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Die Hannover Scorpions gewannen das DEL-Finale 2010 gegen die Augsburg Panther © getty

Die DEL plant noch mit dem in der Existenz gefährdeten Meister. Dem abgesprungenen Eigentümer droht die Liga Ärger an.

Köln/Hannover - Der Pleitegeier kreist weiter über der DEL. Nach den Turbulenzen um die Kölner Haie, die Frankfurt Lions und die Kassel Huskies wackelt wenige Wochen vor Saisonbeginn nun sogar der Deutsche Meister Hannover Scorpions.

Dennoch plant die Liga für die kommende Saison weiterhin mit 15 Mannschaften.

"Ich bastele derzeit am Spielplan für die nächste Saison.Dabei gehe ich wie bisher von 15 Teams aus. Die müssen erst einmal in Hannover ihre Angelegenheiten klären", sagte der für den Spielbetrieb zuständige Jörg von Ameln.

Und das hat Scorpions-Geschäftsführer Marco Stichnoth auch vor: "Wir müssen sehen, was in den nächsten zwei Tagen passiert. Dann muss eine Entscheidung fallen."

Tripke hofft noch

"Die Situation ist mehr als dramatisch", sagte Stichnoth, der sich nach dem Absprung von Eigentümer Günter Papenburg auf die Suche nach neuen Geldgebern begeben muss. Bleibt diese erfolglos, ginge die bereits erteilte Lizenz zurück an die DEL.

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke glaubt aber noch nicht an das endgültige Aus in Hannover.

"Der Druck auf die Stadt und das Land sollen wohl noch einmal erhöht werden. Ich glaube, dass es noch nicht so endgültig ist", meinte Tripcke.

Schadensersatzklagen gegen Papenburg?

Sollte dieser Hilferuf aber ungehört bleiben und die kommende Saison ohne den amtierenden Deutschen Meister stattfinden, müsste Papenburg, der auch Besitzer und Betreiber der TUI Arena ist, allerdings mit Schadensersatzklagen rechnen.

"So sehen es die Statuten der Liga vor", sagte Tripcke in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

Erstes Opfer gibt es schon

Mit ihren Finanzproblemen reihen sich die Scorpions in eine lange Liste von Klubs ein, die in den vergangenen Monaten verzweifelt um ihre Zukunft in der DEL kämpfen mussten.

Ein erstes Opfer hat es bereits gegeben: Die Frankfurt Lions zogen sich Anfang des Monats wegen Verbindlichkeiten in Höhe von 4,4 Millionen Euro zurück, ein Insolvenzverfahren wurde eröffnet.

Neue Kratzer für das aufpolierte Image

Zuvor hatten die Kölner Haie den Kollaps gerade noch verhindert, die Kassel Huskies, die von der DEL nach der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ausgeschlossen worden waren, kämpfen vor Gericht weiterhin erbittert um ihre Spielberechtigung.

Reichlich Baustellen für die Verantwortlichen der DEL, jetzt kommt mit den Problemen der Scorpions eine neue hinzu und sorgt für weitere Negativ-Schlagzeilen rund um die Liga. Das durch die berauschende Heim-WM aufpolierte Image der Sportart hat schon wieder einige neue Kratzer abbekommen - vorsichtig formuliert.

Neue Saison ohne Titelverteidiger?

Papenburg will aus Verärgerung kein Geld mehr in Sport-Aktivitäten stecken. Hintergrund ist der seit zwei Jahren vergebliche Versuch, eine Betreibergesellschaft für die Arena zu gründen.

Momentan ist Papenburg, der pro Jahr einen siebenstelligen Betrag in den Klub steckte, alleiniger Betreiber der Halle. Zuletzt hatte er Stadt und Land immer wieder erfolglos aufgefordert, aktiv zu werden.

Der Ausgang ist offen, gut möglich, dass die DEL ohne Titelverteidiger in ihre 17. Saison startet.

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