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Die Augsburg Panther verloren das DEL-Finale 2010 in drei Spielen © imago

Der niedrigste Etat, sieben Leistungsträger verloren und sieben Auswärtsspiele in Folge: Augsburg trotzt allen Widrigkeiten.

München/Augsburg - Augsburg lässt die Puppen tanzen:

Nur wenige Stunden nach den Zweitliga-Fußballern vom FC schafften am Sonntag auch die Augsburger Panther in der DEL den Sprung an die Tabellenspitze (DATENCENTER: Ergebnisse Tabelle).

Während der FC Augsburg als selbsternannter Aufstiegskandidat die 2. Liga nicht überraschend anführt, ist der fast perfekte Saisonstart der Panther schon eine Überraschung.

Der DEL-Klub hat den kleinsten Etat der Liga, von der Vizemeister-Mannschaft ist nur noch das "deutsche Gerüst" auf dem Eis und bislang konnten die Panther wegen Umbauarbeiten an der heimischen Arena nur Auswärtsspiele absolvieren.

12 Punkte in 5 Spielen? "Nehme ich"

Das 5:2 am Sonntag bei den Straubing Tigers war der vierte Sieg im fünften Saisonspiel für den Überraschungs-Vizemeister der Vorsaison (SERVICE: Stenogramme der 6. Spieltags).

Selbst Trainer Larry Mitchell kann s kaum fassen: "Wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, ihr habt zwölf Punkte nach fünf Spielen, hätte ich das sofort angenommen."

Nur eine Momentaufnahme

Die Augsburger Erfolgsgeschichte ist inzwischen auch im Rathaus der drittgrößten bayerischen Stadt angekommen.

"Die Stadt und ich freuen sich sehr über die bisher so erfolgreichen Vereine FC Augsburg und Augsburger Panther", sagte Oberbürgermeister Kurt Gribl:

"Uns ist aber auch bewusst, dass dies gerade zu Saisonbeginn nur ein momentaner Augenblick ist. Trotzdem wünsche ich natürlich beiden Klubs, dass zum Ende der Saison der jetzige Tabellenstand auch der Endstand ist."

Mitchell bremst Euphorie

Zumindest bei den Panthern ist man, was die Zukunft betrifft, wesentlich vorsichtiger.

"Unser Programm ist derzeit sehr anstrengend. Wir sind ständig auf Reisen und haben keine eigene Halle. Ich weiß nicht, wie lange wir die augenblickliche Erfolgswelle noch reiten können", sagt Mitchell.

Die Trainingseinheiten hält der Coach wegen der Umbauarbeiten am Curt-Frenzel-Stadion derzeit in einer aufblasbaren Halle in einem Augsburger Vorort ab.

Ausländer folgen dem Geld

Der Deutsch-Kanadier sah sich nach dem überraschenden Finaleinzug in der Vorsaison zu einer Runderneuerung gezwungen.

Alle sieben Ausländer folgten dem Lockruf des Geldes und suchten sich neue Herausforderungen. Mit dem Mini-Etat von 3,4 Millionen Euro wurden 15 neue Spieler geholt.

Das bescheidene Saisonziel war und ist die erneute Qualifikation für die Playoffs.

6100 Kilometer im Bus

Zum Neuaufbau kam die Arbeit am maroden Traditionsstadion erschwerend hinzu, der die Panther zu sieben Auswärtsspielen und 6100 Reisekilometern in drei Wochen zwingt.

Erst am 3. Oktober gibt es gegen Meister Hannover das erste Heimspiel der Saison.

Die Fahrten in die Fremde werden aus finanziellen Gründen allesamt mit dem Bus zurückgelegt.

Kein Respekt vor den Traditionsklubs

Trainer Mitchell macht das Beste aus der Situation und nutzt die vielen Stunden auf Deutschlands Autobahnen zum Teambuilding. Dass diese ganz besondere Integrationsarbeit ihre Wirkung nicht verfehlt, zeigen der Tabellenstand und der mit 24 Toren beste Angriff der Liga.

Die 15 Neuzugänge kennen sich laut Mitchell in Deutschland überhaupt nicht aus. Spiele bei Traditionsklubs wie Köln und Düsseldorf seien daher nichts Besonderes, weil schlicht das Wissen um deren Bedeutung im deutschen Eishockey fehlt.

"Für sie sind halt alle Gegner gleich. Sie haben keinen Respekt", sagt Mitchell.

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