein kann, als eher die Fans, die fanatisch hinter ihrer Mannschaft stehen und sie lautstark unterstützen. Deswegen wird es in Augsburg eine ganz enge Kiste werden.

SPORT1: Wen fürchten Sie denn unter den Augsburger Spielern am meisten?

Köttstorfer: Da muss man sich einfach nur die Scorerliste anschauen, wer da weit vorne steht. Das sind natürlich Beechey, James, Collins und Engelhardt, die ein Spiel entscheiden können. Auf solche Leute muss man aufpassen, allerdings sind insgesamt die ersten drei Reihen ausgeglichen und auch die vierte kann Tore schießen. Deshalb müssen wir bei jedem Wechsel 100 Prozent geben und dürfen uns da nicht ausruhen.

SPORT1: Sie stehen zum 3. Mal in Folge seit ihrem Wechsel mit den Scorpions in den Playoffs. 2007/2008 kam das Aus in den Pre-Playoffs. 2008/2009 nach dem 2. Platz in der Vorrunde war im Halbfinale Endstation. Warum läuft es dieses Jahr besser?

Köttstorfer: Das ist eine gute Frage. Letzte Jahr sind wir ja sehr unglücklich im Halbfinale rausgeflogen. Es läuft dieses Jahr einfach, die Chemie in der Mannschaft stimmt, jeder gibt für den anderen alles. Das schweißt natürlich zusammen. Und wenn man auf einer Euphoriewelle reitet, fallen die Siege natürlich leichter.

SPORT1: Ihr Trainer Hans Zach meinte ja auch, Sie und ihre Kollegen würden derzeit wie Roboter spielen. Woher nehmen Sie diese mentale Stärke?

Köttstorfer: Wir sind in einer Situation, wofür ein Eishockeyspieler das ganze Jahr hinarbeitet. Ich glaube nicht, dass wir uns da noch ein Mal mehr konzentrieren oder motivieren müssen. Wir wissen, dass wir in unserem Fall maximal 15 Spiele haben und dann könnten wir die Trophäe in den Händen halten. Das ist Motivation genug. Das haben wir im Blut als Eishockeyspieler.

SPORT1: Bleiben wir kurz bei ihrem Trainer, Hans Zach, der nach der Saison in Hannover aufhört. Hat er von Ihnen den Titel als Abschiedsgeschenk gefordert?

Köttstorfer: Also gefordert hat er nichts. Ich denke jeder Spieler will jedes Jahr Meister werden. Wenn es so kommen würde, wäre das natürlich ein schöner Abgang für ihn.

SPORT1: Was zeichnet Ihn denn außer seiner Erfahrung sonst noch aus?

Köttstorfer: Er ist ein Trainer, der den Druck von der Mannschaft nimmt und uns in der Kabine immer stark redet. Gerade in solchen Situationen findet er immer die richtigen Worte.

SPORT1: Für Sie selbst wäre die Meisterschaft wohl der größte Erfolg Ihrer Karriere?

Köttstorfer: Ja, natürlich. So eine Meisterschaft wäre schon eine Sache, die ich gerne in meinem Lebenslauf stehen hätte.

SPORT1: Wie geht es denn nach der Saison bei Ihnen weiter? Welche Ziele haben Sie noch? Stichwort Nationalmannschaft?

Köttstorfer: Natürlich möchte man bei der Heim-WM dabei sein, aber das entscheidet nur der Bundestrainer, da wird ihm keiner rein reden.

SPORT1: Wie sehen Sie Ihre Chancen?

Köttstorfer: Keine Ahnung. Der Kader ist ja schon sehr groß und es sind schon viele wichtige Spieler dabei, die sich jetzt zusammen vorbereiten. Wenn da die Harmonie stimmt, wird der Trainer sicher keine großen Änderungen machen.

SPORT1: Eine Wolke aus Vulkanasche legt zurzeit den Flugverkehr in Europa lahm. Wie reist die Mannschaft zum Auswärtsspiel nach Augsburg an?

Köttstorfer: Da gab es keine Planänderung. Wir reisen das ganze Jahr mit dem Zug.

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