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Toni Krinner wurde im Jahr 2009 mit Wolfsburg Pokalsieger © imago

Im Interview der Woche spricht Scorpions-Coach Toni Krinner über das Erbe von Hans Zach und das Beinahe-Aus im Sommer.

Von Martin Hoffmann

München - Toni Krinner hat sich nicht direkt den leichtesten Job der DEL ausgesucht.

Als neuer Coach der Hannover Scorpions muss sich der 43-Jährige an Hans Zach messen lassen, der Überfigur schlechthin im deutschen Eishockey - und am überraschenden Meistertitel, den Zach in seiner letzten Saison geholt hat.

Doch beinahe hätte sich Krinner an gar nichts mehr messen lassen können: Den Scorpions drohte in der Sommerpause das Aus, weil Eigentümer Günter Papenburg beinahe den Geldhahn zugedreht hätte - aus Frust, weil er seit zwei Jahren vergeblich darauf wartet, dass eine Betreibergesellschaft für die Arena gegründet wird.

Nachdem Papenburg seine Drohung, die Lizenz zurückzugeben, widerrufen hat, kann sich Krinner nun aber aufs Sportliche konzentrieren. Und zum Saisonstart am Freitag gibt es gleich einen Kracher: Er muss mit Hannover zu seinem Ex-Klub Wolfsburg (ab 20.20 Uhr LIVESCORES) (DATENCENTER: Der DEL-Spielplan).

Im Interview der Woche mit SPORT1 spricht Krinner - der wie Vorgänger Zach aus Bad Tölz stammt - über die Folgen der sommerlichen Turbulenzen, das Chaos-Image der DEL, das schwere Erbe von Hans Zach und wie er den Spielstil der Scorpions umkrempeln will.

SPORT1: Herr Krinner, ganz ehrlich: Haben sie mit Blick auf den sommerlichen Trubel Ihre Unterschrift in Hannover bereut?

Toni Krinner: Nein, zu keiner Sekunde. Ich hatte immer Vertrauen in unseren Manager und war mir sicher, dass wir das hinbekommen. Im Endeffekt ist es ja dann auch so gekommen. Aber es war eine sehr turbulente Zeit, ich bin glücklich, dass wir die jetzt hinter uns haben.

SPORT1: Glauben Sie, dass die Ereignisse des Sommers Auswirkungen auf Ihre zukünftige Arbeit in Hannover haben?

Krinner: Um wieder zu 100 Prozent professionell arbeiten zu können, ist es notwendig, dass das Thema TUI-Arena endlich über die Bühne geht. Und erst dann können sich alle wieder aufs Eishockey konzentrieren.

SPORT1: Neben Hannover haben auch Vereine wie die Kassel Huskies oder die Frankfurt Lions für negative Schlagzeilen gesorgt...

Krinner: Dazu kann ich wenig sagen, da ich keinen Einblick in die Finanzen dieser Vereine habe. Zudem hatten wir in Hannover genug zu tun, um unseren Laden zusammenzuhalten. Aber Imageschäden entstehen leider durch solche Angelegenheiten immer.

SPORT1: Kommen wir zum Sportlichen. Was sind Ihre Erwartungen für die kommende Saison?

Krinner: Unser Kader hat sich kaum verändert. Aber ein Trainerwechsel bringt viel Neues mit sich: Neue Methoden, Ideen und ein neues System. Daran arbeiten wir gerade. Die Mannschaft muss sich erst umstellen, aber wir sind absolut im Soll.

SPORT1: Ist die Titelverteidigung drin?

Krinner: Die Liga ist so ausgeglichen, da kann sich jeder für die Playoffs qualifizieren. Daher sollte die Playoff-Teilnahme erst einmal oberste Priorität haben. Und dann gehen wir die nächsten Ziele an.

SPORT1: Sie wollen offensiver spielen als Ihr Vorgänger Hans Zach. Wie lange dauert es, bis sich die Mannschaft darauf eingestellt hat?

Krinner: Auch in Wolfsburg habe ich dieses System spielen lassen. Da hat es zwei bis drei Monate gedauert bis die Automatismen gegriffen haben. Aber wir sind im Plan und ich denke, wir werden Erfolg haben.

SPORT1: Wen sehen Sie als Favoriten?

Krinner: Die üblichen Verdächtigen wie Mannheim und Berlin werden wieder um den Titel mitspielen (Meistertipps der Trainer).

SPORT1: Könnte es wieder einen Überraschungsmeister geben?

Krinner: Das ist auf jeden Fall möglich. Mannheim ist beispielsweise letzte Saison als Mitfavorit nicht in die Playoffs gekommen. Das zeigt, wie stark die Liga ist. Jede Mannschaft kann für Furore sorgen und den Titel holen.

SPORT1: Hans Zach war ein sehr spezieller Charakter mit einem autoritären Führungsstil. Was machen Sie im Vergleich dazu anders?

Krinner: Mein Stil hat mir bislang Erfolg beschert und den werde ich so beibehalten. Ich habe früher zwar in Kassel und in Bayreuth unter Hans Zach gespielt, aber wie sein Stil zuletzt war, kann ich nicht beurteilen. Daher will ich mich auch nicht mit ihm vergleichen.

SPORT1: Haben Sie noch Kontakt mit Zach? Schließlich kommen Sie ja beide aus Bad Tölz?

Krinner: Wir telefonieren regelmäßig miteinander, in den letzten Wochen etwas weniger, da viel zu tun war.

SPORT1: Holen Sie sich auch Ratschläge?

Krinner: Am Anfang meiner Karriere hat er mir einige Tipps gegeben. Aber mittlerweile habe ich meinen eigenen Stil gefunden und treffe meine Entscheidungen selbstständig.

SPORT1: Zum Saisonauftakt geht's gegen Ihren Ex-Verein Wolfsburg. Wie gehen Sie dieses Spiel an?

Krinner: Wir müssen, was die Strafen betrifft, sehr diszipliniert spielen. Zudem müssen wir über die Schmerzgrenze gehen und körperlich immer präsent sein. Dann werden wir in Wolfsburg eine Chance haben. Wenn wir emotionslos spielen, holen wir nichts.

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