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Thomas Eichin bestritt 180 Bundesliga-Spiele für Borussia Mönchengladbach © imago

Der Geschäftsführer der Kölner Haie fordert auch eine Verkleinerung der Liga. DEL-Geschäftsführer Tripcke reagiert reserviert.

München - Der Zuschauerschwund in der DEL hat eine neue Debatte über den Modus und die Größe der Eliteklasse ausgelöst.

Thomas Eichin, Geschäftsführer der Kölner Haie, beziffert das Minus des einstigen Branchenführers nach gut einem Drittel der Saison bereits auf "eine gute sechsstellige Summe".

Der frühere Fußball-Bundesligaprofi fordert deshalb: "Wir brauchen eine Zwölfer-Liga mit Auf- und Abstieg."

Den Haien, die am Sonntag beim 4:1 gegen den EHC Wolfsburg nur 7786 Fans begrüßen durften, fehlen pro Spiel fast 2000 Zuschauer im Vergleich zur Vorsaison. Sie sind damit die größten Verlierer.

"Weniger wäre mehr"

Doch auch acht andere Klubs aus dem 16er-Feld befinden sich im Minus, vor allem die Nürnberg Ice Tigers (minus 1500) und die Hamburg Freezers (minus 1400).

Für Eichin ist die Vielzahl der Spiele - in dieser Saison 52 pro Klub - das Hauptproblem. "Es ist einfach schwachsinnig zu glauben, dass die Leute dafür Geld haben", sagt der Haie-Geschäftsführer: "Weniger wäre mehr."

Die einzelnen Spiele hätten viel zu wenig Bedeutung: "Spieler und Trainer gehen läppisch mit dem Saisonbeginn um, weil sie denken, dass es erst im November, Dezember richtig losgeht."

Kurzfristiges Denken beklagt

Eichin will deshalb bei der nächsten DEL-Gesellschafterversammlung einen neuen Vorstoß für eine Reduzierung der Liga unternehmen. "Beim letzten Mal habe ich mir Backpfeifen eingefangen", sagt er.

Damals stimmten vor allem die kleinen Klubs dagegen, stattdessen wurde die zwischenzeitlich auf 14 Teilnehmer verringerte Liga wieder auf 16 aufgestockt.

Eichin, der die "geilste Sportart" nicht schlechtreden möchte, fehlt vor allem ein langfristiges Konzept: "Wir haben ein Top-Produkt mit riesigem Potenzial, aber wir scheitern immer daran, dass wir zu kurzfristig denken. Wenn wir so weiterwurschteln, gefährden wir unsere Sportart."

Krupp und Kühnhackl auf Eichins Seite

Unterstützung bekommt der Kölner Geschäftsführer von Bundestrainer Uwe Krupp. Der frühere NHL-Profi fordert ebenfalls weniger Spiele und die Wiedereinführung des Auf- und Abstiegs - wie auch der neue DEB-Vizepräsident Erich Kühnhackl.

Eine Einigung mit der zweiten Liga war im Frühjahr gescheitert, weil das Unterhaus mit den Rahmenbedingungen der vorgeschlagenen Relegation zwischen dem DEL-Letzten und dem Zweitliga-Meister nicht einverstanden war.

"Ich bin bereit, ab morgen um den Abstieg zu spielen, auch wenn wir unten drin stehen", sagt Eichin. Nach der jetzigen Regelung gehe es "ab Dezember für die Teams unten nur noch um die Goldene Ananas".

Tripcke reagiert reserviert

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke hält die Modusdiskussion "für kein Patentrezept".

Er glaubt nicht, "dass weniger Spiele oder der Auf- und Abstieg etwas an den Zuschauerzahlen ändern würden."

Tripcke sieht "kein grundsätzliches Zuschauerproblem" und verweist darauf, dass vier Klubs über dem Schnitt der Vorsaison liegen. "Wir haben die Zuschauerzahl in den letzten zehn Jahren um fast 50 Prozent erhöht", rechnet Tripcke vor. Die Probleme seien lokal begründet.

Krefeld auch bei Fanzuspruch großer Gewinner

Zu den Gewinnern in der Zuschauergunst zählen die Krefeld Pinguine, die auch nach 18 Spieltagen noch überraschend das Feld anführen.

Im Schnitt wollen 800 Fans mehr als im Vorjahr die Rheinländer spielen sehen - weil sie öfter siegen. "Siege waren in Krefeld sonst immer etwas Besonderes, jetzt haben wir gelernt, dass Siege normal sind", sagte Verteidiger Rastislav Pavlikovsky nach dem 5:0 bei den Augsburger Panthern.

Erfolgsgaranten sind der überragende Torhüter Scott Langkow und der neue Trainer Igor Pawlow. "Es ist beeindruckend, wie er die jungen Spieler führt und ihnen Vertrauen schenkt. Das gab es in Krefeld lange nicht mehr", lobte Geschäftsführer Wolfgang Schäfer den Russen.

Das Saisonziel will der Coach, der "selbst überrascht ist", aber nicht korrigieren: "Ich bleibe bei Platz sechs."

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