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Jonas Langmann (li.) stand in der Saison 2009/2010 im Kader der ISerlohn Roosters © imago

Die finanziellen Schwierigkeiten beim Titelverteidiger halten weiter an. Doch Hannover trotzt allen Problemen und bleibt Erster.

Hannover - Im Tor helfen zwei Teenager aus, der Klub steht finanziell auf der Kippe und zwei Drittel der Spieler sind am Saisonende ohne Vertrag:

Die Situation bei den Hannover Scorpions ist alles andere als rosig, doch ungeachtet aller Turbulenzen führt der Meister die Tabelle der Deutschen Eishockey Liga (DEL) an.

"Die Situation außerhalb der Eisfläche können wir ohnehin nicht beeinflussen. Und sie darf keine Ausrede für schlechte Leistungen sein", sagt Stürmer Nikolaus Mondt.

Die Bundeshauptstadt Berlin zieht mit dem Slogan "Arm, aber sexy" jedes Jahr Millionen von Touristen an. Und auch 300 Kilometer weiter westlich zeigt sich, dass Erfolg nicht zwangsläufig volle Kassen bedingt.

Der neue Trainer Toni Krinner ist von seiner Truppe jedenfalls begeistert. Phänomenal sei es, mit welcher Einstellung das Team in die Spiele gehe.

Nachwuchs mit tadellosen Leistungen

Zuletzt kurvten die Scorpions viermal in Folge als Sieger vom Eis (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle). Sie schlugen die Eisbären Berlin, die Ice Tigers Nürnberg, die Iserlohn Roosters und am Sonntag die Kölner Haie (STENOGRAMME 17. Spieltag) .

Dabei musste Krinner wegen verletzungsbedingter Ausfälle auf die 18-jährigen Torhüter Jonas Langmann und Lukas Steinhauer setzen.

Steinmauer hielt in der heimischen Arena, Langmann kam auswärts zum Zug. Die beiden Jungspunde zeigten tadellose Leistungen und profitierten dabei auch vom großen Zusammenhalt in der von Geschäftsführer Marco Stichnoth über Jahre zusammengestellten Mannschaft.

"Das Produkt Scorpions ist nicht gesund"

Der Teamgeist der Scorpions ist in der Tat erstaunlich, denn die finanzielle Lage ist offenbar noch immer prekär. Schon vor der Saison stand der Klub vor dem Aus, weil Eigner Günter Papenburg nicht jedes Jahr Unsummen in dem defizitären Verein versenken will.

Die laufende Saison ist mittlerweile gesichert, doch im kommenden Jahr will und muss Hannover ohne Papenburg auskommen.

Das Loch in der Kasse will Stichnoth mit steigenden Zuschauereinnahmen und neuen Sponsoren stopfen. Das gelingt aber nur teilweise. Der Dauerkartenabsatz verdoppelte sich zwar auf 2200 Tickets, doch das Sommertheater um die ungewisse Zukunft schuf nicht gerade Anreize für neue Geldgeber.

"Der Punkt ist, dass das Produkt Scorpions nicht gesund ist", sagt Stichnoth. Panikmache wolle er nicht, aber eine offene Kommunikation über die Zahlen.

Block-Wechsel im Sommer?

Um die Zahlen geht es auch Papenburg. Obwohl der Mäzen die Saison für gesichert erklärt hat, sucht der Unternehmer weiter nach Einsparmöglichkeiten. Seine Forderung, dass die Spieler wie im vergangenen Jahr auf 15 Prozent des Gehalts verzichten sollen, ist offenbar wieder vom Tisch.

Mittlerweile wird verhandelt, ob die Spieler weiter ihr Grundgehalt beziehen und dafür auf einen Teil der Prämien verzichten.

Diese Situation macht die Vertragsverhandlungen für Stichnoth nicht gerade leichter, und sie wird wohl dazu führen, dass in der kommenden Saison ein komplett neues Team in den Scorpions-Trikots steckt.

"Das ist ein Wink für die Zukunft"

Die Verträge von 17 Spielern laufen aus, die Personalkosten von derzeit 3,6 Millionen Euro müssen halbiert werden. Es ist dadurch kaum zu vermeiden, dass teure Leistungsträger den Verein verlassen werden.

Die Eiszeit, die die Torhüter Langmann und Steinhauer derzeit bekommen, dürfte deshalb sinnbildlich für die Zukunft der Scorpions stehen.

Trainer Krinner rührt jedenfalls schon mal die Werbetrommel: "Das ist ein Wink für die Zukunft. Es lohnt sich für junge Spieler, nach Hannover zu kommen."

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