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Lance Nethery ist seit 2007 bei der DEG als Trainer und Manager aktiv © getty

Angesichts der wirtschaftlichen Probleme fürchten mehrere DEL-Manager den Kollaps der Liga und fordern eine Reform.

Berlin - Neue Saison, alte Probleme: Die Sorge vor einer weiteren Pleitewelle dämpft in der DEL die Vorfreude auf die neue Spielzeit.

Doch obwohl viele Klubs weiter ums finanzielle Überleben kämpfen, haben nur die wenigsten wirklich entscheidende Einschnitte im Etat vorgenommen.

Kurz vor dem Saison-Startschuss am Freitag (ab 19.30 Uhr LIVESCORES) schlagen einige Klub-Manager Alarm.

"Die jüngste Erfahrung lehrt uns, dass unser jetziges Konstrukt irgendwann kollabiert", sagte Marco Stichnoth, Geschäftsführer der Hannover Scorpions, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

Köln und Krefeld knapp am K.o. vorbei

Der Meister der vergangenen Saison entging ebenso wie die Kölner Haie und die Krefeld Pinguine nur knapp einem finanziellen K.o..

Ex-Meister Frankfurt Lions dagegen musste aufgeben, den Kassel Huskies wurde wegen der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens die Lizenz verwehrt.

Umfassende Reform gefordert

Angesichts dieser Hiobsbotschaften fordert Stichnoth eine umfassende Ligareform:

Die Wiedereinführung des Auf- und Abstiegs, Abschaffung der Mindestgrößen von Eisstadien sowie den Zusammenschluss der DEL und des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) unter einem gemeinsamen Dach. (DATENCENTER: Der DEL-Spielplan).

Nethery-Abgesang auf die DEL

Viele dieser Punkte sieht Lance Nethery ähnlich. "Wir brauchen ein neues tragfähiges Konzept, das wir konsequent umsetzen müssen", sagte der Manager der Düsseldorfer EG, der den Etat des Traditionsklubs notgedrungen um 1,5 Millionen Euro senken musste.

Netherys Momentaufnahme klingt wie ein Abgesang auf die DEL in ihrer jetzigen Form: "Es gibt zu viele Teams, zu viele Spiele, zu wenig Fans, zu wenig Sponsoren, zu wenig TV-Präsenz und eine schlechte Außendarstellung."

Heim-WM macht Hoffnung

Hoffnung habe ihm jedoch die berauschende Heim-WM mit dem vierten Platz der deutschen Nationalmannschaft gegeben, meinte der DEG-Manager: "Sie hat gezeigt, dass Eishockey in Deutschland funktionieren kann."

Thomas Eichin, Geschäftsführer der Kölner Haie, hat dagegen keine Hoffnung auf einen spürbaren WM-Effekt. "Wir müssen nicht träumen und glauben, dass uns nach einer WM die Zuschauer und Sponsoren plötzlich die Tür einrennen. Das ist Kokolores", sagte der 43-Jährige den "Aachener Nachrichten".

Haie-Not schlechtes Zeichen

Auch Eichin musste zahlreiche Einsparungen vornehmen, um den achtmaligen Meister am Leben zu erhalten, was seiner Meinung nach kein gutes Zeichen für die DEL ist: "Es gibt Klubs wie die Kölner Haie, wenn die husten, dann geht es der ganzen Liga nicht gut."

Doch trotz der düsteren Aussichten fuhren die meisten Klubs ihre Etats nur unwesentlich zurück.

Mannheim Branchenprimus

Im Schnitt verfügen die Vereine über ein Budget von 5,2 Millionen Euro, was im Vergleich zum Vorjahr nur ein durchschnittliches Minus von 100.000 Euro bedeutet.

Einzig der Einschnitt bei der DEG (-1,5 Millionen Euro), den Haien (-1,0) und den Pinguinen (-1,0) ist signifikant.

Branchenprimus ist Rekordmeister Adler Mannheim mit einem Etat von acht Millionen Euro.

"Wenn wir die Etats weiter zurückfahren, wird die Liga immer uninteressanter, denn schon jetzt spielen die besten Ausländer nicht mehr bei uns", sagte Stichnoth und fordert stattdessen Maßnahmen, um die Einnahmen der Klubs zu erhöhen: "Wir müssen es schaffen, endlich das Chaos zu beenden und die Attraktivität der Liga herauszustellen."

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