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Vor seinem Geschäftsführer-Job bei den Haien war Thomas Eichin Profi-Fußballer © imago

Im SPORT1-Interview will Thomas Eichin von einem Machtverlust durch einen zweiten Haie-Geschäftsführer nichts wissen.

Von Annette Bachertund Christian Paschwitz

München - Alarm-Stimmung bei den Kölner Haien: 13 Niederlagen nach 19 Spielen, Tabellenletzter der DEL :

Es war absehbar, dass als erste Konsequenz Bill Stewart, Chefcoach und Manager in Personalunion, seinen Hut nehmen musste.

Dem bisherigen Allein-Geschäftsführer Thomas Eichin wurde nun zudem Jan Broer zur Seite gestellt, der - bisher nur einer der sechs Gesellschafter - damit zusätzlichen Einfluss gewinnt.

Von einem "Machtverlust" will Eichin aber nicht sprechen.

"Ganz selten nur ein Geschäftsführer"

Im SPORT1-Interview bezieht der Ex-Profi-Fußballer Stellung zu seiner persönlichen Situation - und Bundestrainer Uwe Krupp als möglichen Stewart-Nachfolger,

SPORT1: Herr Eichin, Beobachter sehen in Jan Broers Installierung als Geschäftsführer einen Machtverlust Ihrerseits, weil Sie von der sportlichen Entscheidungsgewalt nun losgekoppelt sein sollen. Wieviel Gewicht hat Ihr Wort denn noch bei den Haien?

Thomas Eichin: Gegen Interpretationen dieser Art kann man sich kaum wehren. Das sehen Jan Broer und ich aber sehr unaufgeregt. Bei den Haien hat es in den letzten Jahren nur ganz selten einen einzigen Geschäftsführer gegeben. Es ist absolut sinnvoll, sich die Vielzahl der Aufgaben aufzuteilen. Die Entscheidungen auf sportlicher Ebene trifft der Sportchef beziehungsweise der Manager.

SPORT1: Den es derzeit aber nicht gibt...

Eichin: Nach der Freistellung Bill Stewarts bauen wir in diesen Tagen an einem Konstrukt, wie die sportliche Ausrichtung aussehen kann. Um es noch mal deutlich zu machen: Aufgabe eines Geschäftsführers ist es nicht, die Mannschaft zusammen zustellen.

[kaltura id="0_i3tbukh6" class="full_size" title="Krupp im SPORT1 Interview"]

SPORT1: Inwieweit wird Ihre Position nochmals verändert durch den Umstand, dass Jan Broer auch noch eine Berater-Gruppe installieren will, die sportliche Kompetenz in den Klub zurückbringen soll?

Eichin: Jan Broer und ich sind uns sicher, dass wir die sportliche Kompetenz beim KEC stärken müssen. Da müssen wir uns besser aufstellen. Gemeinsam erarbeiten wir derzeit das Konzept dafür. Dass wir ? als wir im Januar mit Bill Stewart verlängert haben ? aus einer wirtschaftlich massiv unsicheren Position handeln mussten, sollte dabei nicht vergessen werden.

SPORT1: Mancherorts wird gar darüber spekuliert, ob Sie zurücktreten werden wegen der neuen Personalsituation in der Führungsetage. Was sagen Sie dazu?

Eichin: Um es noch mal deutlich zu sagen: Ich begrüße die Installation Jan Broers zu 100 Prozent. Diese Entscheidung ist ja auch nicht gestern oder heute getroffen worden. Wir arbeiten schon seit Monaten gut und eng zusammen. Alleine ist das Ganze kaum zu stemmen. Ich bin sehr froh, ihn an meiner Seite zu wissen. Mal davon abgesehen, verstehen wir uns auch persönlich sehr gut.

SPORT1: Wie gehen Sie mit der Kritik an Ihrer Person hin?

Eichin: Das ist normal. Dem stelle ich mich auch. Als Geschäftsführer muss man den Schädel hinhalten, auch für Dinge, an denen man keine direkte Schuld trägt. Die Rahmenbedingungen in den letzten Monaten waren nicht leicht. Unser Fokus lag darin, den Klub überhaupt am Leben zu halten. Das wird schnell vergessen. Bis Juni 2010 waren wir in akuter Insolvenzgefahr. Es ging vor allem darum, neue Investoren zu finden. In der Zeit hätte hier Wayne Gretzky sitzen können, es wäre ihm kaum möglich gewesen, ein sportliches Konzept umzusetzen. Als Geschäftsführer war es mir in dieser schweren Phase nicht erlaubt, irgendwelche Verträge auszuhandeln. Wir wussten damals nicht mal, ob wir den nächsten Tag überstehen.

SPORT1: Hat Bill Stewart bei der Kader-Zusammenstellung Fehler gemacht?

Eichin: Da gibt es wohl kaum zwei Meinungen. Wenn zwei Spieler bereits ausgetauscht wurden und du Letzter bist, wurden natürlich Fehler gemacht. Sicher hat Bill nicht das glücklichste Händchen bei der Kaderzusammenstellung gehabt. Es gehört sich aber nicht, ihm jetzt Dreck hinterher zu werfen. Bill hat sich uns gegenüber immer korrekt verhalten.

SPORT1: Der sportliche Wendepunkt nach der Stewart-Entlassung ist mit der Niederlage gegen den EHC München ausgeblieben. Haben Sie beim Team dennoch erste Reaktionen gesehen? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Eichin: Die Mannschaft hat wieder einmal gezeigt, dass sie es kann und hat im ersten Drittel ganz stark gespielt. Was uns weiterhin fehlt, ist Konstanz und Selbstvertrauen. Dass wir dann noch zwölf Sekunden vor Schluss den Ausgleich kassieren, passt ins Bild.

SPORT1: Sind die Playoffs noch erreichbar?

Eichin: Momentan spricht bei uns keiner von Platz sechs, Rang zehn ist aber natürlich noch drin. Weitere Spielerverpflichtungen sind am heutigen Tag aber kein Thema.

SPORT1: Wie weit sind die Gespräche mit Uwe Krupp als möglicher Nachfolger?

Eichin: Wir hatten mit Uwe Krupp ein Gespräch, sind aber so verblieben, dass uns wir nach dem Deutschland Cup nochmals treffen. Eine endgültige Entscheidung soll möglichst in der Spielpause der DEL fallen. (EXKLUSIV: Uwe Krupp im SPORT1-Interview)

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