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Goalie Stephen Ritter kam 2009 von der University of Wisconsin zu den Huskies © imago

Nach dem Entzug der Lizenz erhebt Kassel Vorwürfe gegen die DEL um Geschäftsführer Tripcke. Der Huskies-Boss spricht von einem Skandal.

Kassel/Frankfurt - Dem deutschen Eishockey droht nur wenige Wochen nach der erfolgreichen Heim-WM eine juristische Schlammschlacht.

Nach der Lizenzverweigerung durch die Deutschen Eishockey Liga kündigten die finanziell angeschlagenen Kassel Huskies am Donnerstag an, vor das DEL-Schiedsgericht zu ziehen.

Auch die ebenfalls vom Entzug der Spielerlaubnis betroffenen Frankfurt Lions liebäugelten mit diesem Schritt.

In Kassel löste die per Post zugestellte Horror-Botschaft Unverständnis und Wut aus. "Leute, die in der DEL das Sagen haben, betrachten ihre Liga als rechtsfreien Raum. Sie werden lernen müssen, dass dies nicht so ist. Wir haben vor Gericht alles gegen die DEL gewonnen. Das wird auch diesmal so sein", sagte Huskies-Boss Fritz Westhelle (Alle Eishockey-News).

Vorwürfe gegen DEL

Zudem erheben die Huskies Vorwürfe gegen DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke und den stellvertretenden Vorsitzenden Wilfrid Fabel.

Westhelle wirft dem Duo vor, Teile der Kasseler Lizenzunterlagen wie Bilanzen und Preiskalkulationen unerlaubterweise an andere Klubs weitergegeben zu haben.

"Wir haben den Verdacht, dass der DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke und der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der DEL Wilfried Fabel für diese unzulässige Weitergabe von vertraulichen Geschäftsunterlagen verantwortlich sind. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wäre das ein Skandal. Heute haben wir deshalb bei der Staatsanwaltschaft Köln Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet", teilte der Klub in einer Mitteilung mit.

Landgericht hebt Beschluss auf

Gründe für die Lizenzverweigerung sollen nach Angaben der Schlittenhunde das laufende Insolvenzverfahren sowie die fehlende Liquidität des nordhessischen Klubs sein.

Ende Mai hatte das von den Huskies angerufene Landgericht Köln in einem Eilverfahren den am Tag zuvor getroffenen Gesellschafterbeschluss aufgehoben. Der Klub durfte deshalb bis auf weiteres nicht aus der DEL ausgeschlossen werden.

Die DEL will im Rahmen ihrer Gesellschafterversammlung am Freitag in Köln detaillierte Begründungen für ihre Entscheidungen liefern.

"Das machen wir nicht mit"

Die Frankfurt Lions, denen ebenfalls am Mittwochabend mit sofortiger Wirkung die Lizenz entzogen worden war, berieten am Donnerstag über die nächsten Schritte.

"Wir haben noch die Möglichkeit, vor das Schiedsgericht zu ziehen. Aber unter den derzeitigen Umständen müssen wir uns das gut überlegen", sagte Lions-Boss Siggi Schneider der "Bild-Zeitung": "Wir haben alles getan, sogar noch einmal eine siebenstellige Summe als Bürgschaft durch die Gesellschafter aufgebracht. Jetzt sollten wir weitere 600.000 Euro bar auf den Tisch legen. Das machen wir nicht."

Zusagen der Stadt reichen nicht

In der vergangenen Woche hatten die "Löwen" kurz vor Ablauf der Frist noch Unterlagen nachgereicht, die die Erteilung der Spielerlaubnis garantieren sollten. Doch die Zusagen der Stadt Frankfurt, unbezahlte Rechnungen für die Nutzung der Eissporthalle in den nächsten zehn Jahren zu begleichen, reichten dem Liga-Verband offensichtlich nicht aus.

Der deutsche Meister von 2004 hatte in seiner Bilanz zuletzt einen Fehlbetrag in Höhe von 3,4 Millionen Euro ausgewiesen. Auch der Plan, die Einnahmen aus einer anvisierten Vergabe des Namenrechts für die Eissporthalle zwischen der Stadt und den Lions aufzuteilen und den Profis Gehaltseinbußen in Höhe von 20 Prozent zu verordnen, hatte keinen Erfolg.

Am 28. Mai hatten die Lions beim Frankfurter Amtsgericht ihre drohende Zahlungsunfähigkeit angemeldet.

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